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Sonntag, 16. Februar 2014

Blogparade: Wozu denn Hebammen?

Ich, wie so viele andere Mütter, Schwangere, werdende oder seiende Väter, verfolgen in den letzten Tagen, Wochen und Monaten gespannt und traurig die Entscheidungen von Politik und Versicherungen zum Thema "freiberufliche Hebammen" und sehen ihr Berufsfeld schwer bedroht und vollkommen an den Rand der Wichtigkeit gedrängt. Ich weiß gerade gar nicht, ob und wie viele andere Blogparaden zu diesem Thema derzeit kursieren, aber ich dachte mir, je mehr, desto besser - und desto ernster wird dieses Thema vielleicht auch von der Öffentlichkeit genommen.  
Ich möchte alle Teilnehmer bitten, eine Geschichte von sich und ihrer Hebamme zu erzählen, die uns zeigt, wie wichtig diese Frauen für uns in der Schwangerschaft und danach wirklich waren - und warum man sie und ihren Berufsstand dringend unterstützen sollte! Verlinkt mich einfach in eurem Beitrag und schreibt mir doch unter meinem Post hier euren Blog-Link zu eurer Paraden-Geschichte! Ich freue mich, wenn bis zum 15. März viele von euch mitmachen - und werde dann eine Auswertung der besten und schönsten Momente verfassen!

Ich selbst schrieb ja schon über meine Hebamme, hatte sogar ein Interview mit ihr zu ihrem Beruf und diesem Thema - wer möchte, kann es hier nachlesen. Und ich schrieb über das wichtige Thema des Stillens, was bei mir ja leider beide Male gehörig in die Hose ging. Und genau an diesem Still-Thema setzt meine Geschichte an. Nämlich an dem Nachmittag im August 2013, an dem ich bei 40°C Außentemperatur nach Tagen des Nicht-Klappens auf dem Sofa im Wohnzimmer saß...

...mit dem paar Tage alten Mäuschen auf dem Arm. Ich hatte nichts an außer einer kurzen Hose und meinem offenen Still-BH. Draußen war es so heiß, dass die Rollläden seit ihrer Geburt nur noch nach Sonnenuntergang hochgezogen werden konnten, meine dreijährige Tochter den ganzen Tag mit meinen Eltern in Gewässern und Eisläden unterwegs war und der Mann sein Bestes versuchte, mich irgendwie zu beruhigen. Meine Brüste taten höllisch weh, sie waren heiß und fest und gespannt und das Baby und ich weinten abwechselnd - ich vor Schmerzen, die Kleine vor Hunger. Ich hatte gedacht, diesmal würde alles klappen, ich hätte dazugelernt, ich wäre "Profi", weil ich bereits das zweite Kind geboren hatte. Ich glaubte vor der Geburt, dass dieses Mal alles easy sein würde - und ich hatte auch gar keine Sorge, als mir meine Hebamme, die mich schon bei der Maus durch alle Hochs und Tiefs begleitet hatte, lange vor meiner Entbindung sagte, dass sie ein paar Tage nach meinem Termin leider in Urlaub gehen und ich ihre Kollegin als Ersatz erhalten würde. Ich dachte, alles würde gut, ich würde sie dieses Mal gar nicht mehr brauchen. Ich WOLLTE stillen, ich wollte es schaffen, ich wollte nicht wieder die Mutter sein, die es nicht geschafft hatte, die zu doof zum Stillen war, zu armselig, zu unfähig. Ich WOLLTE nicht zum Fläschchen greifen.

Doch da saß ich wieder. Komplett am Ende. Und wartete auf meine Hebamme, wie jeden Tag. Auf meine Hebamme, die mich in meiner Entscheidung unterstützt hatte, ambulant zu entbinden und direkt nach Hause zu gehen. Die mir wochenlang Mut gemacht hatte, dass wir es diesmal schaffen würden. Die zu jedem Zeitpunkt für mich da war und mir jede noch so doofe Frage in aller Ruhe beantwortete. Die immer einen lieben, aufmunternden Spruch für mich hatte, egal wie es ihr vielleicht selbst gerade ging.
Auf diese Frau wartete ich an diesem heißen Tag. Und als sie kam, sah sie mir direkt in den ersten Sekunden an, wie es mir ging. Meine Eltern waren gerade mit der Maus angekommen und es war etwas Trubel und Chaos ausgebrochen. Ich machte gute Mine zum schmerzhaften Spiel - und sie lächelte und bat mich, ihr ins Kinderzimmer zu folgen. Sie schloss die Tür, sah mich an und sagte mir, dass sie wüsste, was los wäre. Und dann drückte sie mich. Und ich fing an zu weinen und alles kam aus mir raus und ich erzählte ihr, was in mir vorging - und sie verstand. Sie kannte mich und wusste, warum das alles doppelt so schlimm für mich war wie bei anderen Müttern. Warum ich nicht mehr konnte. Was meine Ängste und Sorgen waren.

