Wie immer hört man als Schwangere und Mutter oft den Satz "Wart es nur ab, das wird noch schlimmer". Hätte ich für jedes einzelne Mal einen Euro bekommen, dann könnte ich mir mittlerweile einen ordentlichen Vorrat an Ohrenstöpseln davon leisten. Aber leider gibt es auf dieser Welt kein Geld für unnötige Aussagen und Tipps, es gibt sie sogar umsonst.
Natürlich hört man diesen Satz auch als Mutter einer fast 5- und einer 1 1/2-Jährigen ziemlich oft. Von der älteren Generation. Oder von Bekannten und Freunden, die schon ältere Kinder haben. Während man sich also gerade zum zweiten Mal darüber freuen möchte, dass man bald das Töpfchen-Thema angehen will und die lästige Zahnerei demnächst ein für alle Mal hinter sich hat, werden schon die ersten Stimmen darüber laut, was denn dann bald auf uns zukommen wird. Statt sich also über Keinwindel-Kinder und zahnungsfreies Leben zu freuen, werden einem die Einschulung und die nachfolgenden ersten Schuljahre in düsterstem Licht präsentiert. Während man sich freut, dass die Große vielleicht schon bald groß genug dafür ist, selbst zum Kindergarten zu laufen, sich schon selbstständig anziehen und fertigemachen kann, munkeln böse Zungen bereits von der immer früher einsetzenden Pubertät und deren fatalen Folgen.
Sowieso ist das, was man als Mutter zweier Mädels am allermeisten zu hören bekommt, das böse P-Wort. Die Pubertät von gleich zwei hormonverseuchten Mädchen im Abstand von 3 1/2 Jahren könnte, nein, WIRD das Grauen pur. Das Grauen galore.
Dabei stelle ich mir das alles noch ganz toll vor. Ich lasse an dieser Stelle mal einen Blick in das grummelsche Hirn zu. Viel Spaß dabei:
Das Mäuschen wird in ein paar Wochen alle Zähne haben, wieder bestens schlafen können und im Frühling, kaum dass die ersten wärmenden Sonnenstrahlen unseren Garten erreicht haben, perfekt auf Toilette gehen und sich anziehen können. Bis auf die Nachtschlafwindel werden wir also nie wieder Müffelwindeln wechseln oder zahnende Kinder trösten müssen. Natürlich übersteht das Mäuschen die bereits jetzt schon einsetzende Trotzphase schnell und ohne viele Probleme für Nerv und dessen Kostüm und sieht glücklich und zuckersüß seiner Kindergarten-Karriere entgegen. Die Maus wird in ein paar Wochen ihren ersten Wackelzahn haben, was sie aber natürlich nicht aus der Ruhe bringen wird, während sie sich in aller Ruhe auf die nächstes Jahr anstehende Einschulung freuen und das letzte Kindergartenjahr als Vorschulkind über die Bühne bringen kann. Der Mann und ich werden also in nicht allzu ferner Zukunft wieder zusammen ausgehen dürfen, weil die Kinder endlich (in meinem Hirn - in Wahrheit wären sie das schon lange gewesen) babysitterreif sind und kein armer Mensch unschlüssig vor einem heulenden Baby stehen muss, während wir irgendwo in der Stadt "Party" machen. (Memo an mich: vorher dringend Informationen darüber einholen, wie genau das eigentlich heutzutage funktioniert mit dem "Nachtleben" außerhalb der Wohnung!)
Wenn die Jahre dann ins Ländle gezogen sind, in dem wir mittlerweile eine größere und geräumigere Wohnung unser Eigen nennen, werden die beiden Mädels beide zur Schule gehen und mit Entspannung und großer Freude am Lernen gute Noten nach Hause bringen. Das Mäuschen in der Grund-, die Maus in der weiterführenden Schule (welche auch immer dies sein mag, ich will niemanden mit Erwartungen unter Druck setzen). Sicher wird die - Obacht! - Pubertät dann irgendwann einsetzen, doch die Maus, die ja zuerst in deren Genuß kommt, wird sich prächtig darunter entwickeln. Sie wird natürlich zickig, fängt mit Schminken und Styling an, "borgt" sich meine Klamotten und Eyeshadows, bekommt Pickel und Interesse an Jungs - doch mit kleinen und liebevollen Erziehungsmaßnahmen wie Handyverbot oder WLAN-Entzug wird sie immer lieb und brav in der Spur laufen. Das Mäuschen wird noch ein paar Jahre ohne die P verbringen, sich in der Zeit aber natürlich bestens mit seiner großen Schwester verstehen, die sie wie eine Art Mentorin einfühlsam und geschickt in die Jungendjahre einführen kann.
