Freitag, 20. September 2013

"Du wurdest getaggt!"

Aha, ich wurde also getaggt - und nachdem ich meinen Freund Google bat, mir ein bisschen darüber zu erzählen, bin ich nun auch etwas schlauer und habe beschlossen, das Spielchen mitzuspielen! Getaggt hat mich die liebe Nadine von Familie & Freizeit in Hannover. Freut mich! Nadine erklärte auch noch kurz die Regeln, ich zitiere:

"Und hier noch die Regeln fürs taggen:
Beantworte die Fragen, die der Tagger dir gestellt hat.
Denke dir selbst zehn Fragen aus, die du den Bloggern, die du taggen möchtest, stellst
Such dir zehn Blogs aus, die unter 200 Follower haben und tagge sie.
Erzähle es den glücklichen Bloggern.
Zurücktaggen ist nicht erlaubt. ;)"

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Dann versuche ich mal, ihre Fragen zu beantworten.

1. Was gefällt dir am Herbst? 
- Ehrlich? Nichts. Ich mag den Herbst nicht, weil er ein Vorbote für den Winter ist, den ich noch weniger leiden kann. Die kurzen Tage und das oft graue und windig-kühle Wetter kann ich gar nicht leiden und es schlägt mir auf's Gemüt - außerdem geht die Krankheitszeit los und die Grillsaison endet.

2. Welches Buch kannst du weiterempfehlen? 

- Es gibt ein Buch, das es geschafft hat, mich in all den Jahren des Lesens und Literaturstudiums so richtig tief zu berühren. "Ist das ein Mensch" von Primo Levi. Unbedingt lesen.

3. Dein Lieblingsort? 

- Ein Einzelarbeitsraum in der Universitätsbibliothek. Nur ich und mein Laptop. 

4. Das wichtigste im Leben ist…? 

- ...Menschen zu haben, die man liebt, von denen man zurückgeliebt wird - und die einem immer wieder zeigen, dass alles andere unwichtig ist.

5. Wovor hast du Angst? 

 - Ebendiese Menschen zu verlieren

6. Deine Lieblingsfarbe? 

- Grün

7. In drei Monaten ist Weihnachten, suchst du jetzt schon nach Geschenken?

- *lach* Oh nein, ich gehöre zu den CCs - Christmas Chaoten, die am 23. und 24. noch panisch durch die Stadt hetzen.

8. Wie sieht für dich ein perfektes Wochenende aus? 
- Ausgeschlafen etwas Schönes mit der Familie unternehmen, danach alleine, mit Freundinnen oder meiner Mom bummeln gehen, während der Mann auf die Mäuse aufpasst und nach der Kinderschlafenszeit nochmal mit Laptop in einem schon erwähnten Arbeitsraum verschwinden zu können. Außerdem gehört dringend schönes Wetter und ein Grillabend im Garten mit Freunden dazu.

9. Frühaufsteher oder Morgenmuffel? 

- Definitiv Morgenmuffel! Beziehungsweise müsste für mich ein neues Wort erfunden werden, denn Muffel ist zu schwach.

10. Dein Lieblingsseite im Internet? 

- Alle tun es, kaum einer gibt es zu: Facebook ;)

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So, hiermit habe ich Nadines Fragen beantwortet. Und jetzt muss ich mir wohl welche ausdenken - so schreiben es die Regeln vor. Puh, das wird schwer.

1.  Hunde- oder Katzenmensch?
2.  Die berühmte Frage: Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
3.  Mit welchem Star würdest du gerne für eine Woche dein Leben tauschen?
4.  Ein Feenwunsch frei. Was darf es sein?
5.  Welche deiner Eigenschaften finden deine Freunde anstrengend?
6.  Welche deiner Eigenschaften schätzen deine Freunde am meisten?
7.  Lieblingsserie aus deiner Kindheit?
8.  Bist du zufrieden mit deinem Aussehen?
9.  Was ist deine Lieblingsjahreszeit und warum?
10. Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Ich tagge:

Inmarcesible (ist zwar kein kleiner Blog mehr, aber egal, da muss sie jetzt durch)
Kaleas Welt
Mama sein - Frau bleiben
Räuberherz
Kids, Hubby and me
Aus dem Leben einer Zwillings-Mama
Der schöne schicke Babybauch
A glorius mess
Mrs. Chaos Queen
Alltagsschrott (einfach cool)








Mittwoch, 18. September 2013

Zweinzelkind

Die Maus ist im Kindergarten, ich gieße mir eine heiße Tasse Kaffee ein, werde langsam fit und spiele mit dem Mäuschen auf dem Teppich im Wohnzimmer. Sie schleppt mir Bücher an, die wir schon hunderfach angesehen haben, macht "Wau!" zu allem, was vier Beine hat, rennt auf ihren kleinen Beinchen durch die Wohnung und ist so schnell von allem begeistert, was man mit ihr macht. Oder wir gehen spazieren, bummeln gemütlich mit dem Kinderwagen durch die Altstadt. Sie zeigt auf alles und winkt jedem, alles ist "Bau!" (Baum, ihr neustes Lieblingswort), sie lässt mich sogar in Kleidungsgeschäften nach langweiligen Mamasachen gucken. Dann setzen wir uns an den Markt oder an den See und spielen Nachlauf oder Ball -  und ist dabei so niedlich, ich könnte sie einfach nur knuddeln.

Das Mäuschen ist beim Papa und die Maus und ich machen Große-Mädels-Nachmittag zusammen. Das ist unser monatliches Ritual und wir genießen es beide sehr. Wir gehen in die Stadt, lesen stundenlang Bücher in der Kinderecke der Stadtbücherei, gucken uns jedes Spielzeug im Kinderladen genau an, kaufen auch meistens eine Kleinigkeit, futtern ein Eis beim Lieblingseisladen oder Crêpes am Marktstand. Dann geht es noch auf den Spielplatz, wenn das Wetter mitspielt und wir rutschen, rennen, schaukeln und toben.
Sie ist so ein Schatz, schon meine richtig große Maus, mit der man Spaß haben und sich unterhalten kann -
und ist dabei so süß, ich könnte sie einfach nur knuddeln.

Doch wehe, wehe sie treffen aufeinander!

Sobald die Maus die Augen aufmacht und das Mäuschen ins Zimmer stürmt (wir sind meist schon vor der Großen wach) ist die Ruhe und Niedlichkeit vorbei. Beide verwandeln sich binnen Sekunden in Stressmonster! Mäuschen zieht Maus an den Haaren, Maus jagt Mäuschen durch die Wohnung (finden alle spaßig, nur die Mama nicht um diese Uhrzeit), Mäuschen wirft Mausens Stifte durch das Zimmer, Maus schreit wegen dieser Aktion Zeter und Mordio, Maus versteckt Mäuschens Schnuller so im Bett, dass dieses ihn nicht mehr finden kann, Mäuschen brüllt wegen dieser Aktion wie am Spieß.

Sobald die Maus aus dem Kindergarten kommt und das Mäuschen Mittagsschlaf gemacht hat, ist die Ruhe und Niedlichkeit wieder vorbei. Beide verwandeln sich binnen Sekunden in Terrormäuse! Mäuschen lässt Maus nicht in Ruhe mit Mama ein Buch angucken, Maus sieht es nicht ein, dass Mäuschen mit ihrem Playmobil spielt, Mäuschen hat keine Lust zu warten, bis Mama und Maus ein Bild beklebt haben und wütet in der Küche, Maus hat keine Lust zu warten, bis Mama und Mäuschen Bauklötze gespielt haben und sitzt laut meckernd und trotzig in der Ecke.