Und ich weiß noch so genau, als wäre es gestern gewesen, dass sie mir in diesem Moment einen Vortrag über alles hielt, was in mir brodelte. Und sie nahm mir meine Ängste, meine Sorgen, machte mir klar, dass ICH eine gute Mutter wäre und dass ICH darauf pfeifen sollte, was andere von mir denken könnten. Sie fasste alles zusammen, um was es mir damals ging und versprach mir, dass alles gut werden würde. Und dann erarbeiteten wir zusammen, wie es weitergehen sollte. In diesem Moment ging es mir besser und ab diesem Besuch hatte ich wieder Mut und mein Kloß verschwand, der mir tagelange Übelkeit verursacht hatte. Sie hatte es geschafft, die Prioriäten wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen.


Das ist mein Hebammen-Moment, der mir mein Seelen-Leben rettete damals. Und den ich nie vergessen werde. Und niemand auf der Welt, weder der Mann, noch meine Mutter oder meine beste Freundin hätten das in diesem Moment geschafft, was diese Frau damals schaffte. Weil sie mich kannte, weil sie sich Zeit nehmen konnte und einfach da war. DAS sind die Momente, in denen wir sie brauchen. DAS sind die Momente, neben der Entbindung und den Stunden danach, in denen diese kleinen und doch weltbewegenden Dinge nicht von einem Kinder- oder Frauenarzt oder einem Verwandten übernommen werden können. Die Grundversorgung ist sicher auch in Kliniken und Praxen gewährleistet - aber um das, was in uns Frauen und Männern vorgeht, wenn etwas nicht nach Plan läuft oder alles zu viel wird, können sich nur die Hebammen kümmern. Das ist zumindest meine persönliche Meinung.

Wer möchte, kann bitte diese Petition von Bianca Kasting unterstützen - oder weitere posten und in den Fokus der Öffentlichkeit bringen. Danke :)




Samstag, 1. Februar 2014

Blogparade: Zerstören Kinder unsere Freundschaft?

Die liebe Herzmutter Janina, die auch schon Gast hier bei mir war, startete vor ein paar Wochen diese Blog-Parade, an der ich noch unbedingt teilnehmen wollte, weil ich dieses Thema spannend und wichtig finde.

Zerstören Kinder unsere Freundschaft? Mit diesen ziemlich harten Worten habe ich über dieses Thema eigentlich noch gar nicht nachgedacht. Bisher war meine Meinung dazu nur, dass Kinder Freundschaften auf jeden Fall verändern, weil einfach von heute auf morgen Prioritäten verschoben werden. In den Schwangerschaften habe ich diese Verschiebung jedoch eigentlich nicht verspürt. Meine kinderlosen Freundinnen fanden auf jeden Fall meine erste Schwangerschaft alle sehr spannend, nahmen daran Anteil, fragten viel, gingen mit shoppen und machten sich mit mir Gedanken, was sich wohl alles ändern würde in MEINEM Leben. Also kann ich nicht behaupten, dass die Veränderung schon in der Schwangerschaft beginnt und das empfand ich auch nicht so, als ich selbst noch kinderlos war und Freundinnen oder jüngere Verwandte vor mir schwanger waren. Ich selbst liebte es auch, die Bäuche wachsen und die Kleiderschränke voller werden zu sehen mit süßen Babysachen und Spielzeugen. Die Frauen veränderten sich für mich nicht wirklich - und ich glaube, ich veränderte mich ebensowenig für meine Freundinnen. Natürlich muss man zu der Sorte Schwangeren gehören, die neben der Schwangerschaft auch noch andere Gesprächsthemen haben, sonst wird es wahrscheinlich wirklich schon vorher anstrengend und einseitig.
Was mir bei all dem auch noch half, war wohl die Tatsache, dass ich noch nie der Partylöwe oder Discotiger war, der trinken und tanzend die Nacht zum Tag machte. Ich konnte all das, was ich VOR der Schwangerschaft mit Freunden unternahm, auch IN der Schwangerschaft machen.