Ich selbst werde, auch dank meiner lieben und braven Töchter, in aller Ruhe den ein oder anderen Bestseller geschrieben und verkauft haben, der von der Gelassenheit der Pubertäts-Mütter handelt und wie man leicht und locker durch die Jugendjahre kommt. Ich kann meinen warmen, weichen Ledersessel unter meinem Bestsellerautorenhintern geradezu spüren!
So und nicht anders wird es laufen. Und ich möchte nichts und niemanden hören, der irgendetwas Gegenteiliges gehaupten oder sogar die Dreistigkeit besitzen will, über meine Zukunftsvorstellungen zu schmunzeln oder gar zu lachen! Denn ganz im Ernst: Was hilft es einem, wenn man vom ersten positiven Schwangerschaftstest an immer und immer wieder zu hören bekommt, dass man abwarten soll, weil alles noch schlimmer wird? Soll man sich gleich erschießen? Eine lebenslange Therapie beantragen? Die ganze Kinder-Sache einfach sein lassen? Ich frage mich ernsthaft, was diese Aussage eigentlich immer bewirken soll. Und warum ist dies scheinbar so wichtig für die Menschen, dass sie es immer und immer wieder aussprechen müssen? Ich finde, jeder soll seine eigenen Wünsche und Vorstellungen haben und selbst seine Erfahrungen sammeln dürfen. Niemandem mit kleinen Kindern hilft es, sich schon jetzt Horrorbilder von Zeiten auszumalen, die erst in einem Jahrzehnt auf einen einstürmen werden. Und niemandem hilft es doch auch eigentlich, diese Worte ausgesprochen zu haben.
Ich kämpfe für das Recht, mich JETZT um fiebernde Kleinkinder sorgen und mich über freche Vierjährige aufregen zu dürfen - und nicht alles locker nehmen zu müssen, nur weil das, was ich JETZT anstrengend finde, vielleicht in ein paar Jahren Pillepalle gewesen sein könnte!
Also hört auf mit eurem "Wart es nur ab", tauscht es einfach gegen "Wenn was ist, frag mich gern" oder "Alles wird gut, so schlimm ist es nicht" aus - und denkt daran, wie es euch damit gegangen ist, als ihr diese Worte hören musstet. Und dann nehmt ihr sie und packt sie in die Kiste, in der auch schon "Jetzt fängt der Ernst des Lebens an" steckt und schließt sie einfach ab. Ich und viele andere Mütter und Väter werden es euch von Herzen danken.
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Freitag, 7. Februar 2014
Wart es nur ab, das wird noch schlimmer!
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Montag, 9. Dezember 2013
Grummelgrinch
Gestern war also der zweite Advent. Advent, Advent, die Zeit, die rennt. Und ich wünschte, es wäre schon Januar und der ganze Weihnachtsspuk vorbei. Mit Ach und Krach habe ich es geschafft, den Adventskalender für die Maus zu basteln - die Ausführung für den Mäuschen-Kalender habe ich hingegen noch ein Jahr auf Eis gelegt. Mit Hängen und Würgen habe ich es geschafft, das kleine Tannenbäumchen vom Balkon ins Wohnzimmer zu stellen und mit der Maus ein paar Weihnachtsdinge daran zu klöppeln. Die Weihnachtsbeleuchtung am Fenster hängt noch von letztem Jahr. (Ich muss dazu sagen, dass ich zu faul war, sie abzuhängen, aber für den Frühling ein paar bunte Schmetterlinge daraufdekorierte habe. So, und jetzt schlagt mich.) Mit Ach und Weh habe ich auf die Sekunde genau den Adventskranz vom letzten Jahr aus dem Keller geholt, etwas abgestaubt und auf den Tisch gestellt, damit am ersten Advent denn auch pünktlich und total feierlich das erste Kerzchen brennen kann.
