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Freitag, 7. Februar 2014

Wart es nur ab, das wird noch schlimmer!

Wie immer hört man als Schwangere und Mutter oft den Satz "Wart es nur ab, das wird noch schlimmer". Hätte ich für jedes einzelne Mal einen Euro bekommen, dann könnte ich mir mittlerweile einen ordentlichen Vorrat an Ohrenstöpseln davon leisten. Aber leider gibt es auf dieser Welt kein Geld für unnötige Aussagen und Tipps, es gibt sie sogar umsonst.

Natürlich hört man diesen Satz auch als Mutter einer fast 5- und einer 1 1/2-Jährigen ziemlich oft. Von der älteren Generation. Oder von Bekannten und Freunden, die schon ältere Kinder haben. Während man sich also gerade zum zweiten Mal darüber freuen möchte, dass man bald das Töpfchen-Thema angehen will und die lästige Zahnerei demnächst ein für alle Mal hinter sich hat, werden schon die ersten Stimmen darüber laut, was denn dann bald auf uns zukommen wird. Statt sich also über Keinwindel-Kinder und zahnungsfreies Leben zu freuen, werden einem die Einschulung und die nachfolgenden ersten Schuljahre in düsterstem Licht präsentiert. Während man sich freut, dass die Große vielleicht schon bald groß genug dafür ist, selbst zum Kindergarten zu laufen, sich schon selbstständig anziehen und fertigemachen kann, munkeln böse Zungen bereits von der immer früher einsetzenden Pubertät und deren fatalen Folgen.
Sowieso ist das, was man als Mutter zweier Mädels am allermeisten zu hören bekommt, das böse P-Wort. Die Pubertät von gleich zwei hormonverseuchten Mädchen im Abstand von 3 1/2 Jahren könnte, nein, WIRD das Grauen pur. Das Grauen galore.

Dabei stelle ich mir das alles noch ganz toll vor. Ich lasse an dieser Stelle mal einen Blick in das grummelsche Hirn zu. Viel Spaß dabei:

Das Mäuschen wird in ein paar Wochen alle Zähne haben, wieder bestens schlafen können und im Frühling, kaum dass die ersten wärmenden Sonnenstrahlen unseren Garten erreicht haben, perfekt auf Toilette gehen und sich anziehen können. Bis auf die Nachtschlafwindel werden wir also nie wieder Müffelwindeln wechseln oder zahnende Kinder trösten müssen. Natürlich übersteht das Mäuschen die bereits jetzt schon einsetzende Trotzphase schnell und ohne viele Probleme für Nerv und dessen Kostüm und sieht glücklich und zuckersüß seiner Kindergarten-Karriere entgegen. Die Maus wird in ein paar Wochen ihren ersten Wackelzahn haben, was sie aber natürlich nicht aus der Ruhe bringen wird, während sie sich in aller Ruhe auf die nächstes Jahr anstehende Einschulung freuen und das letzte Kindergartenjahr als Vorschulkind über die Bühne bringen kann. Der Mann und ich werden also in nicht allzu ferner Zukunft wieder zusammen ausgehen dürfen, weil die Kinder endlich (in meinem Hirn - in Wahrheit wären sie das schon lange gewesen) babysitterreif sind und kein armer Mensch unschlüssig vor einem heulenden Baby stehen muss, während wir irgendwo in der Stadt "Party" machen. (Memo an mich: vorher dringend Informationen darüber einholen, wie genau das eigentlich heutzutage funktioniert mit dem "Nachtleben" außerhalb der Wohnung!)

Wenn die Jahre dann ins Ländle gezogen sind, in dem wir mittlerweile eine größere und geräumigere Wohnung unser Eigen nennen, werden die beiden Mädels beide zur Schule gehen und mit Entspannung und großer Freude am Lernen gute Noten nach Hause bringen. Das Mäuschen in der Grund-, die Maus in der weiterführenden Schule (welche auch immer dies sein mag, ich will niemanden mit Erwartungen unter Druck setzen). Sicher wird die - Obacht! - Pubertät dann irgendwann einsetzen, doch die Maus, die ja zuerst in deren Genuß kommt, wird sich prächtig darunter entwickeln. Sie wird natürlich zickig, fängt mit Schminken und Styling an, "borgt" sich meine Klamotten und Eyeshadows, bekommt Pickel und Interesse an Jungs - doch mit kleinen und liebevollen Erziehungsmaßnahmen wie Handyverbot oder WLAN-Entzug wird sie immer lieb und brav in der Spur laufen. Das Mäuschen wird noch ein paar Jahre ohne die P verbringen, sich in der Zeit aber natürlich bestens mit seiner großen Schwester verstehen, die sie wie eine Art Mentorin einfühlsam und geschickt in die Jungendjahre einführen kann.
Ich selbst werde, auch dank meiner lieben und braven Töchter, in aller Ruhe den ein oder anderen Bestseller geschrieben und verkauft haben, der von der Gelassenheit der Pubertäts-Mütter handelt und wie man leicht und locker durch die Jugendjahre kommt. Ich kann meinen warmen, weichen Ledersessel unter meinem Bestsellerautorenhintern geradezu spüren!

So und nicht anders wird es laufen. Und ich möchte nichts und niemanden hören, der irgendetwas Gegenteiliges gehaupten oder sogar die Dreistigkeit besitzen will, über meine Zukunftsvorstellungen zu schmunzeln oder gar zu lachen! Denn ganz im Ernst: Was hilft es einem, wenn man vom ersten positiven Schwangerschaftstest an immer und immer wieder zu hören bekommt, dass man abwarten soll, weil alles noch schlimmer wird? Soll man sich gleich erschießen? Eine lebenslange Therapie beantragen? Die ganze Kinder-Sache einfach sein lassen? Ich frage mich ernsthaft, was diese Aussage eigentlich immer bewirken soll. Und warum ist dies scheinbar so wichtig für die Menschen, dass sie es immer und immer wieder aussprechen müssen? Ich finde, jeder soll seine eigenen Wünsche und Vorstellungen haben und selbst seine Erfahrungen sammeln dürfen. Niemandem mit kleinen Kindern hilft es, sich schon jetzt Horrorbilder von Zeiten auszumalen, die erst in einem Jahrzehnt auf einen einstürmen werden. Und niemandem hilft es doch auch eigentlich, diese Worte ausgesprochen zu haben.

Ich kämpfe für das Recht, mich JETZT um fiebernde Kleinkinder sorgen und mich über freche Vierjährige aufregen zu dürfen - und nicht alles locker nehmen zu müssen, nur weil das, was ich JETZT anstrengend finde, vielleicht in ein paar Jahren Pillepalle gewesen sein könnte!
Also hört auf mit eurem "Wart es nur ab", tauscht es einfach gegen "Wenn was ist, frag mich gern" oder "Alles wird gut, so schlimm ist es nicht" aus - und denkt daran, wie es euch damit gegangen ist, als ihr diese Worte hören musstet. Und dann nehmt ihr sie und packt sie in die Kiste, in der auch schon "Jetzt fängt der Ernst des Lebens an" steckt und schließt sie einfach ab. Ich und viele andere Mütter und Väter werden es euch von Herzen danken.

Samstag, 1. Februar 2014

Blogparade: Zerstören Kinder unsere Freundschaft?

Die liebe Herzmutter Janina, die auch schon Gast hier bei mir war, startete vor ein paar Wochen diese Blog-Parade, an der ich noch unbedingt teilnehmen wollte, weil ich dieses Thema spannend und wichtig finde.

Zerstören Kinder unsere Freundschaft? Mit diesen ziemlich harten Worten habe ich über dieses Thema eigentlich noch gar nicht nachgedacht. Bisher war meine Meinung dazu nur, dass Kinder Freundschaften auf jeden Fall verändern, weil einfach von heute auf morgen Prioritäten verschoben werden. In den Schwangerschaften habe ich diese Verschiebung jedoch eigentlich nicht verspürt. Meine kinderlosen Freundinnen fanden auf jeden Fall meine erste Schwangerschaft alle sehr spannend, nahmen daran Anteil, fragten viel, gingen mit shoppen und machten sich mit mir Gedanken, was sich wohl alles ändern würde in MEINEM Leben. Also kann ich nicht behaupten, dass die Veränderung schon in der Schwangerschaft beginnt und das empfand ich auch nicht so, als ich selbst noch kinderlos war und Freundinnen oder jüngere Verwandte vor mir schwanger waren. Ich selbst liebte es auch, die Bäuche wachsen und die Kleiderschränke voller werden zu sehen mit süßen Babysachen und Spielzeugen. Die Frauen veränderten sich für mich nicht wirklich - und ich glaube, ich veränderte mich ebensowenig für meine Freundinnen. Natürlich muss man zu der Sorte Schwangeren gehören, die neben der Schwangerschaft auch noch andere Gesprächsthemen haben, sonst wird es wahrscheinlich wirklich schon vorher anstrengend und einseitig.
Was mir bei all dem auch noch half, war wohl die Tatsache, dass ich noch nie der Partylöwe oder Discotiger war, der trinken und tanzend die Nacht zum Tag machte. Ich konnte all das, was ich VOR der Schwangerschaft mit Freunden unternahm, auch IN der Schwangerschaft machen.