Als das Baby dann auf der Welt und in unserem Leben war, änderte sich einiges. Aber ich kann auch hier nicht sagen, dass es unbedingt negativ geschah. Sicher ist es so, dass kinderlosen Freunden oft das Verständnis für ganz normale Tatsachen fehlt. Oft staunte ich mit großen Augen über so viel Unverständnis und fehlende Fähigkeiten, sich in Situationen hineinzuversetzen. Vor allem betraf dieses Unverständnis Tatsachen wie Schlafgewohnheiten und Tagesabläufe von und mit Kindern. Das war und ist wohl das, was unsere kinderlosen Freunde am wenigsten nachvollziehen konnten. Mit Kindern gehen eben nicht mehr alle Dinge zu jeder Zeit und spontan. Zumindest nicht bei uns, die wir sehr strukturiert und durchgeplant und unsere Kinder an genaue Zeitpläne gewöhnt sind. Natürlich ändert sich auch die Besucher-Situation. Ich selbst hasste und hasse es, mit sehr kleinen Kindern im Alter des Mäuschens zu kinderlosen Freunden nach Hause zu kommen, wo nichts kindersicher ist. Es ist unentspannt, nervig, gefährlich, doof - und treibt mir nur Schweißperlen auf die Stirn, während mein kinderloses und entspanntes Gegenüber denkt, dass ich scheinbar einen an der Klatsche habe, weil ich ständig einem einjährigen Dreikäsehoch hinterherhechten muss. So ist das für mich. So ist das für meine Freunde. Aber das sind alles Dinge, die ich verstehen kann. Und für mich sind das vor allem alles Dinge, die eine echte Freundschaft nicht vor unlösbare Probleme stellen.

Wichtig ist einfach, dass man sich selbst auf jeden Fall seine Selbstreflexion bewahrt und diese auch oft und gerne einsetzt. Und dass man zu sich und seinem kinderlosen Umfeld schlichtweg ehrlich ist. Man kann über alles reden und einfach ab und an mal auf den Punkt bringen, was einen stört und was man gerne geändert hätte. So besuchen uns unsere Freunde eben meistens hier, wo wir in Ruhe und entspannt quatschen und Käffchen trinken können, während Maus und Mäuschen in ihrem Zimmer spielen und ich nicht permanent teure Gitarren oder unbezahlbare Stereoanlagen vor ihnen in Sicherheit bringen muss. Oder unsere Freunde sind eben daran gewöhnt, dass es den Mann und mich auf Abendveranstaltungen nicht mehr im Doppelpack gibt, sondern wir uns an solchen Ereignissen abwechseln müssen, weil einer von uns zu Hause den Babysitter spielen muss. So sind wir eben. Und ich glaube behaupten zu können, dass ich nicht zu der Sorte Mutter gehöre, die in ihrer Freizeit mit Freunden permanent über die Brut und deren Stuhl-, Schlaf- oder Essgewohnheiten sprechen muss. Im Gegenteil freue ich mich ja darüber, wenn ich mal über andere Dinge reden kann und nehme diese Chancen auch sehr gerne wahr.

Also, um ein kleines Fazit zum Thema dieser Blogparade ziehen zu können: Ich muss euch enttäuschen. Ich finde nicht, dass Kinder Freundschaften zerstören. Lockere Bekanntschaften, die nur auf Freizeit und Party gründeten, vielleicht. Aber Freundschaften ganz sicher nicht. Nicht in meiner Welt. Sicher, sie verändern sich, man sieht sich weniger oft, muss andere Nischen für Unternehmungen und Aktionen suchen und finden - aber bisher machten das all unsere Freunde gerne mit. Und wir auch. All das ist nur eine Frage der Toleranz, Organisation, Ehrlichkeit - und Treue. Denn Kinder sind ja kleine, neue Menschen, die eben zu uns gehören und keine Störenfriede und Eindringlinge in Beziehungen zwischen Menschen, die sich wirklich mögen. Und ich freue mich, mit diesem Text festellen zu können, dass wir uns wohl schon lange vor unseren Kindern die richtigen Herzensmenschen ausgesucht haben, die diese Meinung mit uns teilen.