Die Vorweihnachtszeit. Zeit der Besinnlichkeit und Vorfreude, Feierlichkeit und Kerzenschein. Aber echt mal - ist das bei euch so? Traditionell ist die Vorweihnachtszeit die Zeit der grippalen Infekte, Mittelohrentzündungen und Panikeinkäufe. Und von allen Seiten wird man als Mutter unter Druck gesetzt. Die Werbung suggeriert mir permanent, ich hätte eigentlich schon ALLE Weihnachtsgeschenke kaufen müssen, schon Plätzchen gebacken haben und meine Wohnung schon vor Wochen in eine Happy-Weihnachts-Wonderland verwandeln sollen. Habe ich aber nicht. HABE ICH NICHT!
Als ich Kind war, war alles toll und spannend. Die Luft roch irgendwie ständig entweder nach Schnee, Zimtaroma oder Tannengrün. Draußen war es dunkel und magisch, in den Wohnungen meiner Eltern, Großeltern und Tanten und Onkels war alles geschmückt und gemütlich. Irgendwie war alles so, wie man es sich vorstellt. Ich liebte die Weihnachtsszeit.
Und als ich Erwachsen war freute ich mich schon darauf, meinen Kindern später einmal auch so eine tolle Zeit zu gestalten.
Worüber ich mir damals leider noch nicht im Klaren war, ist die Tatsache, dass ich Weihnachten gar nicht mehr leiden kann.Weihnachten und ich, wir stehen auf Kriegsfuß. Ich bin jedes Jahr weniger in Stimmung für all das. Seit ich die Kinder habe und sie langsam größer werden, dauert es immer länger, bis ich mich damit abfinden kann, dass bald der 24.12. sein wird - und jedes Jahr scheint es so zu sein, dass die Monate von Weihnachten bis Weihnachten schneller vorbeirasen. Jetzt sitze ich hier am Computer, die Sonne scheint in die mit kleinen Schmierfingerchen übersäten Scheiben des Wohnzimmers, das Thermometer zeigt 11°C an und die Wohnung sieht irgendwie nach allem aus, aber nicht nach Weihnachten. Es könnte auch April sein. Oder September. Ich habe es nicht einmal geschafft, meine Sommerschuhe gegen Winterschuhe zu tauschen auf dem Schuhregal vor der Haustür. Ein weiteres Anzeichen für die vorweihnachtliche und winterliche Grummelmamaverdrängung. Und doch... Und doch hängt mir jeden Tag das schlechte Gewissen im Nacken. Und beisst mich, kratzt mich und flüstert mir Dinge ins Ohr.
"Was bist du nur für eine Mutter?"
"Hättest du dir DAS für deine Kinder gewünscht damals?"
"Backe, schmücke, kaufe!"
"Last Christmas, I gave you my heart..."
Und jeden Tag wird mir panischer und übler zumute, die Blicke auf die Weihnachtsgeschenke-Liste, die noch überhaupt keine grünen Häkchen hat, werden hektischer - und das Gefühl, irgendwie auf ganzer Linie zu versagen, größer und mächtiger.
Mein großes Glück ist nur immer, dass wir die eigentlichen Weihnachtsfeiertage nicht bei uns zu Hause, sondern bei unseren Eltern verbringen und dass wenigstens dort alles irgendwie wie damals zu sein scheint. Wobei ich sagen muss, dass mir erst nach meinem Auszug aus dem elterlichen Nest aufgefallen ist, welche unfassbare Hektik am 24.12. Besitz von meiner Mutter ergeift. Schnibbeln, vorbereiten, vorkochen, planen, Einkäufe sortieren, gutes Geschirr raussuchen, Silber putzen - und alles begleitet von leisen Flüchen wie "Bin ich froh, wenn das vorbei ist!". Sollte ich das etwa nicht gestohlen haben? Sollte meine Mutter, die mir Jahr für Jahr wunderschöne und fantastische Weihnachten bereitete, gar nicht die vorweihnachtszeitliebende Christmas-Liebhaberin gewesen sein, für die ich sie in meinem kindlichen Leichtsinn hielt? Ist es vielleicht tatsächlich gar nicht wichtig, wie es in MIR aussieht, sondern nur das, was bei den Kindern ankommt? Vielleicht. Hoffentlich. Kinder sind bekanntlich Meister im Ausblenden und Phantasieren. Ich bin fast sicher, sie schaffen es, sich selbst genau das herauszufiltern, was sie für diese Zeiten brauchen. Und alles andere spielt sich für sie irgendwie nur hinter den erwachsenen Kulissen ab.