Es könnte alles so einfach sein. So schön. So friedlich. So perfekt - wenn man ein Zweinzelkind hat. Sobald daraus jedoch ein Geschwisterkind wird, ist es nicht mehr zu bremsen. Beinahe unheimlich, wie Kinder diesen Schalter umlegen können. Und auch verständlich. Nichtsdestotrotz auch grauenvoll anstregend für die arme Mutter, die sich in solchen Momenten sogar sträflich an Goethe vergreift:

Zwei Seelen wohnen, ach! in ihrer Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Schwesternlust
sich an die Maus mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Frust
zu den Mäuschens Stofftierahnen. 


Und wie immer tue ich das, was man als Mutter immer tut. Ich warte, bis eine bessere Zeit kommt, in der wir alle drei gemeinsam auf dem Teppich im Wohnzimmer spielen und Bücher ansehen können und bis ich keine Zweinzelkinder mehr brauche, um sie zum Knuddeln süß und niedlich zu finden. Und falls jetzt hier jemand liest, der schon ältere Kinder hat als ich: 

Bitte zerstört nicht meine Hoffnungen. Lügt einfach. 


Montag, 16. September 2013

Oberflächlich betrachtet

Yummy Mummy oder Öko Muddi - oder etwas dazwischen? Zu welcher Sorte Mütter gehört ihr? Ich lebe in einer Stadt, in der die Öko Muddi das Stadtbild sehr prägt. Aber eine Art Mama gibt es hier, mit der ich gar nicht klarkomme: Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Frauen Shampoo und Bürsten gegen ihre Kinder eingetauscht haben müssen und scheinbar auch keine Zeit mehr für Kleidungswechsel haben. Klingt böse, ich weiß - aber ich kann nicht nachvollziehen, wie man als Frau auf alles verzichten kann, was mit Pflege oder Äußerlichkeiten zu tun hat.

Ich möchte über niemanden urteilen. Jeder sollte und darf so durch die Welt gehen, wie er sich am wohlsten fühlt. Ich gehöre eben zu den Müttern, die einmal am Tag die Brut aus dem Zimmer werfen, sich vor ihr prall gefülltes Schminkschränkchen stellen und die hohe Kunst der Gesichtsbemalung pflegen. Auch stehe ich eher zu lange vor dem Kleiderschrank, bevor ich mein Outfit wähle - und kaum weniger Zeit benötigt die Schuhwahl, die leider viel zu selten auf High Heels fällt, da Kinder UND Kopfsteinpflaster selbst für mich zu viel sind. Ich sage es ohne Umschweife: Ohne Mascara, Kajal, Eyeshadow oder Abdeckstift verlasse ich nicht das Haus. Der Mann findet diese Macke lustig - lernten wir uns doch in einer Zeit kennen, in der ich nicht einmal Mascara benutze, "weil meine Wimpern doch sowieso schon schwarz sind" - und fragt immer, ob ich im REWE Heidi Klum erwarte, die ein spontanes Casting zwischen Dosenwurst und Klopapier veranstalten möchte. Natürlich tue ich das nicht! (Aber falls sie kommt, bin ICH gerüstet!)

Ich erwarte das nicht von anderen Frauen. Ich stehe eben eher auf Röhre und Tubetop, andere lieben Hippiestyle, Öko- oder Basiclook. Alles ist toll. Alles ist erlaubt. Wofür ich nur kein Verständnis habe, sind Frauen, die ihrer Umwelt das Gefühl vermitteln, sie wären nur angezogen, um nicht nackt zu sein, behaargummit, nur um die Kinder besser zu sehen - und sorry: aussehen, als wären sie gerade nach einem tagelangen Schlaf aus dem Bett gefallen. Ohne Dusche. Oder Bürste. Sicher weiß ich nicht, ob diese Damen nicht auch schon vor ihren Kindern so wenig auf ihr Äußeres achteten, aber ich kenne auch viele Fälle, die sich nach der Geburt ihrer Kinder total haben gehen lassen. Und das finde ich traurig. Denn was in den ersten Wochen nach der Geburt noch vollkommen normal und fast unumgänglich ist, wird doch spätestens nach ein paar Monaten zur traurigen Gewissheit: Kind bekommen, Fall erledigt.