Sonntag, 19. Januar 2014

Blogparade: Heiteres Beruferaten - 7 mögliche Traumjobs meines Kindes

In den letzten Wochen bekomme ich ständig Blogstöckchen, Einladungen zu Blogparaden oder Tagging-Fragen zugeschickt. Ich freue mich auch immer wie ein Schnitzel, aber ich schaffe das alles einfach nicht! Für zwei Paraden habe ich mich aber nun doch entschieden - und die erste Runde startet heute hier. Eingeladen hat mich die Bloggerin mit dem wunderschönen Namen Dajana (ich muss es immer wieder erwähnen) vom Mit Kinderaugen Blog - und die Parade-Starterin ist Wiebke mit ihrem Blog Verflixter Alltag. Dann mal los!

Die Maus wird ja demnächst schon stolze 5 Jahre alt und da ist die Berufswahl ja schon in greifbare Nähe gerückt. Immerhin muss die heutige Jugend schon recht früh entscheiden, was sie werden wird, damit sie mit Beginn ihrer Volljährigkeit schon ein paar Jahre Berufserfahrung auf dem jungen Buckel vorweisen kann ;) Das Mäuschen hat noch ein bisschen länger Zeit, daher gehe ich hier mal nur auf die Erstgeborene ein.

Wedding- oder Partyplanner:
Die liebste Beschäftigung derzeit ist es, ihr Kinderzimmer mit allem Schnickschnack und Gedöns, das sie finden kann, für eine Party zu dekorieren, die dann auch bitte mit dem nötigen Enthusiasmus stattfinden muss. Der Mann ist ihr liebster Handlanger bei diesen Vorbereitungen und könnte gerne mitgebucht werden. Fast täglich werden Nicht-Geburtstage und ähnliche Imaginations-Partys abgehalten und wer nicht spurt und sich standesgemäß amüsiert - wird nächstes Mal trotzdem wieder eingeladen.

Fließband-Picasso:
Wie alle Kinder in ihrem Alter schafft es die Maus auch, täglich eine wahre Flut an "Extra für dich!"-Gemälden zu fabrizieren. Und ehrlich gesagt wird es langsam etwas schwer, die nötige Begeisterung dafür aufzubringen. Könnte man damit ein Geschäft eröffnen, würde es jedoch niemals an Nachschub fehlen - und ich würde nicht mehr in den Papier-Fluten ertrinken!

Schauspielerin im Drama-Bereich:
Die Maus hat die unnachahmliche Gabe der puren Übertreibungskunst mit in die Wiege gelegt bekommen. Nicht einmal geschulte Fachohren können den echten Schmerz vom dramatischen Übertreibungsgeschrei unterscheiden. Der Oscar für die überzeugendste Darstellung eines schlimmen Tier-Angriffs ging also im vergangenen Sommer an die Maus für ihre Rolle in "Angriff der Killer-Käfer". Nicht gesehen?

Maus (schrill schreiend und heulend im Garten am Tisch): Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah, es tut sooooooooo weeeeeeeeeeeeeeeeeeeh, macht ihn weeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeg!!!!!!!
Co-Star: Ein Marienkäfer, der auf ihrem Bein saß.

August im Zirkus:
Es gibt kaum jemanden, der so gezielt immer in Fettnäpfchen auf metaphorischer und nichtmetaphorischer Ebene tritt, wie mein Kind. In meinem Heimatbundesland, dem Saarland, würde man sie liebevoll als "arisch dabbisch" bezeichnen. Sie stolpert und plumpst und läuft wogegen, wirft um, räumt ab und zieht Unfälle direkt magisch an. In einer Manege und mit lustigen Clowns-Schlappen und Spritzblumenhut würde sie der Star des Abends sein! (Ich weiß, das war jetzt etwas gemein, aber jeder, der sie kennt und erlebt, muss mir zustimmen.)

Psychotherapeutin:
Schon sehr früh entwickelte die Maus eine wirklich erstaunliche Empathiefähigkeit ihren Mitmenschen gegenüber und tröstet, ermuntert und heitert auf, wo Not am Mann ist. Sie findet immer die richtigen Worte und weiß ganz genau, wer sie wo am nötigsten braucht, sei es zu Hause oder im Kindergarten. Sie würde eine wirklich gute und liebevolle Therapeutin abgeben, wenn sie sich diese großartige Eigenschaft erhalten kann.