Als das Baby dann auf der Welt und in unserem Leben war, änderte sich einiges. Aber ich kann auch hier nicht sagen, dass es unbedingt negativ geschah. Sicher ist es so, dass kinderlosen Freunden oft das Verständnis für ganz normale Tatsachen fehlt. Oft staunte ich mit großen Augen über so viel Unverständnis und fehlende Fähigkeiten, sich in Situationen hineinzuversetzen. Vor allem betraf dieses Unverständnis Tatsachen wie Schlafgewohnheiten und Tagesabläufe von und mit Kindern. Das war und ist wohl das, was unsere kinderlosen Freunde am wenigsten nachvollziehen konnten. Mit Kindern gehen eben nicht mehr alle Dinge zu jeder Zeit und spontan. Zumindest nicht bei uns, die wir sehr strukturiert und durchgeplant und unsere Kinder an genaue Zeitpläne gewöhnt sind. Natürlich ändert sich auch die Besucher-Situation. Ich selbst hasste und hasse es, mit sehr kleinen Kindern im Alter des Mäuschens zu kinderlosen Freunden nach Hause zu kommen, wo nichts kindersicher ist. Es ist unentspannt, nervig, gefährlich, doof - und treibt mir nur Schweißperlen auf die Stirn, während mein kinderloses und entspanntes Gegenüber denkt, dass ich scheinbar einen an der Klatsche habe, weil ich ständig einem einjährigen Dreikäsehoch hinterherhechten muss. So ist das für mich. So ist das für meine Freunde. Aber das sind alles Dinge, die ich verstehen kann. Und für mich sind das vor allem alles Dinge, die eine echte Freundschaft nicht vor unlösbare Probleme stellen.

Wichtig ist einfach, dass man sich selbst auf jeden Fall seine Selbstreflexion bewahrt und diese auch oft und gerne einsetzt. Und dass man zu sich und seinem kinderlosen Umfeld schlichtweg ehrlich ist. Man kann über alles reden und einfach ab und an mal auf den Punkt bringen, was einen stört und was man gerne geändert hätte. So besuchen uns unsere Freunde eben meistens hier, wo wir in Ruhe und entspannt quatschen und Käffchen trinken können, während Maus und Mäuschen in ihrem Zimmer spielen und ich nicht permanent teure Gitarren oder unbezahlbare Stereoanlagen vor ihnen in Sicherheit bringen muss. Oder unsere Freunde sind eben daran gewöhnt, dass es den Mann und mich auf Abendveranstaltungen nicht mehr im Doppelpack gibt, sondern wir uns an solchen Ereignissen abwechseln müssen, weil einer von uns zu Hause den Babysitter spielen muss. So sind wir eben. Und ich glaube behaupten zu können, dass ich nicht zu der Sorte Mutter gehöre, die in ihrer Freizeit mit Freunden permanent über die Brut und deren Stuhl-, Schlaf- oder Essgewohnheiten sprechen muss. Im Gegenteil freue ich mich ja darüber, wenn ich mal über andere Dinge reden kann und nehme diese Chancen auch sehr gerne wahr.

Also, um ein kleines Fazit zum Thema dieser Blogparade ziehen zu können: Ich muss euch enttäuschen. Ich finde nicht, dass Kinder Freundschaften zerstören. Lockere Bekanntschaften, die nur auf Freizeit und Party gründeten, vielleicht. Aber Freundschaften ganz sicher nicht. Nicht in meiner Welt. Sicher, sie verändern sich, man sieht sich weniger oft, muss andere Nischen für Unternehmungen und Aktionen suchen und finden - aber bisher machten das all unsere Freunde gerne mit. Und wir auch. All das ist nur eine Frage der Toleranz, Organisation, Ehrlichkeit - und Treue. Denn Kinder sind ja kleine, neue Menschen, die eben zu uns gehören und keine Störenfriede und Eindringlinge in Beziehungen zwischen Menschen, die sich wirklich mögen. Und ich freue mich, mit diesem Text festellen zu können, dass wir uns wohl schon lange vor unseren Kindern die richtigen Herzensmenschen ausgesucht haben, die diese Meinung mit uns teilen.

Montag, 23. Dezember 2013

Von Läusen und Menschen

 Zugegeben, der Titel dieses Posts ist nicht eben kreativ und sicherlich nicht zum ersten Mal genutzt worden. Aber nach den letzten Wochen schwirren in meinem Hirn nicht mehr viele kreative Ideen herum, sondern eher nur noch blöde Wortspiele auf Laus oder Bronchitis, Selbstmitleid oder Nervenzusammenbrüchlein.
Und auch, wenn ich mir immer wie die einzige Mutter auf der Welt vorkomme, die dauerkranke Kinder zu Hause hat, weiß ich doch, es gibt Leidensgenossen da draußen. (Hier stelle man sich bitte eine coole Geste der Solidarität vor. Mit Händen und Fäusten oder so. Yeah.)

Morgen ist tatsächlich schon Weihnachten und ich habe so lange nicht gebloggt. Obwohl ich noch so viel mitteilen wollte, bevor "Mission Christkind" startet. Hätte ich auch können  - wäre da nicht dieser Zettel, der am Kindergarten klebt. Kennt ihr den? Der Zettel, auf dem tabellarisch scheinbar alle Krankheiten der Welt aufgelistet sind und daneben die Spalte, in der die Kindergartenleitung dann schön sachlich und pragmatisch Datum und Fallzahl der gerade modernen Krankheit notieren kann? Jeden Tag schaut Mutter auf den Zettel. Und nach einer Angina der Maus vor wenigen Wochen und kleineren Schnupfhustereien des Mäuschens hin und wieder blieb der Zettel auch immer leer. Bis dann eines Tages "Scharlach: 1 Fall" zu lesen war. Gut, ein Fall ist jetzt in einem so großen Kindergarten mit mehreren Gruppen nicht weiter tragisch, möchte man meinen. Leider kamen zwei Dinge hinzu, die mir trotzdem den Übelkeitskloß in die Magengegend trieben:

a) Ich habe dank "Nesthäkchen" panische Angst vor Scharlach - wohlwissend, dass das heute prima behandelt werden kann.
b) "Mamaaaa, der Felix hat Scharlach" - Ausrufe der Maus. Prächtig. Felix, mit dem die Maus so gerne spielt.

Selbst hier könnte man noch behaupten, die Grummelmama übertreibt mal wieder maßlos und ist viel zu sehr in ihrer hypochondrischen Welt gefangen. Nur wenn dann die Maus plötzlich hoch fiebert und Bauch- und Halsschmerzen bekommt, dann lachen alle nicht mehr. Kinderarzt --> sicher Streptokokken, anfängliches Scharlach. Super. Maus zu Hause.
Als dann die Maus wieder halbwegs fit und kindergartenreif war, fing das Mäuschen an mit komischem Husten. Und Schnupfen. Hat sie oft, wird nix sein. Denkste! Wenn das Mäuschen plötzlich hoch fiebert und schlapp und blass ist, dann... Lassen wir das. Kinderarzt --> starke Bronchitis. Super. Mäuschen zu Hause.
Und dann, nachdem gefühlte Monate nicht mehr alle Kinder gleichzeitig aus dem Haus waren, juckte Mausens Kopf. Abends guckte ich noch und dachte, hat man manchmal, wird nix sein. Als sie morgens dann immer noch kratzte und scherrte, guckte ich - ohne Kontaktlinsen und im Halbdunkel - auf ihrem Kopf und fand ihn. Den Anführer der Läuse. Nennen wir ihn Oskar, das klingt niedlicher. Oskar versuchte zu fliehen, aber er entkam mir nicht, doch seine Hinrichtung ersparte der Maus und der ganzen Grummelfamilie nicht die Strapazen, die mit seinem Fund einhergingen. Kindergarten informieren, dass die Grummels verlaust sind (Eintrag auf den Zettel des Grauens), ab zur Apotheke und Mauseköpfe behandeln. Wäsche waschen, Stofftiere einfrieren, Betten abziehen, Bürsten, Mützen und Haarspangen schockfrosten... Wer es schon mit Oskars großer Familie zu tun hatte, der weiß, wovon ich spreche. Glücklicherweise sind wir heute wissenschaftlich informiert und wissen, dass Oskar nur 24 Stunden außer Haus (sprich: Kopf) leben kann und dann zu seinen zahlreichen Ahnen reitet. Das heißt, man muss das Waschen-Einfrieren-Spiel nicht endlos wiederholen. Nun, nach ein paar Tagen ölen und kämmen hoffen wir alles überstanden zu haben. In ein paar Tagen wird die Kopf-Gedöns-Sache wiederholt und dann war es das.