Vor einigen Monaten stand ich an der Ampel mit den Kindern. Neben mir zwei dieser argen Fälle. Sagt doch die eine zur anderen gerade so laut, dass ich es hören kann: "Früher habe ich mich auch geschminkt. Heute verbringe ich die Zeit lieber mit meinen Kindern." Ist das zu fassen? Ich weiß ja nicht, wie lange die Gute braucht, um sich zu schminken, aber ich hoffe doch, dass meine Kinder 10 Minuten am Tag Mamazeit entbehren können, sich dafür aber später mal nicht für mich schämen müssen, wenn ich sie von Kindergarten und Schule abhole. In einer Stadt wie dieser fällt man eben eher negativ auf, wenn man Kinder UND Augenmakeup hat.

Auch tun mir die zugehörigen Männer leid, die mit ansehen müssen, wie ihre Frau sich in eine Glucke verwandelt, die sich für nichts mehr interessiert, was nicht mit Dreikäsehoch und Tragetuch zu tun hat.
(Und ich meine hier nicht die Figur, die sich während und nach einer Schwangerschaft sowieso verändert.) Sicher ist all das kein kein Scheidungsgrund - aber wundern braucht sich keine Frau, wenn ihr Kerl sich irgendwann sehnsüchtig nach anderen Frauen umdreht, die noch wissen, wie man Körperpflege und Styling schreibt.

Aber was ist nun das richtige Mischungsverhältnis? Ich denke, Frau sollte sich guten Gewissens vor den Spiegel stellen und sich mit dem, was sie sieht, wohlfühlen können - und sich ab und zu eigene Bilder aus der Vor-Kinder-Zeit ansehen, um nicht ganz aus dem Auge zu verlieren, in welche Frau sich der Vater ihrer Kinder vor Jahren verliebt hat. Innere Werte zählen ganz sicher, aber Hand auf's Herz: Wollen wir selbst nicht auch das Komplettpaket?



Sonntag, 15. September 2013

Grummarcesible - Sarah und Katja fusionieren (jeden Sonntag)

Hinter der Grummelmama und Inmarcesible stecken Sarah und Katja. Sie lernten sich lange vor Hibbelzeiten, Schwangerschaftstests, vollgekackten Windeln und Babysorgen kennen. Früher redeten wir gemeinsam über Fastnochteenie-Probleme, Liebe, Mädelskram und Lästereien. Heute sind wir irgendwie erwachsen geworden und regen uns gemeinsam über unsere Kinder auf - und genießen zusammen die ersten und zweiten Schritte als erwachsene Frauen und Mütter.

Heute möchten wir gemeinsam eine Neuerung einführen:

Den Grummarcesible Day.
 
Ab nächste Woche werden Sarah von Inmarcesible und ich unser teuflischstes Tief und unser himmlischstes Hoch mit euch teilen. Immer Sonntags. Wir werden diese Serie blogumgreifend gestalten - in der einen Woche hier, in der anderen auf Inmarcesible. Also, legen wir los! Wenn ihr Ideen, Wünsche oder Anregungen habt, meldet euch einfach bei uns!

Freitag, 13. September 2013

Schubkraft

Die Geschichte der Wachstumsschübe ist eine Geschichte voller Missverständnisse - könnte man meinen. Die einen Mütter schwören, dass ihre heranwachsende Brut JEDEN einzelenen dieser von Van de Rijt und Plooij beschriebenen Sprünge genau pünktlich durchgemacht hat. Die anderen Mütter lächeln nur müde und halten das alles für ausgemachten und erfundenen Unsinn. Doch was ist eigentlich dran an "Oje, ich wachse!" und seinen Wachstumsschüben, die die Zwerge (und vor allem ihre Mütter) alle paar Wochen wieder neu quälen und vor unbekannte Abenteuer stellen?