Denn so sehr ich diese bazillen- und virengeschwängerte Grauwetterzeit auch verabscheue, es täte mir doch in der Seele weh, wenn meine Kinder schon jetzt zu kleinen Grinches heranwachsen würden und nicht das erleben dürften, was ich selbst so liebte.
Und wenn wir am 24.12. dann hoffentlich in strahlende Kinderaugen blicken und uns entspannt zurücklehnen dürfen, wird vielleicht sogar mir ein bisschen feierlich ums Herz. Und dann nehme ich mir - wie jedes Jahr - vor, nächstes Jahr ein bisschen mehr Stimmung zu verbreiten. Die feierliche Stimmung meine ich. Memo an mich...
Die Vorweihnachtszeit. Zeit der Besinnlichkeit und Vorfreude, Feierlichkeit und Kerzenschein. Aber echt mal - ist das bei euch so? Traditionell ist die Vorweihnachtszeit die Zeit der grippalen Infekte, Mittelohrentzündungen und Panikeinkäufe. Und von allen Seiten wird man als Mutter unter Druck gesetzt. Die Werbung suggeriert mir permanent, ich hätte eigentlich schon ALLE Weihnachtsgeschenke kaufen müssen, schon Plätzchen gebacken haben und meine Wohnung schon vor Wochen in eine Happy-Weihnachts-Wonderland verwandeln sollen. Habe ich aber nicht. HABE ICH NICHT!
Als ich Kind war, war alles toll und spannend. Die Luft roch irgendwie ständig entweder nach Schnee, Zimtaroma oder Tannengrün. Draußen war es dunkel und magisch, in den Wohnungen meiner Eltern, Großeltern und Tanten und Onkels war alles geschmückt und gemütlich. Irgendwie war alles so, wie man es sich vorstellt. Ich liebte die Weihnachtsszeit.
Und als ich Erwachsen war freute ich mich schon darauf, meinen Kindern später einmal auch so eine tolle Zeit zu gestalten.
Worüber ich mir damals leider noch nicht im Klaren war, ist die Tatsache, dass ich Weihnachten gar nicht mehr leiden kann.Weihnachten und ich, wir stehen auf Kriegsfuß. Ich bin jedes Jahr weniger in Stimmung für all das. Seit ich die Kinder habe und sie langsam größer werden, dauert es immer länger, bis ich mich damit abfinden kann, dass bald der 24.12. sein wird - und jedes Jahr scheint es so zu sein, dass die Monate von Weihnachten bis Weihnachten schneller vorbeirasen. Jetzt sitze ich hier am Computer, die Sonne scheint in die mit kleinen Schmierfingerchen übersäten Scheiben des Wohnzimmers, das Thermometer zeigt 11°C an und die Wohnung sieht irgendwie nach allem aus, aber nicht nach Weihnachten. Es könnte auch April sein. Oder September. Ich habe es nicht einmal geschafft, meine Sommerschuhe gegen Winterschuhe zu tauschen auf dem Schuhregal vor der Haustür. Ein weiteres Anzeichen für die vorweihnachtliche und winterliche Grummelmamaverdrängung. Und doch... Und doch hängt mir jeden Tag das schlechte Gewissen im Nacken. Und beisst mich, kratzt mich und flüstert mir Dinge ins Ohr.
"Was bist du nur für eine Mutter?"
"Hättest du dir DAS für deine Kinder gewünscht damals?"
"Backe, schmücke, kaufe!"
"Last Christmas, I gave you my heart..."
Und jeden Tag wird mir panischer und übler zumute, die Blicke auf die Weihnachtsgeschenke-Liste, die noch überhaupt keine grünen Häkchen hat, werden hektischer - und das Gefühl, irgendwie auf ganzer Linie zu versagen, größer und mächtiger.