Nun, da sitze ich. Und schreibe und schüttele den Kopf und denke, wie weihnachtlich und besinnlich doch alles ist. Mit Kindern. Und Läusen. Morgen ist also wie gesagt tatsächlich schon Weihnachten und gestern fing die Maus schon wieder mit Husten an. Reizhusten der reizendsten Sorte. Und das Mäuschen? Röchelt noch rum. Dass wir morgen dennoch frohen Mutes in Richtung Heimat aufbrechen, um das Fest der Familie und Liebe (uiuiuiui) mit unseren Eltern zu feiern, ist alleine dem Mann zu verdanken. Hierzulande nennt man ihn auch "Der mit den Nissen kämpft" oder "Beruhiginator". Ohne ihn wären wir Grummelmädels ganz schön aufgeschmissen. Bronchitis, Scharlach, Läuse - und zwischendrin eine panische Grummelmama und ihre Mäuse. Aber der Mann sagt, alles wird irgendwie gut – und so schlimm ist es doch auch nicht.

Ich wünsche euch allen wunderschöne Weihnachten - und all denen, die derzeit mit Krankheiten geschlagen sind, wünsche ich zusätzlich noch viel Kraft und Nerven und schnellste, weihnachtliche Besserung! Und immer dran denken: Schlimmer geht immer!

Freitag, 6. Dezember 2013

Schwesternpost

Heute wollte ich aus gegebenem Anlass mal etwas ganz anderes schreiben. Keinen Grummelpost und keine Beschwerden, keine Mamastudien oder Spielplatzdramen. Heute wollte ich mal etwas für die Maus verfassen, was ihr vielleicht hilft, das Mäuschen besser zu verstehen. Denn auch, wenn es nicht immer einfach mit einer kleinen Schwester ist, darf man einige Dinge nicht aus den Augen verlieren.
Und wenn die kleine Schwester oder der kleine Bruder einen mal wieder an den Haaren zieht, einem das Gemälde verkritzelt, die Bauklötze klaut oder die Playmobilfiguren durcheinander wirft, sollte man immer darüber nachdenken, WARUM sie das eigentlich tun, die kleinen Nervgeschwister.


Meine liebe große Schwester,

weißt du eigentlich, wie toll ich dich finde? Alles, was du machst, ist einfach so spannend und schön. Wenn du an dem kleinen Tisch im Kinderzimmer sitzt und malst, bewundere ich immer deine tollen Bilder und möchte gerne auch etwas dazu beitragen, weil Mama sich über deine Kunstwerke immer so freut. Aber wenn ich mir einen deiner Stifte schnappe und auch damit auf dein Bild male, wirst du immer böse und nimmst mir alles weg. Das verstehe ich gar nicht. 

Oder deine tollen, langen Haare, die dir fast bis zum Po gehen. Sie sind so wunderschön und ich möchte sie immer anfassen und streicheln oder diese kleinen Haarspängchen hineinstecken, die du immer benutzt. Aber wenn ich deine Haare kämmen oder anfassen will, wie Mama es immer macht, dann schreist du laut und schiebst mich zur Seite. Warum ist das nur so?

Wenn du auf dem rosa Teppich in unserem Kinderzimmer sitzt und mit diesen tollen, kleinen Figuren spielst, die ich so schön finde, dann will ich am liebsten mitten in die Kiste hüpfen und dir alle Männlein bringen, die du noch nicht aus der Schachtel genommen hast und ganz nah bei dir sein, weil du dir immer so tolle Geschichten damit ausdenkst. Aber wenn ich mit dir mitspielen möchte und mir das kleine Einhorn aussuche, guckst du immer ganz ärgerlich, rufst Mama und die räumt dann all die kleinen Figuren auf den hohen Tisch und ich kann nicht mehr mitmachen. Ihr wisst doch, dass ich da gar nicht rankomme.

Manchmal baust du auch mit den großen bunten Steinen tolle Häuser oder Türme! Das kannst du so gut, wie niemand sonst auf der Welt! Ich freue mich dann immer so sehr über diese bunten Bauwerke und will auch ein paar Steine haben und so toll bauen wie du. Aber leider scheinst du es nicht so gut zu finden, wenn ich ein paar von deinen Steinen nehme, um sie auf deine Häuser zu stecken. Ich bin zu schlecht dafür, oder?

Nachmittags sitzt du gerne am hohen Tisch und klebst Sternchen oder Blümchen auf bunte Papiere oder schneidest etwas aus. Du kannst so schöne Dinge mit deinen Händen und dem bunten Papier machen! Jetzt habe ich extra geübt, auf Papas Stuhl zu klettern, damit ich dir helfen kann - aber wenn ich endlich zu dir hochgestiegen bin, schimpfst du immer mit mir und schickst mich wieder weg, dabei würde ich so gerne von dir lernen, wie man all diese kleinen Blümchen und Sternchen auf die Blätter zaubern kann.

Und in deinem Bett, da liegen doch diese schönen Kuschel-Einhörner, die du so lieb hast. Du kuschelst und spielst immer mit ihnen und hast so viel Spaß dabei, dass ich auch gerne mitmachen und schmusen würde. Aber irgendwie ärgert es dich immer, wenn ich mir das kleinere der beiden Einhörner ausleihe, um genauso zu kuscheln und mit dir zu spielen. Dabei wäre es doch so schön, wenn du das große und ich das kleine Einhorn hätte und wir zusammen kuscheln könnten. 

Dann hast du noch diese wunderschönen Puppen. Die mit den tollen langen Haaren und den bunten Kleidern. Ich liebe es, dir zuzuschauen, wenn du es schaffst, dass die Puppen miteinander reden und sich bewegen. Ich würde mir das immer so gerne mal ganz aus der Nähe ansehen, damit ich verstehen kann, wie es funktioniert - aber du schickst mich immer weg oder kletterst mit den Puppen auf dein Hochbett, so dass ich gar nichts mehr sehen kann.

Letzte Woche hattest du dieses andere große Mädchen dabei, als du vom Kindergarten nach Hause kamst, weißt du noch? Ihr wart in unserem Kinderzimmer und habt gelacht und gesungen und getanzt und getobt. Und es klang nach so viel Spaß! Ich wollte soooo gerne mittanzen und mitlachen und ich habe mir so viel Mühe gegeben, euch zum Lachen zu bringen. Aber ihr habt mich immer zur Tür rausgeschoben und sie hinter mir zu gemacht. War ich nicht lustig genug?

Leider kann ich deine Sprache noch nicht wirklich gut. Dabei würde ich dir so gerne so viel sagen! Du bist so wunderschön und alles, was du machst, ist einfach toll. Ich weiß nicht, warum du die meiste Zeit nicht willst, dass ich mit dir Spaß habe und von dir lerne. Vielleicht mache ich etwas falsch? 
Ich  hoffe, ich bin ich eines Tages auch so groß wie du und kann all die wundervollen Dinge, die du jeden Tag machst. Ich will es so sehr. Deshalb habe ich mich schon so früh auf meine Beine gestellt. Nur, damit ich dir folgen und von dir lernen und mit dir spielen kann. Mama sagt, ich bin in allem viel früher dran. Das ist einfach, weil ich nichts von dem verpassen will, was du tust. Es tut mir leid, wenn ich dich irgendwie ärgere oder störe, das will ich doch gar nicht. Und die Momente, in denen wir zusammen auf dem Sofa kuscheln und du mir sagst, wie sehr du mich lieb hast, sind die schönsten Minuten des Tages für mich. 

Du weißt immer ganz genau, wo mein Stofftier und meine Schnuller sind, wenn ich weine. Du tröstest mich immer, wenn ich mir wehgetan habe oder traurig bin. Du weißt immer, wenn ich etwas trinken oder essen will. Und du bist immer da und singst mir etwas vor, wenn ich abends Angst habe, einzuschlafen. Du bist das beste große Mädchen auf der ganzen Welt und wenn ich groß bin, will ich ganz genau so sein wie du.