Ich habe ja bekanntlich zwei oje, wachsende Kinder. Ich weiß gar nicht mehr, was zuerst da war - das Buch oder die Maus? Jedenfalls wusste ich, was mir bevorstehen sollte und nachdem der erste Wachstumsschub, der um die 5. Lebenswoche herum alle erfreuen sollte, dann auch tatsächlich pünktlich und mit voller Wucht geschah, machte mir das Buch noch mehr Angst. Das sollte jetzt also alle paar Wochen aus meinem kleinen, süßen Mädchen werden? Ein nervendes, quengelndes, mit nichts zu beruhigendes kleines Monsterchen? Ja. Genau das sollte es. Die Maus nahm jeden einzelnen der Schübe mit Anlauf mit, und nach jedem Schub war ich mir sicher, DAS war der schlimmste Schub von allen gewesen. Zugegeben verstehe ich auch schon, was die buchkritischen Mamas dazu bewegt, all das nicht zu ernst zu nehmen. Denn wie heißt es so schön? Richtig: Irgendwas ist immer. Im ersten Jahr beschäftigt ein heranwachsendes Wesen so ziemlich alles dermaßen, dass es aus der nicht mal erlernten Ruhe kommt. Rhythmus finden, neue Leute kennenlernen, Nahrungsumstellungen, Zähne, Bauchschmerzen und all die anderen Horrorerlebnisse eines Menschleins, das gerade ein paar Wochen auf diesem Planeten wohnt.

Dennoch kann ich sagen, dass die Maus wirklich pünktlich auf die Sekunde dann schubte (ihren Rhythmus suchte, neue Leute kennenlernte, ihre Nahrung umstellen musste, zahnte, von Bauchschmerzen gequält wurde), wenn Van de Rijt es mir versprochen hatte. Und ich hatte schon nach den ersten paar Sprüngen keine Lust mehr. Nein, bitte nicht wieder "zurück zu Mama", wenn sich der nächste Sprung ankündigt. Kein "isst mehr, schläft weniger" und schon gar kein "wird als nörgelig, unzufrieden und schwierig beschrieben". Mir grauste immer schon davor, schon VOR dem Schub das nächste Kapitel anzusehen und ins Schwitzen zu geraten. Natürlich nahm die Maus immer nur die negativen Dinge mit - wobei das Buch in seinen Sprung-Ergebnissen auch von Kapitel zu Kapitel zu protzigeren Übertreibungen neigte. Nein, mein 6 Monate altes Kind konnte nach dem Sprung weder stehen noch laufen - aber ich war trotzdem froh, ihn überlebt zu haben. Gemischt mit den Zähnen waren diese Schübe jedenfalls eine echte Grummelmamaherausforderung. Und als die Autoren auf der letzten Seite nach dem 55. Woche Schub auch noch still und leise darauf hinwiesen, dass noch 2 weitere Schübe folgen sollten, hatte ich wirklich die Schnauze voll von all dem. Und da schwor ich mir: Nie wieder ein Kind. DAS mache ich ganz sicher nicht ein zweites Mal mit. Um keinen Preis. Niemals. Ich bin doch nicht blöd!

Und als das Mäuschen dann da war, pustete ich den Staub von dem Buch und schlug es auf. Ich hatte verdrängt, was darin stand und ich war nicht sicher, ob ich die Erinnerung daran auffrischen wollte. Merkwürdigerweise hatte ich mittlerweile zwei dieser Bücher und konnte mich nicht mehr daran erinnern, wann und woher das zweite dazugekommen war. An dieser Stelle muss gesagt sein, dass Mütter und Väter Gott sein Dank sehr viel von dem schnell vergessen und verdrängen, was sich während der Geburt und die Monate danach so abspielt, sonst wäre dieser Planet wohl nur von Waschbären und Tauben bewohnt. Doch als ich das Buch wieder in den Händen hielt und die ersten paar Seiten überflogen hatte, wurde mir ganz schlecht. Und wir sprechen hier nicht von einer "Oh Mist, ich habe vergessen, Oma anzurufen"-Übelkeit, sondern von der ausgewachsenen "Oh Gott, morgen früh ist mündliche Prüfung und ich habe dieses Kapitel vergessen zu lernen"-Übelkeit. Kurz überlegte ich schon, ob ich das Mäuschen vielleicht noch gegen einen Gutschein eintauschen könnte - aber merkte schnell, dass sich niemand auf diesen Handel einlassen würde. Also hieß es: Volle Schubkraft voraus in die nächste Sprungrunde.