Mein großes Glück ist nur immer, dass wir die eigentlichen Weihnachtsfeiertage nicht bei uns zu Hause, sondern bei unseren Eltern verbringen und dass wenigstens dort alles irgendwie wie damals zu sein scheint. Wobei ich sagen muss, dass mir erst nach meinem Auszug aus dem elterlichen Nest aufgefallen ist, welche unfassbare Hektik am 24.12. Besitz von meiner Mutter ergeift. Schnibbeln, vorbereiten, vorkochen, planen, Einkäufe sortieren, gutes Geschirr raussuchen, Silber putzen - und alles begleitet von leisen Flüchen wie "Bin ich froh, wenn das vorbei ist!". Sollte ich das etwa nicht gestohlen haben? Sollte meine Mutter, die mir Jahr für Jahr wunderschöne und fantastische Weihnachten bereitete, gar nicht die vorweihnachtszeitliebende Christmas-Liebhaberin gewesen sein, für die ich sie in meinem kindlichen Leichtsinn hielt? Ist es vielleicht tatsächlich gar nicht wichtig, wie es in MIR aussieht, sondern nur das, was bei den Kindern ankommt? Vielleicht. Hoffentlich. Kinder sind bekanntlich Meister im Ausblenden und Phantasieren. Ich bin fast sicher, sie schaffen es, sich selbst genau das herauszufiltern, was sie für diese Zeiten brauchen. Und alles andere spielt sich für sie irgendwie nur hinter den erwachsenen Kulissen ab.
Denn so sehr ich diese bazillen- und virengeschwängerte Grauwetterzeit auch verabscheue, es täte mir doch in der Seele weh, wenn meine Kinder schon jetzt zu kleinen Grinches heranwachsen würden und nicht das erleben dürften, was ich selbst so liebte.
Und wenn wir am 24.12. dann hoffentlich in strahlende Kinderaugen blicken und uns entspannt zurücklehnen dürfen, wird vielleicht sogar mir ein bisschen feierlich ums Herz. Und dann nehme ich mir - wie jedes Jahr - vor, nächstes Jahr ein bisschen mehr Stimmung zu verbreiten. Die feierliche Stimmung meine ich. Memo an mich...
Mittwoch, 13. November 2013
Mama Nervpiens: Unterarten
Während ich mal wieder in den Genuss einer Eingewöhnung gekommen bin und Stunde um Stunde auf meinem kleinen Stühlchen in der Ecke verbringem durfte, schweigend und beobachtend wie einst die Supernanny in der ersten Phase, konnte ich einige seltene Exemplare der Gattung Mama Nervpiens in ihrem natürlichen Umfeld studieren. In ihrem Kitajungesabgabeumfeld fühlen sich die sonst eher scheuen Wesen sehr wohl und präsentieren sich in ihren schönsten Farben und für ihre Art typischen Kindbringritualen:
1. Die HappyMom.
Besondere Merkmale: Breites, übertriebenes Grinsen; viel zu hohe, gewollt niedliche Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe ihrer Jungen an der Kitatür: Begrüßt mit einem unfassbaren Grisen alle anwesenden Kinder mit Namen und einem nicht enden wollenden "Hallooooooooooooooooooooooooooooooo", fragt jedes Kind (und sei es auch noch so klein und nicht antwortfähig) "Naaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, duuuuuuuuuuuuuuuuuuuu?", knutscht ihr Junges vor versammelter Mannschaft ordentlich ab und verabschiedet sich dann mit dem aufgeregten Ruf "Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!" von allen.
2. Die MussWegMom
Besondere Merkmale: Hektischer Gesichtsausdruck; flüchtige, drängende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Schiebt ihr Junges mit einem unsanften, aber bestimmten Schups in den Kitaraum, stößt einen kurzen Ruf aus, der etwa wie ein "Tschüssbisspäta" klingt und verschwindet sogleich wieder aus dem Umfeld der Kinder. Ihr eigenes Junges bleibt meist etwas ratlos und bedröppelt im Raum zurück und braucht etwas länger, um sich in den Spielalltag einzufinden.
3. Die FreizeitMom
Besondere Merkmale: Entspannter Gesichtsaudruck; plaudernde, fast zwitschernde Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Streift sich vorm Abgaberitual die eigenen Schuhe ab und wirft ihr emotionales Netz aus, um eine Erzieherin zu fangen. Gelingt ihr ein solcher Fang, wird dieser ohne Rücksicht auf andere Verpflichtungen mit langweiligen Geschichten des eigenen Jungen gelähmt, bis die Erzieherin sich von selbst aus dem Netz befreien und ohne Augenkontakt zu halten in einen anderen Raum entkommen kann. Das Junge dieser Art von Mom ist übrigens meist direkt nach dem Eintreten in den Raum in einer Spielecke verschwunden.