Deine kleine Schwester.

Sonntag, 24. November 2013

Mausarbeit

Früher war alles besser. Sagt man. Bei manchen Dingen stimmen diese abgenutzten Worte sogar. Zum Beispiel bei der Hausarbeit. "Die spinnt doch, die Grummelmama!" denken jetzt die Nicht- oder NochNicht-Mamas und Papas unter euch. Die anderen nicken jetzt sicher seufzend und wissend.

Ich denke, wir alle sind uns einig, dass Hausarbeit per se jetzt nicht DAS Unterhaltungsprogramm ist, mit dem man gerne langweilige Stunden oder freie Tage füllt. Es muss eben getan werden, egal wie und wann. In meiner Prämamazeit hasste ich es, zu saugen, zu wischen, aufzuräumen, Geschirrspüler zu be- und entfüllen oder das Bad zu putzen. Eigentlich konnte ich mir nichts Schlimmeres vorstellen als das. Und jetzt? Jetzt ist es Entspannung pur? Gar nicht mehr so schlimm? Eine willkommene Abwechslung? Ja - WENN Maus und Mäuschen (M&M) aus dem Haus sind. Warum das so ist?
 Hier nur kurz eine Gegenüberstellung von prä und post M&M Arbeitsschritten am Beispiel "Staubsaugen" (So oder ähnlich übertragbar auf alle Hausarbeiten):

*Staubsaugen prä M&M: Teppiche ausschütteln und hochlegen, Dinge vom Boden wegräumen, Stecker in die Steckdose, Zimmer für Zimmer staubsaugen. Fertigstellung nach etwa 20 Minuten.

**Staubsaugen post M&M: Das Mäuschen davon überzeugen, dass gerade JETZT auf Teppichen sitzen eher schlecht ist, Teppiche ausschütteln und hochlegen. Hinter dem Mäuschen her rennen, das sich den nicht hoch genug gelegten Teppich wieder gemopst hat. Teppich höher hochlegen. Eine Million Dinge vom Boden wegräumen (Papa Schlumpf, Playmo-Feen, Holzkühe, diverse Winzdinge, Bälle, Schnuller, Haarspangen, viel Glitzerzeug in verschiedenen Varianten). Der Maus klarmachen, dass man all das NICHT wegwerfen möchte, währenddessen das Mäuschen wieder ein paar aufgesammelte Dinge auf dem Boden verteilt. Erneut wegräumen. Stecker in die Steckdose. Stecker wieder in die Steckdose. Stecker ein drittes Mal in die Steckdose. Das Mäuschen aus dem Zimmer werfen, weil es immer wieder den Stecker aus der Steckdose zieht. Mit dem Versuch beginnen, das erste Zimmer zu saugen. Das Mäuschen davon überzeugen, dass auf dem Staubsauger reiten jetzt total unpraktisch und zudem nicht ungefährlich ist. Merken, dass 15 Monate alte Mäuse weder diskussionsfähig noch offen für gute Argumente sind. Überzeugungen scheitern, weitersaugen MIT dem reitenden Mäuschen. Stopp alle paar Minuten, um das weinende, weil runtergefallene Mäuschen zu trösten. Die Maus überzeugen, dass der Luftballon zwar dufte im Luftstrom des Staubsaugers fliegt, aber der Arbeit an sich eher kontraproduktiv im Weg steht. Merken, dass vierjährige Mäuse weder diskussionsfähig noch offen für gute Argumente sind. Überzeugungen scheitern, weitersaugen MIT dem Luftballon im Luftstrom und um den Sauger hüpfenden Mäusen. Beim Wechseln in ein anderes Zimmer feststellen, dass die Maus doch wieder die Playmobil-Feen auf dem Boden verteilt hat. Vielleicht aus Trotz, weil immer nur das Mäuschen auf dem Staubsauger reiten "darf". Wieder Dinge aufräumen, während das Mäuschen wieder den Stecker aus der Wand zieht. Je nach Zimmeranzahl wiederholt sich dieses Szenario dann noch 3-4 Mal. Fertigstellung? Gefühlt: Nie! Schweißausbruchanzahl: 100!

(Noch) nicht Mütter und Väter finden das wahrscheinlich jetzt alles sehr spaßig. Verständlich. Aber wenn man sich zu all dem noch die Tatsache vor Augen hält, dass dieses Prozedere ja auch noch viel öfter durchgeführt werden muss, je mehr Kinder man hat, dann wird schnell die volle Tragweite der Umstände klar:
Kinder bedeuten mehr Krümel, Kleinkram auf dem Boden, Papierschnipsel, Glitzerkram (zumindest bei Mädchen), Konfetti (wo auch immer her), Rosinen, vertrocknete Gummibärchen, Dreck aller Art vom Spaziergang mitgebracht. Mehr Kinder bedeuten noch mehr Krümel, noch mehr Kleinkram, Schnipsel, Glitzerkram, mehr - ich denke, ihr wisst, was ich meine! Nur eins wird leider nie mehr: Mamas Nerven. Die nehmen potentiell zum Anstieg der Verschmutzung ab. Und daher kann ich allen Müttern nur raten: Macht es wie ich, werft Mann und Mäuse einfach raus, dreht die Musik auf und staubsaugt, wischt und räumt auf, als ginge es um euer Leben! Denn man kann nie wissen, wie lange die Ruhe und Einsamkeit anhält.

Mittwoch, 13. November 2013

Mama Nervpiens: Unterarten

Während ich mal wieder in den Genuss einer Eingewöhnung gekommen bin und Stunde um Stunde auf meinem kleinen Stühlchen in der Ecke verbringem durfte, schweigend und beobachtend wie einst die Supernanny in der ersten Phase, konnte ich einige seltene Exemplare der Gattung Mama Nervpiens in ihrem natürlichen Umfeld studieren. In ihrem Kitajungesabgabeumfeld fühlen sich die sonst eher scheuen Wesen sehr wohl und präsentieren sich in ihren schönsten Farben und für ihre Art typischen Kindbringritualen:

1. Die HappyMom.
Besondere Merkmale: Breites, übertriebenes Grinsen; viel zu hohe, gewollt niedliche Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe ihrer Jungen an der Kitatür: Begrüßt mit einem unfassbaren Grisen alle anwesenden Kinder mit Namen und einem nicht enden wollenden "Hallooooooooooooooooooooooooooooooo", fragt jedes Kind (und sei es auch noch so klein und nicht antwortfähig) "Naaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, duuuuuuuuuuuuuuuuuuuu?", knutscht ihr Junges vor versammelter Mannschaft ordentlich ab und verabschiedet sich dann mit dem aufgeregten Ruf "Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!" von allen.

2. Die MussWegMom
Besondere Merkmale: Hektischer Gesichtsausdruck; flüchtige, drängende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Schiebt ihr Junges mit einem unsanften, aber bestimmten Schups in den Kitaraum, stößt einen kurzen Ruf aus, der etwa wie ein "Tschüssbisspäta" klingt und verschwindet sogleich wieder aus dem Umfeld der Kinder. Ihr eigenes Junges bleibt meist etwas ratlos und bedröppelt im Raum zurück und braucht etwas länger, um sich in den Spielalltag einzufinden.

3. Die FreizeitMom
Besondere Merkmale: Entspannter Gesichtsaudruck; plaudernde, fast zwitschernde Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Streift sich vorm Abgaberitual die eigenen Schuhe ab und wirft ihr emotionales Netz aus, um eine Erzieherin zu fangen. Gelingt ihr ein solcher Fang, wird dieser ohne Rücksicht auf andere Verpflichtungen mit langweiligen Geschichten des eigenen Jungen gelähmt, bis die Erzieherin sich von selbst aus dem Netz befreien und ohne Augenkontakt zu halten in einen anderen Raum entkommen kann. Das Junge dieser Art von Mom ist übrigens meist direkt nach dem Eintreten in den Raum in einer Spielecke verschwunden.

4. Die SchlechtesGewissenMom
Besondere Merkmale: Dackelblick, sehr leidend; nölende, depressive Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Klammert sich am eigenen Jungen fest und drück und herzt es immer wieder. Das Junge, soweit schon eingewöhnt, versucht sich meist erfolglos vom Momtier zu befreien und muss weitere Küsse, Drücker und Schlechtesgewissenumarmungen erdulden, bis es von einer aufmerksamen Erzieherin erlöst wird. Die Art von Mom muss meist von einer Erzieherin getröstet und mit den tollen Spielvorhaben für ihr Junges aufgemuntert werden, woraufhin sie von ihren dringenden Erledigungen erzählen darf. Das Loswerden dieser Art ist ähnlich schwer wie das der FreizeitMom.