Sängerin:
Klar, das ist, wie das Malen, eine Sache, die jedes Kind in diesem Alter prima drauf hat. Die Maus auch. Sie singt mit ernster Miene und vollster Inbrunst Lieder in jeder Sprache und Tonlage, was kombiniert mit ihrer Drama-Ausbildung ein Schmaus für Ohren UND Augen bietet. Ich bin mir allderings nicht sicher, auf welcher Stufe ihre Darbietung auf der bohlenschen Bewertungsskala stehen würde - aber wen interessiert schon dessen Meinung?

Märchen-Tante:
Seit Winzlingstagen liebt die Maus Bücher. Sie liebt Geschichten über alles und will ständig vorgelesen bekommen, "liest" ihrer kleinen Schwester selbst vor oder hört Hörspiele auf ihrem rosa Barbie-CD-Player. Sie beschwert sich schon immer, dass sie endlich in die Grundschule möchte, um selbst endlich lesen zu können - und zu Hause und im Kindergarten diktiert sie liebend gerne eigene Geschichten, die auch wirklich Potential haben. Wenn sie nicht eine Schreiberina wie ihre Mutter wird, wird sie mindestens eine Märchen-Tante, die geschichtenbegeisterten Kindern in Büchereien aufregende Abenteuergeschichten vorträgt.

So, dies und mehr könnte ich mir für die Maus vorstellen. Ich bete und hoffe, dass sie mir diese Einschätzungen verzeihen wird, sollte sie eines Tages lesen können und auf diese Seiten hier stoßen.
Taggen möchte ich niemanden, aber jeder, der das hier liest, noch nicht mitparadet hat und sich berufen fühlt, der möge es mir nachtun! Vielen Dank :)


Freitag, 1. November 2013

Blogparade: Gemeinsam für starke Mädchen!

Obwohl die letzten Tage turbulent und von kränkelnden und gar nicht starken Mädchen und Müttern geprägt war, bin ich immer wieder auf Blogs gestoßen, die sich der Blogparade von Berlinmittemom mit ihren tollen und bewegenden Beiträgen angeschlossen haben. Und da ich nicht nur zwei Töchter habe, von denen ich hoffe, dass sie eines Tages starke Mädchen werden, sondern ja auch selbst eine Tochter bin, wollte ich mich ihnen unbedingt anschließen. Ich war mir die ganze Zeit gar nicht sicher, was genau ich eigentlich schreiben wollte und schob den Beitrag vor mir her. Aber dann dachte ich, ich fange einfach an, etwas von mir zu erzählen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein starkes Mädchen war. Freundinnen versicherten mir dies zwar immer wieder - und tun es heute noch, doch ich selbst kam mir fast immer alles andere als stark vor. Auch meine Mutter, die mich jahrelang alleine erzog, wurde immer für ihre Stärke und ihren Mut bewundert. Alleinerziehend mit einer nicht immer einfachen kleinen Tochter, ganztags arbeitend, alle Last auf ihren Schultern alleine tragend - und doch immer die Zeit habend, mit ihrem Kind in Urlaub zu fahren (obwohl kein Geld da war), mit ihrem Kind Unternehmungen und Abenteuer zu erleben (obwohl kaum Zeit da war) und die kleine Grummeltochter niemals spüren zu lassen, wie der Alltag in Wirklichkeit aussah. Für mich war meine Mutter meine Heldin. Ist es heute noch. Sie war immer da, wenn ich sie brauchte. Sie IST immer da, wenn ich sie brauche - selbst wenn ich das nicht immer verdiene.

Es gibt viele Momente im Leben, in denen es mir nicht gut ging in meinem Körper, mit meinen Gedanken, in meiner sich rasant ändernden Kinder- und Teenagerwelt der 1980er und 90er Jahre. Die Zeit, in der mein Dad von uns wegzog, der Moment, in dem mein Stiefvater in mein Leben trat, der Tod meiner Oma (und somit der Moment, in dem ich zum ersten Mal erlebte, was es bedeutet, einen Menschen wirklich zu verlieren), Schulwechsel, Freundschaftswechsel, erste, schmerzhafte Liebe... Rückblickend erscheint einem all das lächerlich lange her und irgendwie nahm auch alles ein gutes Ende. Ich habe zwei tolle Elternpaare, tolle jüngere Brüder, einen großartigen Mann und zwei wunderschöne, kerngesunde Töchter.