Und siehe da: Das Mäuschen schubte nicht wie die große Schwester. So oft ich auch blätterte und rechnete und las, kein Schub wurde derart ausgelebt, wie ich es gewohnt war. Gegen Ende der Zeiten, die in dem Buch beschrieben waren, hatte sie ein bis zwei miese Tage. Aber nicht mehr. Auch die bisherigen sechs Zähne nahm sie relativ gelassen entgegen, obwohl sie die nach 11 Monaten Zahnlosigkeit innerhalb von 18 Tagen herbeigezaubert hatte. Und was soll ich noch sagen? Wir haben soeben das letzte Kapitel überlebt - und warten jetzt noch auf die zwei Schübe, die noch ohne Beschreibungen folgen sollen.

Am Ende kann ich sagen: Nie wieder ein Kind! DAS mache ich ganz sicher nicht ein drittes Mal mit. Um keinen Preis. Niemals. Ich bin doch nicht blöd!

Denn die negativen Erwartungen waren fast noch schlimmer als das, was tatsächlich passierte. Und allen Müttern, die diese Schübe, ob sie nun existieren oder nicht, noch vor sich haben: Keep calm and don't panic. Alles wird gut - und nach dem ersten Lebensjahr wirkt alles, was man bis dahin als unfassbar anstrengend empfunden hat, gar nicht mehr so schlimm. Großes Grummelmamaehrenwort.

Und wer jetzt denkt, dass der Schub EINES Kindes schon anstrengend ist, der kann HIER hautnah miterleben, wie und ob meine liebe Freundin Inmarcesible Zwillingsschübe übersteht!

Mittwoch, 11. September 2013

Schlaflose Helden

Heute schicke ich ein lautes und enthusiastisches "Hut ab" an alle Mamas und Papas, die seit Wochen und Monaten nicht mehr richtig schlafen, weil Zwerg und Zwergin die Nacht zum Tag machen wollen. Wie haltet ihr das aus?

Für mich war die Nacht und mit ihr mein Schlaf unfassbar wichtig. Ich schlief lange und gerne. War eine Nachteule. Konnte problemlos wochenends bis zum Mittag in den Federn liegen. Vor dem Schlafmangel und seinen Folgen hatte ich in meiner ersten Schwangerschaft wohl am meisten Angst. Als die Maus dann auf der Welt war, waren der Mann und ich uns auch einig, dass wir eine strenge Schlaferziehung durchsetzen wollten. Das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" habe ich übrigens noch nie persönlich in der Hand gehabt - nur falls jetzt schon einige mit den Augen rollen. Die ersten sechs Monate schlief die Maus in unserem Schlafzimmer. Zunächst in einer kleinen Wiege, später dann in ihrem Babybettchen. Nur die ersten paar Nächte hatte ich sie mit in unserem Bett und stellte ganz schnell fest: ICH HASSE ES. Ich konnte nicht schlafen, traute mich kaum zu atmen und war immer auf 180.

Klar, die ersten Nächte waren nicht toll. Babychen brüllte gerne, was das Zeug hielt, war hungrig, bauchschmerzig, neugeborenenpanisch. Aber wir starteten schon da die Operation: Superschlaf. Und die war eigentlich ganz einfach: wir machten NIE die Nacht zum Tag. Tags wurde sie rumgetragen, bespielt, bekuschelt. Nachts wurde geschlafen. Im Dunkeln. Im Bett. Nicht im Auto um den Block fahrend, nicht neben dem laufenden Staubsauger, nicht im Buggy durch die Straße schockelnd. Ich lag neben ihr, hielt ihr Händchen, streichelte sie, sang, fütterte sie - aber nie, nie, nie machte ich Licht und schleppte sie rum.Und, oh Wunder, das zeigte schnell Wirkung. Die Maus schlief sehr schnell durch. Die ersten Monate trank sie natürlich noch 1-2 Mal in der Nacht, aber schlief dann wieder sofort ein und wir hatten nie Probleme. (Fairerweise sei an dieser Stelle nochmal daran erinnert, dass ich brustproblemtechnisch zwei Flaschenkinder und es somit einfacher hatte)