5. Die EasyMom
Besondere Merkmale: Cooler Gesichtsausdruck; ruhige, aber bestimmte Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Begleitet das Junge noch in den Raum, tauscht kurz wichtige Infos mit der Erzieherin aus und verschwindet dann unauffällig und dem Jungen von weitem winkend wieder aus dem Raum. Diese Art Mom ist die bei Erzieherinnen beliebteste Sorte. In Kindergärten überwiegt diese Art, in Kleinkindergruppen ist sie jedoch nicht häufig anzutreffen.

6. Die HilflosMom
Besondere Merkmale: Panischer, angsterfüllter Gesichtsausdruck; zitternde, fragende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Abgabe des Jungen ohne Unterstützung und gutes Zureden seitens der Erzieherin nicht möglich. Eine sehr unsichere Art, die diese Unsicherheit gerne unbewusst auf das Junge überträgt, welches dann schnell in panische Heulanfälle verfällt, was die Abgabesituation oft eskalieren lässt. Es ist bis heute nicht ganz geklärt, ob an diesem Verhalten hauptsächlich die Mom oder das Junge Schuld ist. Es wird vermutet, dass die Trennung nicht ganz vollzogen und akzeptiert wurde.

Zu welcher Art gehört ihr? Ich selbst springe gerne durch die verschiedenen Abgabemöglichkeiten, je nach Lust und Laune. Jedoch habe ich noch nie Nr. 1 ausprobiert - und habe es auch nicht vor!
Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Freitag, 8. November 2013

Pssst, Weltspartag!

Man sagt ja immer, Deutschland wäre ein sehr kinderfeindliches Land. Kindergarten-Bauvorhaben werden durch Klagen gestoppt, überall stehen die berühmten "Rasenfläche betreten verboten" - Schilder, richtige Kinderecken sind Raritäten in Restaurants oder öffentlichen Gebäuden, normal sind eher Kistchen mit abgeranzten Büchern oder Spielen, um das schlechte Gewissen zu beruhigen oder ein Häkchen hinter einen imaginären "to do" - Punkt zu machen. Aber wer macht dieses Land zum vermeintlichen Kindermuffelland?

Wir spazierten am Weltspartag mit Maus und Mäuschen zur örtlichen Sparkasse, um das Geschenk für die Maus abzugreifen und ihre schwarze Plastiksau schlachten und daraus ein Sparbuch machen zu lassen. Zunächst war auch alles noch ganz schön. Das Mäuschen sah auf Papas Arm putzig aus, die Maus suchte sich mit leuchtenden Augen ein Playmobil Spielzeug aus und wartete, während die Bankangestellte das armselige Kleingeld des Schweines durch den Zählautomaten jagte. Dann kam ein anderer Angestellter, der uns in einen seperaten Kundenraum brachte, um die Sparbuchangelegenheit zu klären. Dazu bräuchte er einen Kinderausweis oder das Stammbuch. Blöd. Daran hatten wir natürlich nicht gedacht. Der Mann erklärte sich dazu bereit, schnell nach Hause zu flitzen (etwa 3 Gehminuten) um es zu suchen. Entgeistert machte ich meinem tiefen Wunsch Luft, er möge das noch niedliche Mäuschen bitte beim Flitzen mitnehmen. Der Wunsch wurde mir noch erfüllt. Bis dahin alles prima.Warum ich das erzähle? Wartet, kommt gleich.

Ich saß also auf dem geschäftlichen Wippstuhl im seperaten Kundenraum, der Bankangestellte saß hinter seinem Schreibtisch und wir übergrinsten hüstelnd und schulterzuckend die unangenehme Stille im Raum. Die Maus betrachtete still und ruhig ihr Geschenk und kapierte so gar nicht, warum wir eigentlich noch hier rumhingen. Und dann... Dann wurde ihr langweilig. Und mein sonst so altkluges und großes Kind fing plötzlich an, sich wie ein Kleinstkind zu verhalten. Krabbelte durch den Raum, aus dem Raum, unter den Schreibtisch des wartenden Bankkerls, schlug ihren Sparkassen-Luftballon überall dagegen, kicherte wie eine Irre und redete dabei mit mir wie eine Zweijährige, was mich echt zur Weißglut treibt. Das schlimme an so einer Bank ist ja, dass es so ruhig ist! Unglaublich ruhig! Ist man als Doppelmutter überhaupt nicht mehr gewöhnt, so ein stiller Ort mit stillen Menschen, die stille Dinge still erledigen! Und wegen ebendieser Stille traute ich mich auch nicht, die Maus mit mehr als zischenden Mama-ist-stinkig-Lauten zu beschießen oder böse Blicke zu versenden. Normal reicht das auch aus, doch in dieser Stille sah meine Maus wohl die Chance, mal so richtig auf die Kacke zu hauen und machte einfach weiter. Nun gallopierte sie quiekend durch die Bank, die Angestellten lächelten gezwungen und mir bracht der Schweiß in Sturzbächen aus. Nach gefühlten Stunden war der Mann noch immer nicht da und mir taten schon die Schultern vom vielen Zucken weh und ich fragte unseren Bankkerl hoffnungsvoll, ob er nicht noch etwas anderes zu tun hätte (als saublöd vor mir zu sitzen und mich mitleidig anzusehen). Nein. Hätte er nicht. Keine Sorge. Prachtvoll.

Nach unfassbar vielen gefühlten Stunden, also 5 Minuten später, kam dann doch der Mann mit dem Stammbuch angetrabt. Der Bankkerl freute sich mindestens so wie ich darüber und durfte sich endlich ans Werk machen. Doch auch das dauerte wieder. Die Maus, durch die Anwesehnheit des Papas etwas zur Ruhe gebracht, langweilte sich mittlerweile wirklich sehr und auch das Mäuschen hatte keine Lust mehr, niedlich auf Papas Arm auszusehen und beschloss, lieber nörgelnd und nölend von Papas Arm zu wollen. Um uns herum immer noch Bankstille. Irgendwann hatten wir dann irgendwie alles erledigt, haben jetzt irgendein Sparbuch zu irgendwelchen Konditionen mit irgendeinem Betrag darauf - und konnten endlich die Bank verlassen.

Und die Moral von der Geschicht?
1) Das Bankgeheimnis wäre gelüftet, das stille Örtchen ist gar nicht die Toilette!
2) Ob Deutschland wirklich kinderfeindlich ist, weiß ich nicht - aber alleine das Gerücht machte mich zur Mittäterin, denn ob all das, was das Mäuschen in der Bank anstellte, nun wirklich so schlimm gewesen wäre, wären wir eben NICHT in einer Bank gewesen, wage ich zu bezweifeln.
3) Seriöse Erledigungen wie Bankgeschäfte sind KEINE Kinderbespaßungen, auch nicht am Weltspartag.

Ich lerne aus solchen Ereignissen eigentlich immer, dass wir hier in Deutschland viel zu unentspannt mit allem umgehen. In anderen Ländern ist es vollkommen normal und sogar mehr als freudig geduldet, dass überall Kinderlachen und Gekicher ertönt - auch an Orten, an denen das normal gar nicht der Fall ist (oder vielleicht sogar BESONDERS an solchen Orten). Kinder dürfen toben, laut sein, sich freuen, lachen, hüpfen und springen - und uns unentspannten deutschen Eltern sollte das eigentlich weder peinlich sein noch Schweißsturzbäche hervorrufen. Aber irgendwie kann ich das nicht. Noch nicht. Aber ich versuche ehrlich, daran zu arbeiten. Und wenn wir alle, Eltern, Bankkerle, Kassiererinnen, Leute in Wartezimmern oder Menschenschlangen, Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln, speisende Menschen in Restaurants oder ruheliebende und unbekinderte Nachbarn zusammen daran arbeiten, dann werden wir vielleicht bald auch ein Land, in dem Kinderlachen den Alltag dominiert und nicht das ewige "Psssssssst" von unnötig gestressten Grummelmüttern wie mir. Wäre doch irgendwie schön, oder?