4. Die SchlechtesGewissenMom
Besondere Merkmale: Dackelblick, sehr leidend; nölende, depressive Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Klammert sich am eigenen Jungen fest und drück und herzt es immer wieder. Das Junge, soweit schon eingewöhnt, versucht sich meist erfolglos vom Momtier zu befreien und muss weitere Küsse, Drücker und Schlechtesgewissenumarmungen erdulden, bis es von einer aufmerksamen Erzieherin erlöst wird. Die Art von Mom muss meist von einer Erzieherin getröstet und mit den tollen Spielvorhaben für ihr Junges aufgemuntert werden, woraufhin sie von ihren dringenden Erledigungen erzählen darf. Das Loswerden dieser Art ist ähnlich schwer wie das der FreizeitMom.
5. Die EasyMom
Besondere Merkmale: Cooler Gesichtsausdruck; ruhige, aber bestimmte Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Begleitet das Junge noch in den Raum, tauscht kurz wichtige Infos mit der Erzieherin aus und verschwindet dann unauffällig und dem Jungen von weitem winkend wieder aus dem Raum. Diese Art Mom ist die bei Erzieherinnen beliebteste Sorte. In Kindergärten überwiegt diese Art, in Kleinkindergruppen ist sie jedoch nicht häufig anzutreffen.
6. Die HilflosMom
Besondere Merkmale: Panischer, angsterfüllter Gesichtsausdruck; zitternde, fragende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Abgabe des Jungen ohne Unterstützung und gutes Zureden seitens der Erzieherin nicht möglich. Eine sehr unsichere Art, die diese Unsicherheit gerne unbewusst auf das Junge überträgt, welches dann schnell in panische Heulanfälle verfällt, was die Abgabesituation oft eskalieren lässt. Es ist bis heute nicht ganz geklärt, ob an diesem Verhalten hauptsächlich die Mom oder das Junge Schuld ist. Es wird vermutet, dass die Trennung nicht ganz vollzogen und akzeptiert wurde.
Zu welcher Art gehört ihr? Ich selbst springe gerne durch die verschiedenen Abgabemöglichkeiten, je nach Lust und Laune. Jedoch habe ich noch nie Nr. 1 ausprobiert - und habe es auch nicht vor!
Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
1. Die HappyMom.
Besondere Merkmale: Breites, übertriebenes Grinsen; viel zu hohe, gewollt niedliche Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe ihrer Jungen an der Kitatür: Begrüßt mit einem unfassbaren Grisen alle anwesenden Kinder mit Namen und einem nicht enden wollenden "Hallooooooooooooooooooooooooooooooo", fragt jedes Kind (und sei es auch noch so klein und nicht antwortfähig) "Naaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, duuuuuuuuuuuuuuuuuuuu?", knutscht ihr Junges vor versammelter Mannschaft ordentlich ab und verabschiedet sich dann mit dem aufgeregten Ruf "Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!" von allen.
2. Die MussWegMom
Besondere Merkmale: Hektischer Gesichtsausdruck; flüchtige, drängende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Schiebt ihr Junges mit einem unsanften, aber bestimmten Schups in den Kitaraum, stößt einen kurzen Ruf aus, der etwa wie ein "Tschüssbisspäta" klingt und verschwindet sogleich wieder aus dem Umfeld der Kinder. Ihr eigenes Junges bleibt meist etwas ratlos und bedröppelt im Raum zurück und braucht etwas länger, um sich in den Spielalltag einzufinden.
3. Die FreizeitMom
Besondere Merkmale: Entspannter Gesichtsaudruck; plaudernde, fast zwitschernde Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Streift sich vorm Abgaberitual die eigenen Schuhe ab und wirft ihr emotionales Netz aus, um eine Erzieherin zu fangen. Gelingt ihr ein solcher Fang, wird dieser ohne Rücksicht auf andere Verpflichtungen mit langweiligen Geschichten des eigenen Jungen gelähmt, bis die Erzieherin sich von selbst aus dem Netz befreien und ohne Augenkontakt zu halten in einen anderen Raum entkommen kann. Das Junge dieser Art von Mom ist übrigens meist direkt nach dem Eintreten in den Raum in einer Spielecke verschwunden.
4. Die SchlechtesGewissenMom
Besondere Merkmale: Dackelblick, sehr leidend; nölende, depressive Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Klammert sich am eigenen Jungen fest und drück und herzt es immer wieder. Das Junge, soweit schon eingewöhnt, versucht sich meist erfolglos vom Momtier zu befreien und muss weitere Küsse, Drücker und Schlechtesgewissenumarmungen erdulden, bis es von einer aufmerksamen Erzieherin erlöst wird. Die Art von Mom muss meist von einer Erzieherin getröstet und mit den tollen Spielvorhaben für ihr Junges aufgemuntert werden, woraufhin sie von ihren dringenden Erledigungen erzählen darf. Das Loswerden dieser Art ist ähnlich schwer wie das der FreizeitMom.