Aber ich weiß auch, dass ich meiner Mutter viel zu verdanken habe. Sicherlich hat sie das Gefühl, nicht immer alles richtig gemacht zu haben. Welche Mutter hat das nicht? Aber sie hatte auch die Last zu tragen, eine Tochter zu haben, die immer wieder auf schwierige Pfade geriet, wenn auch unabsichtlich und nie aus radikalen Beweggründen heraus. Ess- und Angststörungen, introvertiere und eine Mutter sicher verängstigende Phasen, Teenagerselbsthass und schlimmste Liebeskummerarien. All das sind Dinge, durch die heranwachsende Mädchen gehen können, vielleicht müssen, wenn sie eines Tages als junge Frau aufwachen und bemerken, dass sie nicht so sind, wie sie gerne wären. Dass sie glauben, nicht mehr das anziehen zu können, was sie noch gestern schön gefunden hatten. Dass sie den Menschen nicht mehr kennen, der sie dort im Spiegel anblickt. Dass der Moment, in dem ihnen schmerzhaft bewusst wird, von der ersten großen Liebe nicht zurückgeliebt zu werden, der schlimmste im ganzen Leben zu sein scheint. Dass das Leben nie mehr so sein wird, wie es einmal war. Beschützt, kindlich, sicher.

Und genau dann, in diesem alles entscheidenden Moment ist sie da. Die Frau, die einen monatelang unter ihrem Herzen trug, die einem alles beibrachte, alles zeigte, alle kindlichen Widrigkeiten aus dem Weg räumte. Und sie sagt dieser jungen Frau im Spiegel, dass sie weiß, wie es in ihr aussieht. Sie lacht nicht, sie sagt nicht "Ist nicht so schlimm, es kommen noch ganz andere Dinge im Leben auf dich zu", sie wendet sich nicht ab und sie wirft nie alles hin. Sie nimmt diese junge Frau in den Arm und verspricht ihr, mit ihr durch die Hölle zu gehen, wenn es sein muss. Sie verspricht ihr, dass alles gut wird und dass sie immer an ihrer Seite ist, ganz egal, was kommt. Und genau solche Momente machen eine junge Frau zuerst zu einem starken Mädchen - und dann zu einer starken Mutter.

Meine Mutter sagte einmal, es sei nicht stark, durch schlimme Dinge gehen zu können, ohne einen Totalschaden zu erleiden - man hätte in vielen Momenten einfach keine andere Wahl. Und ich weiß, was sie meint. Aber für mich ist heute Stärke einfach die Abwesenheit von Resignation und der Mut, Schwäche zu zeigen und dennoch den steinigen Weg weiterzugehen. Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich für meine beiden Mäuse einmal genauso stark sein und ihnen die gleiche Basis bieten kann, die mir meine Mutter mein Leben lang gab und gibt. Die Basis, zu der man immer wieder zurückkehren kann, wenn man seine eigenen Erfahrungen gesammelt und seine eigenen Fehler gemacht hat und feststellen muss, dass dies sehr schmerzhaft sein kann. Die Basis, die einem keinen Weg vorgibt, aber den gewählten immer schützend begleitet. Denn ich glaube, dass man seine Töchter vor dem meisten nicht beschützen kann, selbst wenn man  es so sehr will. Sie werden sich eines Tages zu dick, zu dünn, zu dumm, zu schlau oder zu hässlich fühlen. Sie werden an sich zweifeln, Dinge ausprobieren, die wir für falsch und gefährlich halten. Sie werden Entscheidungen treffen, die wir nicht gutheißen können. Sie werden sich Vorbilder suchen, die uns unverständlich erscheinen. Sie werden Wege einschlagen, die wir für sie nicht gewählt hätten. Doch für mich gehört all das in Maßen irgendwie zum Erwachsenwerden dazu. Die Kunst, die Stärke ist es, seiner Tochter immer wieder zu vermitteln, dass sie das schönste und tollste Mädchen der Welt ist - aber ihr dennoch das Gefühl geben zu können, es in seinen Zweifeln, Ängsten und Entscheidungen ernst zu nehmen. Denn DAS macht für mich den Unterschied.