Samstag, 12. Oktober 2013

Eingewöhnt

Ihr wundert euch sicher, warum die alte Grummelmama hier nichts mehr schreibt. Meine Facebook Follower wissen es schon:  Ich bin in der Kita-Eingewöhnung mit dem Mäuschen. Und alle, die sowas schon durch haben, wissen genau, was das bedeutet. Nämlich stundenlanges Rumsitzen in überhitzen Räumen, in denen zu allem Überfluss (und als wäre nicht alles schon schlimm genug) auch noch wildfremde Kleinstkinder herumspringen.

Wie kam es überhaupt dazu? Da wir hier leider weit ab von Gut, Böse und Familienanschluss wohnen und ich deshalb niemanden habe, der hin und wieder ein paar Stunden das Mäuschen nehmen kann, während ich tun kann, was eine Grummelmama vormittags so tun muss, haben wir schon bei der Maus beschlossen, relativ früh eine Kita zu suchen. Das große Glück ist, dass direkt im Nebenhaus zwei Kleinkindergruppen untergebracht sind, die auch noch Platz für uns hatten! So war die Maus mit 18 Monaten fällig - und das Mäuschen nun schon mit zarten 13. Richtig wohl war und ist mir nicht bei der Sache, da ich sie schon noch sehr klein finde, aber sie meisterte diese Woche mit mir zusammen dort richtig gut, was meine von schlechtem Gewissen geplagte Mutterseele doch etwas beruhigte. Sie findet es toll, spannend und super - und ich steure auf den Moment zu, an dem ich guten Gewissens die Kita verlassen und mich Haushalt, Arbeit und einem bisschen Nichtstun widmen kann.

So eine Eingewöhnung ist übrigens eine ganz spezielle Sache. Für eine Grummelmama wie mich ist sie in etwa wie ein Indoorspielplatzbesuch, den man mit Spaßbad und Babymassage kombiniert hat. GRAU-EN-VOLL.

Man kommt morgens an, möglichst später als alle anderen, damit man den unnötigen "Ach, ihr seid die Neuen!" Gespräche der anderen Eltern ausweichen kann. Schuhe ausziehen, Hausschlappen an und rein in die gute, auf ca. 40°C geheizte Stube. Großes Hallo seitens der Erzieher, die sich "totaaaaaaaal" freuen, dass das Mäuschen auch wieder da ist. Mäuschen düst nach drei Sekunden Schüchternheit ab ins Nebenzimmer zum Kastanienspielen. Und die arme Grummelmama? Setzt sich auf einen ergonomisch geformten Erzieherstuhl in die Ecke und versucht zu lesen.Versucht. Denn alle paar Sekunden kommt ein anderes verrotztes und hustendes Fremdkind vorbei und piekst einen mit Spielbesteck, bewirft einen mit bunten, vollgeschlotzten Plastikbällen oder will auf meinen Schoß klettern.
(Im Grunde könnte man die Eingewöhnungszeit auch "Keimgewöhnungszeit" nennen. Unglaublich, dass man diese Zeit lebend überstehen kann.)
Wenn die kleinen Bazillenschleudern einen dann mal in Ruhe lassen, kommt eine der drei Erzieherinnen zu einem, um ein pädagogisch wertvolles Erst-, Zweit- oder Drittgespräch zu halten. "Ja, das mache ich zu Hause auch so". "Nein, davon halte ich ehrlich gesagt nicht viel". "Ja, das kann sie schon". "Nein, das tut sie nicht".

Ein Ratschlag an alle Ersteingewöhnenden: Vertretet UNBEDINGT eure Meinungen. Nur weil die Damen und Herren eine Ausbildung oder gar ein Studium hinter sich haben, das sie dazu befähigt, eure Kinder zu betreuen, kennt NUR ihr eure Eingewöhnungsbrut und deren Gewohnheiten, Vorlieben - und vor allem deren wunde Pünktchen. Ich habe bei der Eingewöhnung mit der Maus damals den Fehler gemacht, nicht die Grummelklappe aufzumachen, wenn mir etwas schräg vorkam und das Ende vom Lied waren 4 (!) komplette, furchterregende Wochen der schieflaufenden Eingewöhnung. 

Aber weiter im Ablauf: Es geschieht nun das, was ich als schlimmste Folter der Elternzeit empfinde und immer empfunden habe. Der Singkreis mit Namensrunde, an dem ich natürlich teilnehmen muss, damit das Mäuschen auch "entspannt reinfinden kann". Überhaupt muss alles "entspannt" passieren. Nur leider geben einem die Erzieherinnen nichts von ihren Entspannungsdrogen ab. Nie!
Nachdem die niesenden Zwerge genug niedliche, entspannte Lieder gesungen und Chaos in der Gruppe verbreitet haben, wird wieder aufgeräumt und zum Zwischensnack geblasen. Man glaubt kaum, wieviel Zeit bei den einfachsten Tätigkeiten vergehen kann, wenn sie mit 10 Kleinstkindern erledigt werden müssen. Nach dem Snack, der gefühlte Stunden dauerte, wird gewickelt. Ganz entspannt ein Kind nach dem anderen. Ich unterdrücke derweil Würgereflexe, weil ich schon nicht auf die Ausscheidungen meiner Kinder stehe, braune Windelfüllungen von Fremdzwergen jedoch in höchstem Maße widerlich finde.
Nach der Operation Wickeltisch beschließt man, doch einen Spaziergang zu machen. Im Klartext bedeutet das, dass 10 Kleinstkinder zum Rausgehen bewegt und vorher angezogen werden müssen. Nach gefühlten Stunden und Toilettengängen der Erzieher und meiner Wenigkeit geht es dann tatsächlich auch los.
Im Anschluss an einen unfassbar öden Spaziergang geht es wieder zurück in die Gruppe. Wenn es gut gelaufen ist, darf ich mir einen Kaffee besorgen und mich vor die Gruppentür verziehen. Nur ich, mein Buch und ein Kaffee. Klingt göttlich. Doch leider beginnt meist zu diesem Zeitpunkt die Wickelrunde der Nebengruppe, die leider keinen eigenen Wickeltisch im Gruppenraum hat und mit allen Kindern nach und nach entspannt über den Flur in den Baderaum laufen muss. Also kommt auch hier ständig ein Fremdkind vorbei, das mich hustend und verrotzt mit Spielbesteck piekst, mit bunten, vollgeschlotzten Plastikbällen bewirft oder auf meinen Schoß klettern will. Auf dem Gang ist es übrigens viel zu kalt und ich warte darauf, mit einer Lungenentzündung dieser Kleinkindergartengeisterbahn zu entkommen.
Zurück in der Gruppe folgen dann wieder pädagogisch wertvolle Gespräche der Erzieher, die ganz begeistert sind, wie toll das Mäuschen das alles meistert - was mich wohl am allermeisten freut, da der Moment absehbar wird, an dem ich nicht mehr dieser unerträglichen Eingewöhnungsentspannung ausgesetzt bin.

Was soll ich noch sagen? Das Mäuschen ist krank und gestern nicht in die Kita gegangen, die erhoffte Lungenentzündung hat mich nicht ereilt, nur ein hundsgewöhnlicher Schnupfen - und ich hoffe und bete, dass nächste Woche die letzten Tage des Eingewöhnens angebrochen sind und das Mäuschen alleine Tag für Tag die für mich unerträgliche Langeweile eines Kleinkinderkitavormittags durchlaufen kann. Ganz entspannt natürlich.

Mittwoch, 18. September 2013

Zweinzelkind

Die Maus ist im Kindergarten, ich gieße mir eine heiße Tasse Kaffee ein, werde langsam fit und spiele mit dem Mäuschen auf dem Teppich im Wohnzimmer. Sie schleppt mir Bücher an, die wir schon hunderfach angesehen haben, macht "Wau!" zu allem, was vier Beine hat, rennt auf ihren kleinen Beinchen durch die Wohnung und ist so schnell von allem begeistert, was man mit ihr macht. Oder wir gehen spazieren, bummeln gemütlich mit dem Kinderwagen durch die Altstadt. Sie zeigt auf alles und winkt jedem, alles ist "Bau!" (Baum, ihr neustes Lieblingswort), sie lässt mich sogar in Kleidungsgeschäften nach langweiligen Mamasachen gucken. Dann setzen wir uns an den Markt oder an den See und spielen Nachlauf oder Ball -  und ist dabei so niedlich, ich könnte sie einfach nur knuddeln.