Als wir über ein zweites Kind nachdachten, war die Maus etwa 2 1/2 und ein perfekt schlafendes Kind. Ein Kind, das zum Entsetzen und zum Neid vieler Eltern abends "Mama, ich will ins Bett" sagte, das man hinlegte und das dann bis morgens um 9 oder gar 10 Uhr durchschlief. Daran war ich gewöhnt. VERwöhnt. Was, wenn das zweite Kind das genaue Gegenteil von Maus werden würde? Was, wenn ich plötzlich ein sehr aktives, anstrengendes dreijähriges Rebellenmausekind hatte, das perfekt schlief UND ein ruhiges, entspanntes Relaxmäuschen, das in der Nacht permanent aufwachte? Das würde ich nicht durchstehen.
Je näher der Geburtsttermin rückte, desto unruhiger wurde ich. Ich hatte wirklich Angst um meinen Schlaf - noch viel mehr als beim ersten Mal. Der Mann beruhigte mich, meinte, wird würden alles einfach so wie beim ersten Kind machen, das würde schon klappen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch davon überzeugt, dass sich Schlaferziehung und Veranlagung etwa die Waage halten.

Als das Mäuschen dann auf der Welt war, machten wir alles genau wie bei der Maus. Sie lag im Beistellbettchen neben uns, ihr Händchen in meiner Hand. Kein Rumrennen, kein Licht, kein Trara und kein Tamtam. Und was soll ich sagen? Es klappte wieder.

Damit hattet ihr jetzt nicht gerechnet, oder? Hand auf's Herz: Ich auch nicht.

Die beiden schlafen jetzt seit mehreren Monaten zusammen in einem Zimmer und es gibt keine Probleme. Das Mäuschen schläft supergut, schlief auch schnell durch und wir sind echt happy darüber. Gut, ich muss aber auch sagen, wir sind die Art von bösen Eltern, die nicht bei jedem Gejammer ins Zimmer rennen und Aufstand machen. Ich lasse meine Kinder nicht stundenlang brüllen, bis sie erschöpft einschlafen, aber ich lasse ihnen durchaus die Chance, sich selbst zu beruhigen, bevor ich es tue.

So viele sagen, dass ein Baby nie ohne Grund weint und man immer darauf eingehen muss. Das denke ich nicht. Klar, ohne Grund weinen sie nicht - aber es muss nicht immer Angst oder Panik dahinterstecken. Manchmal sind sie einfach nur übermüdet oder bockig. Und ich denke, jede Mutter kann sehr gut unterscheiden, welches Weinen was bedeutet. Und ich sehe nicht ein, dass ich für ein übermüdetes, bockiges Kind Animateur spiele. Dazu ist mir MEIN Schlaf zu heilig.

Warum ich all das hier schreibe? Weil ich trotz meiner Meinung, meiner Erfahrung und meiner Einstellung nur den Hut vor den Mamas ziehen kann, die monate- und jahrelang Familienbett praktizieren, nie länger als 3-4 Stunden Schlaf kriegen und daran auch scheinbar nicht wirklich etwas ändern wollen. Und das ist weder zynisch noch sarkastisch gemeint. Ihr seid meine Heldinnen. Und wenn ich ab 20:15h für etwa 12 Stunden meine Ruhe habe, denke ich an euch - und frage mich, was für eine Mutter ich wäre, hätte unsere Erziehung nicht gefruchtet...