Das Mäuschen ist beim Papa und die Maus und ich machen Große-Mädels-Nachmittag zusammen. Das ist unser monatliches Ritual und wir genießen es beide sehr. Wir gehen in die Stadt, lesen stundenlang Bücher in der Kinderecke der Stadtbücherei, gucken uns jedes Spielzeug im Kinderladen genau an, kaufen auch meistens eine Kleinigkeit, futtern ein Eis beim Lieblingseisladen oder Crêpes am Marktstand. Dann geht es noch auf den Spielplatz, wenn das Wetter mitspielt und wir rutschen, rennen, schaukeln und toben.
Sie ist so ein Schatz, schon meine richtig große Maus, mit der man Spaß haben und sich unterhalten kann -
und ist dabei so süß, ich könnte sie einfach nur knuddeln.

Doch wehe, wehe sie treffen aufeinander!

Sobald die Maus die Augen aufmacht und das Mäuschen ins Zimmer stürmt (wir sind meist schon vor der Großen wach) ist die Ruhe und Niedlichkeit vorbei. Beide verwandeln sich binnen Sekunden in Stressmonster! Mäuschen zieht Maus an den Haaren, Maus jagt Mäuschen durch die Wohnung (finden alle spaßig, nur die Mama nicht um diese Uhrzeit), Mäuschen wirft Mausens Stifte durch das Zimmer, Maus schreit wegen dieser Aktion Zeter und Mordio, Maus versteckt Mäuschens Schnuller so im Bett, dass dieses ihn nicht mehr finden kann, Mäuschen brüllt wegen dieser Aktion wie am Spieß.

Sobald die Maus aus dem Kindergarten kommt und das Mäuschen Mittagsschlaf gemacht hat, ist die Ruhe und Niedlichkeit wieder vorbei. Beide verwandeln sich binnen Sekunden in Terrormäuse! Mäuschen lässt Maus nicht in Ruhe mit Mama ein Buch angucken, Maus sieht es nicht ein, dass Mäuschen mit ihrem Playmobil spielt, Mäuschen hat keine Lust zu warten, bis Mama und Maus ein Bild beklebt haben und wütet in der Küche, Maus hat keine Lust zu warten, bis Mama und Mäuschen Bauklötze gespielt haben und sitzt laut meckernd und trotzig in der Ecke.

Es könnte alles so einfach sein. So schön. So friedlich. So perfekt - wenn man ein Zweinzelkind hat. Sobald daraus jedoch ein Geschwisterkind wird, ist es nicht mehr zu bremsen. Beinahe unheimlich, wie Kinder diesen Schalter umlegen können. Und auch verständlich. Nichtsdestotrotz auch grauenvoll anstregend für die arme Mutter, die sich in solchen Momenten sogar sträflich an Goethe vergreift:

Zwei Seelen wohnen, ach! in ihrer Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Schwesternlust
sich an die Maus mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Frust
zu den Mäuschens Stofftierahnen. 


Und wie immer tue ich das, was man als Mutter immer tut. Ich warte, bis eine bessere Zeit kommt, in der wir alle drei gemeinsam auf dem Teppich im Wohnzimmer spielen und Bücher ansehen können und bis ich keine Zweinzelkinder mehr brauche, um sie zum Knuddeln süß und niedlich zu finden. Und falls jetzt hier jemand liest, der schon ältere Kinder hat als ich: 

Bitte zerstört nicht meine Hoffnungen. Lügt einfach. 


Mittwoch, 11. September 2013

Schlaflose Helden

Heute schicke ich ein lautes und enthusiastisches "Hut ab" an alle Mamas und Papas, die seit Wochen und Monaten nicht mehr richtig schlafen, weil Zwerg und Zwergin die Nacht zum Tag machen wollen. Wie haltet ihr das aus?

Für mich war die Nacht und mit ihr mein Schlaf unfassbar wichtig. Ich schlief lange und gerne. War eine Nachteule. Konnte problemlos wochenends bis zum Mittag in den Federn liegen. Vor dem Schlafmangel und seinen Folgen hatte ich in meiner ersten Schwangerschaft wohl am meisten Angst. Als die Maus dann auf der Welt war, waren der Mann und ich uns auch einig, dass wir eine strenge Schlaferziehung durchsetzen wollten. Das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" habe ich übrigens noch nie persönlich in der Hand gehabt - nur falls jetzt schon einige mit den Augen rollen. Die ersten sechs Monate schlief die Maus in unserem Schlafzimmer. Zunächst in einer kleinen Wiege, später dann in ihrem Babybettchen. Nur die ersten paar Nächte hatte ich sie mit in unserem Bett und stellte ganz schnell fest: ICH HASSE ES. Ich konnte nicht schlafen, traute mich kaum zu atmen und war immer auf 180.

Klar, die ersten Nächte waren nicht toll. Babychen brüllte gerne, was das Zeug hielt, war hungrig, bauchschmerzig, neugeborenenpanisch. Aber wir starteten schon da die Operation: Superschlaf. Und die war eigentlich ganz einfach: wir machten NIE die Nacht zum Tag. Tags wurde sie rumgetragen, bespielt, bekuschelt. Nachts wurde geschlafen. Im Dunkeln. Im Bett. Nicht im Auto um den Block fahrend, nicht neben dem laufenden Staubsauger, nicht im Buggy durch die Straße schockelnd. Ich lag neben ihr, hielt ihr Händchen, streichelte sie, sang, fütterte sie - aber nie, nie, nie machte ich Licht und schleppte sie rum.Und, oh Wunder, das zeigte schnell Wirkung. Die Maus schlief sehr schnell durch. Die ersten Monate trank sie natürlich noch 1-2 Mal in der Nacht, aber schlief dann wieder sofort ein und wir hatten nie Probleme. (Fairerweise sei an dieser Stelle nochmal daran erinnert, dass ich brustproblemtechnisch zwei Flaschenkinder und es somit einfacher hatte)

Als wir über ein zweites Kind nachdachten, war die Maus etwa 2 1/2 und ein perfekt schlafendes Kind. Ein Kind, das zum Entsetzen und zum Neid vieler Eltern abends "Mama, ich will ins Bett" sagte, das man hinlegte und das dann bis morgens um 9 oder gar 10 Uhr durchschlief. Daran war ich gewöhnt. VERwöhnt. Was, wenn das zweite Kind das genaue Gegenteil von Maus werden würde? Was, wenn ich plötzlich ein sehr aktives, anstrengendes dreijähriges Rebellenmausekind hatte, das perfekt schlief UND ein ruhiges, entspanntes Relaxmäuschen, das in der Nacht permanent aufwachte? Das würde ich nicht durchstehen.
Je näher der Geburtsttermin rückte, desto unruhiger wurde ich. Ich hatte wirklich Angst um meinen Schlaf - noch viel mehr als beim ersten Mal. Der Mann beruhigte mich, meinte, wird würden alles einfach so wie beim ersten Kind machen, das würde schon klappen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch davon überzeugt, dass sich Schlaferziehung und Veranlagung etwa die Waage halten.

Als das Mäuschen dann auf der Welt war, machten wir alles genau wie bei der Maus. Sie lag im Beistellbettchen neben uns, ihr Händchen in meiner Hand. Kein Rumrennen, kein Licht, kein Trara und kein Tamtam. Und was soll ich sagen? Es klappte wieder.

Damit hattet ihr jetzt nicht gerechnet, oder? Hand auf's Herz: Ich auch nicht.

Die beiden schlafen jetzt seit mehreren Monaten zusammen in einem Zimmer und es gibt keine Probleme. Das Mäuschen schläft supergut, schlief auch schnell durch und wir sind echt happy darüber. Gut, ich muss aber auch sagen, wir sind die Art von bösen Eltern, die nicht bei jedem Gejammer ins Zimmer rennen und Aufstand machen. Ich lasse meine Kinder nicht stundenlang brüllen, bis sie erschöpft einschlafen, aber ich lasse ihnen durchaus die Chance, sich selbst zu beruhigen, bevor ich es tue.

So viele sagen, dass ein Baby nie ohne Grund weint und man immer darauf eingehen muss. Das denke ich nicht. Klar, ohne Grund weinen sie nicht - aber es muss nicht immer Angst oder Panik dahinterstecken. Manchmal sind sie einfach nur übermüdet oder bockig. Und ich denke, jede Mutter kann sehr gut unterscheiden, welches Weinen was bedeutet. Und ich sehe nicht ein, dass ich für ein übermüdetes, bockiges Kind Animateur spiele. Dazu ist mir MEIN Schlaf zu heilig.

Warum ich all das hier schreibe? Weil ich trotz meiner Meinung, meiner Erfahrung und meiner Einstellung nur den Hut vor den Mamas ziehen kann, die monate- und jahrelang Familienbett praktizieren, nie länger als 3-4 Stunden Schlaf kriegen und daran auch scheinbar nicht wirklich etwas ändern wollen. Und das ist weder zynisch noch sarkastisch gemeint. Ihr seid meine Heldinnen. Und wenn ich ab 20:15h für etwa 12 Stunden meine Ruhe habe, denke ich an euch - und frage mich, was für eine Mutter ich wäre, hätte unsere Erziehung nicht gefruchtet...