Freitag, 6. September 2013

Namenlos

Man gewöhnt sich als Mutter ja an so einiges. An weniger Schlaf, mehr Wäsche oder weniger Freizeit. Man gewöhnt sich auch daran, dass man immer zuerst an die Kinder und dann erst an sich selbst denken muss. Aber an eine Sache werde ich mich wohl nie gewöhnen: Keinen Namen mehr zu haben.

Mit 18 fängt es ja schon an, das Elend. Als ich das erste Mal volljährigerweise im Wartezimmer des Frauenarztes saß und plötzlich meine Mutter aufgerufen wurde, obwohl diese gar nicht dabei war - und ich feststellte, dass die Helferin wohl MICH meinen musste. Frau Sowieso. Oh mein Gott. Ich war alt. Das Leben ging jetzt bergab. Falten, graue Haare, Rückenprobleme. All das lief wie eine Vorschau in meinem Kopf ab. Frau Sowieso. Da war ich also. Im Erwachsenenleben angekommen. Was ich immer wollte. Jetzt, wo ich ihn hatte, den Respekt von Gleichgestellten, wollte ich ihn nicht mehr haben.

Weiter ging es, als ich heiratete. Ich war nun nicht mehr Frau Sowieso, Freundin von Demunddem. Ich war Frau Dingsbums. Frau vom Mann. Am Telefon musste ich immer sagen: "Mein Mann wollte blabla", oder "Ja, mein Mann hat blabla". Grauenvoll. Ich kam mir schlagartig 10 Jahre älter vor UND musste mich auch noch an einen vollkommen fremden Namen gewöhnen.

Dann kam die Maus. Nun musste ich am Telefon sagen: "Ich wollte einen Termin für meine Tochter machen", oder "Meine Tochter soll blabla". Wieder 10 Jahre älter geworden. Ich sah mein Leben irgendwie im Schnelldurchlauf an mir vorbeiziehen, obwohl ich mich doch selbst kein Jahr älter als nach dem Abi fühlte. Warum begriff das nur niemand und übernahm all diese Erwachsenenaufgaben für mich?
Dann kam das Mäuschen und nun war ich Frau Dingsbums, Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern. Wieder 10 Jahre drauf.

Als die Maus einige Zeit später sprechen konnte, war ich plötzlich nicht mehr nur Frau Dingsbums, ich war auch Mama. Manchmal auch Mami. Mamilein auch in seltenene Fällen. 10 Jahre mehr und wieder das Gefühl, meine eigene Mutter zu sein.

Der vorläufige Höhepunkt war erreicht, als die Maus in den Kindergarten kam... Warum?
Früher ging ich durch die Stadt und ich traf Leute. Freunde, Bekannte von mir oder meinem Freund. Und sie sagten zu einander "Hey, das ist doch die Dingens!". Heute gehe ich durch die Stadt und treffe Leute. Freunde, Bekannte von der Maus. Und sie sagen zueinander "Hey, das ist doch die Mutter von Maus!". Und folgendes Wort schreibe ich wirklich nur ungern. BÄMM. Wieder 10 Jahre drauf. Mindestens.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich werde schon so lange nicht mehr bei meinem Vornamen genannt, dass ich ihn selbst manchmal gar nicht mehr weiß. Der Mann sagt ihn auch selten bis nie, was mir immer dann auffällt, wenn er es doch einmal tut. Fremd klingt er dann und ein bisschen seltsam. Nein, er nennt mich auch nicht "Mutti", "Hasenpups" oder gar "Mamabär". Sonst wäre ich schnell wieder Frau Sowieso, geschiedene Dingsbums. Er sagt ihn einfach nur selten. Sehr selten. Aber vielleicht ist das ganz gut, dann nutzt er nicht so schnell ab.

Denn ich brauche ihn ja noch. Für die Zielgerade des Elends - wenn Maus und Mäuschen in die Pubertät kommen und es plötzlich cooler finden, mich beim Vornamen zu nennen.
Und ich weiß schon jetzt: Ich werde wohl nie älter sein, als ich mich dann fühlen werde.