Freitag, 6. September 2013

Namenlos

Man gewöhnt sich als Mutter ja an so einiges. An weniger Schlaf, mehr Wäsche oder weniger Freizeit. Man gewöhnt sich auch daran, dass man immer zuerst an die Kinder und dann erst an sich selbst denken muss. Aber an eine Sache werde ich mich wohl nie gewöhnen: Keinen Namen mehr zu haben.

Mit 18 fängt es ja schon an, das Elend. Als ich das erste Mal volljährigerweise im Wartezimmer des Frauenarztes saß und plötzlich meine Mutter aufgerufen wurde, obwohl diese gar nicht dabei war - und ich feststellte, dass die Helferin wohl MICH meinen musste. Frau Sowieso. Oh mein Gott. Ich war alt. Das Leben ging jetzt bergab. Falten, graue Haare, Rückenprobleme. All das lief wie eine Vorschau in meinem Kopf ab. Frau Sowieso. Da war ich also. Im Erwachsenenleben angekommen. Was ich immer wollte. Jetzt, wo ich ihn hatte, den Respekt von Gleichgestellten, wollte ich ihn nicht mehr haben.

Weiter ging es, als ich heiratete. Ich war nun nicht mehr Frau Sowieso, Freundin von Demunddem. Ich war Frau Dingsbums. Frau vom Mann. Am Telefon musste ich immer sagen: "Mein Mann wollte blabla", oder "Ja, mein Mann hat blabla". Grauenvoll. Ich kam mir schlagartig 10 Jahre älter vor UND musste mich auch noch an einen vollkommen fremden Namen gewöhnen.

Dann kam die Maus. Nun musste ich am Telefon sagen: "Ich wollte einen Termin für meine Tochter machen", oder "Meine Tochter soll blabla". Wieder 10 Jahre älter geworden. Ich sah mein Leben irgendwie im Schnelldurchlauf an mir vorbeiziehen, obwohl ich mich doch selbst kein Jahr älter als nach dem Abi fühlte. Warum begriff das nur niemand und übernahm all diese Erwachsenenaufgaben für mich?
Dann kam das Mäuschen und nun war ich Frau Dingsbums, Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern. Wieder 10 Jahre drauf.

Als die Maus einige Zeit später sprechen konnte, war ich plötzlich nicht mehr nur Frau Dingsbums, ich war auch Mama. Manchmal auch Mami. Mamilein auch in seltenene Fällen. 10 Jahre mehr und wieder das Gefühl, meine eigene Mutter zu sein.

Der vorläufige Höhepunkt war erreicht, als die Maus in den Kindergarten kam... Warum?
Früher ging ich durch die Stadt und ich traf Leute. Freunde, Bekannte von mir oder meinem Freund. Und sie sagten zu einander "Hey, das ist doch die Dingens!". Heute gehe ich durch die Stadt und treffe Leute. Freunde, Bekannte von der Maus. Und sie sagen zueinander "Hey, das ist doch die Mutter von Maus!". Und folgendes Wort schreibe ich wirklich nur ungern. BÄMM. Wieder 10 Jahre drauf. Mindestens.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich werde schon so lange nicht mehr bei meinem Vornamen genannt, dass ich ihn selbst manchmal gar nicht mehr weiß. Der Mann sagt ihn auch selten bis nie, was mir immer dann auffällt, wenn er es doch einmal tut. Fremd klingt er dann und ein bisschen seltsam. Nein, er nennt mich auch nicht "Mutti", "Hasenpups" oder gar "Mamabär". Sonst wäre ich schnell wieder Frau Sowieso, geschiedene Dingsbums. Er sagt ihn einfach nur selten. Sehr selten. Aber vielleicht ist das ganz gut, dann nutzt er nicht so schnell ab.

Denn ich brauche ihn ja noch. Für die Zielgerade des Elends - wenn Maus und Mäuschen in die Pubertät kommen und es plötzlich cooler finden, mich beim Vornamen zu nennen.
Und ich weiß schon jetzt: Ich werde wohl nie älter sein, als ich mich dann fühlen werde.

Samstag, 24. August 2013

Einjahrbaby

Endlich komme ich dazu, auch hier den ersten Geburtstag meiner Zweitgeborenen noch nachträglich zu würdigen. Ich sprach ja schon an, dass ich mitbekomme, wie viele Mütter dem ersten Geburtstag ihrer Kinder mit Wehmut und Tränen entgegensehen und sich fragen, wo die Zeit geblieben ist - und das ich das so gar nicht verstehen kann.

Ein Jahr mit dem Mäuschen. Das erste Jahr. Vorbei.
Wobei das ja auch gar nicht stimmt. Der erste Moment mit ihr begann mit dem positiven Schwangerschaftstest. Vielleicht sogar mit den drei negativen aus den vergangenen Zyklen. Denn zumindest im Kopf lebte ich ja schon mit der Idee von ihr. Oder ihm. Drei Zyklen, in denen ich mit mir und der Vorstellung von einem zweiten Kind haderte. Denn ich muss an dieser Stelle zugeben, ich wollte gar nicht wirklich ein zweites Kind, ich wollte nur kein Einzelkind. Klingt merkwürdig, aber vielleicht kann die ein oder andere Leserin den Unterschied nachvollziehen. Drei Zyklen, in denen ich das volle Programm von vorgetäuschten Schwangerschaftsanzeichen und Vorahnungen und Erwarungen und Enttäuschungen und Erleichterungen durchmachte. Und dann war der vierte Zyklus angebrochen. Und ich schwor mir, wenn dieser Test wieder negativ sein würde, dann würde ich nicht mehr weitermachen. Dann würde das Schicksal mit sagen, nein, du bist eine Grummelmama und mit einem Kind voll ausgelastet. Und dann hielt ich den positiven Test in den Händen. Und in diesem Augenblick trat das Mäuschen in unser Leben. Keine Sekunde später.

Und auch die Schwangerschaft war nicht nur rosarot. Ich machte mir permanent die Gedanken einer Zweigebärenden...

Schaffe ich das. Schaffen WIR das. Kann ich ein zweites Kind ebenso lieben? Will ich das überhaupt? Wird das nicht die Große total überfordern, ihr nicht mehr gerecht werden? Was, wenn ich das Kind nicht leiden kann? Was, wenn ich die Große nicht mehr leiden kann? Was, wenn das Kind nicht gesund ist und ich keine Zeit mehr für die Große habe? Keine Zeit mehr für mich habe? Keine Zeit mehr für irgendwas habe? Keine Zeit mehr...

Diese und ähnlich dämliche Fragen und Sorgen quälten mich die ganze Schwangerschaft.
Und dann war sie da. Nach vier Stunden wehen purzelte sie einfach so in unser Leben. Und natürlich liebte ich sie. Und natürlich war alles gut.
Aber ich will eben auch nicht verschweigen, wie die ersten Wochen und Monate waren. Hart und anstrengend und kein Zuckerschlecken. Zumindest nicht für eine Grummelmama wie mich. Sich samt Stillproblemen, Hochsommerhitze, Wochenfluss und Co. zu viert zusammenzuraufen, war nicht einfach. Und in den ersten Tagen und Nächten weinte ich viel und war mir sicher, dass sich all das nie wieder normalisieren wird. Der Babyblues erwischte mich noch heftiger als letztes Mal. Zunächst.

Doch es normalisierte sich alles wieder. Schneller, als ich dachte. Aber diese Wochen werde ich nicht vergessen. Und wie gesagt eben auch nicht die Nächte, die Schmerzen, die Probleme, die Sorgen. Und genau deshalb freue ich mich, dass das Mäuschen nun ein Jahr alt ist, fast läuft, fast spricht und kein anfälliges und zartes Neugeborenes mehr ist. Sie ist dem winzigen Schreihals und Tragling entwachsen - und ich mit ihr. Auf mich warten jetzt andere Aufgaben. Erste Zahnlücken und Einschulungen, Wettrennen und Versteckspiele. Auf mich wartet kein Wochenfluss mehr, keine Dammnaht, kein Geburtsvorbereitungskurs. Es war schön, es war aufregend, es war besonders. Beide Male. Und jetzt ist es gut. Jetzt wollen wir nicht mehr erneut zusammenwachsen müssen, jetzt wollen wir zusammen groß werden.