5. Die EasyMom
Besondere Merkmale: Cooler Gesichtsausdruck; ruhige, aber bestimmte Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Begleitet das Junge noch in den Raum, tauscht kurz wichtige Infos mit der Erzieherin aus und verschwindet dann unauffällig und dem Jungen von weitem winkend wieder aus dem Raum. Diese Art Mom ist die bei Erzieherinnen beliebteste Sorte. In Kindergärten überwiegt diese Art, in Kleinkindergruppen ist sie jedoch nicht häufig anzutreffen.
6. Die HilflosMom
Besondere Merkmale: Panischer, angsterfüllter Gesichtsausdruck; zitternde, fragende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Abgabe des Jungen ohne Unterstützung und gutes Zureden seitens der Erzieherin nicht möglich. Eine sehr unsichere Art, die diese Unsicherheit gerne unbewusst auf das Junge überträgt, welches dann schnell in panische Heulanfälle verfällt, was die Abgabesituation oft eskalieren lässt. Es ist bis heute nicht ganz geklärt, ob an diesem Verhalten hauptsächlich die Mom oder das Junge Schuld ist. Es wird vermutet, dass die Trennung nicht ganz vollzogen und akzeptiert wurde.
Zu welcher Art gehört ihr? Ich selbst springe gerne durch die verschiedenen Abgabemöglichkeiten, je nach Lust und Laune. Jedoch habe ich noch nie Nr. 1 ausprobiert - und habe es auch nicht vor!
Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Freitag, 8. November 2013
Pssst, Weltspartag!
Man sagt ja immer, Deutschland wäre ein sehr kinderfeindliches Land. Kindergarten-Bauvorhaben werden durch Klagen gestoppt, überall stehen die berühmten "Rasenfläche betreten verboten" - Schilder, richtige Kinderecken sind Raritäten in Restaurants oder öffentlichen Gebäuden, normal sind eher Kistchen mit abgeranzten Büchern oder Spielen, um das schlechte Gewissen zu beruhigen oder ein Häkchen hinter einen imaginären "to do" - Punkt zu machen. Aber wer macht dieses Land zum vermeintlichen Kindermuffelland?
Wir spazierten am Weltspartag mit Maus und Mäuschen zur örtlichen Sparkasse, um das Geschenk für die Maus abzugreifen und ihre schwarze Plastiksau schlachten und daraus ein Sparbuch machen zu lassen. Zunächst war auch alles noch ganz schön. Das Mäuschen sah auf Papas Arm putzig aus, die Maus suchte sich mit leuchtenden Augen ein Playmobil Spielzeug aus und wartete, während die Bankangestellte das armselige Kleingeld des Schweines durch den Zählautomaten jagte. Dann kam ein anderer Angestellter, der uns in einen seperaten Kundenraum brachte, um die Sparbuchangelegenheit zu klären. Dazu bräuchte er einen Kinderausweis oder das Stammbuch. Blöd. Daran hatten wir natürlich nicht gedacht. Der Mann erklärte sich dazu bereit, schnell nach Hause zu flitzen (etwa 3 Gehminuten) um es zu suchen. Entgeistert machte ich meinem tiefen Wunsch Luft, er möge das noch niedliche Mäuschen bitte beim Flitzen mitnehmen. Der Wunsch wurde mir noch erfüllt. Bis dahin alles prima.Warum ich das erzähle? Wartet, kommt gleich.
Ich saß also auf dem geschäftlichen Wippstuhl im seperaten Kundenraum, der Bankangestellte saß hinter seinem Schreibtisch und wir übergrinsten hüstelnd und schulterzuckend die unangenehme Stille im Raum. Die Maus betrachtete still und ruhig ihr Geschenk und kapierte so gar nicht, warum wir eigentlich noch hier rumhingen. Und dann... Dann wurde ihr langweilig. Und mein sonst so altkluges und großes Kind fing plötzlich an, sich wie ein Kleinstkind zu verhalten. Krabbelte durch den Raum, aus dem Raum, unter den Schreibtisch des wartenden Bankkerls, schlug ihren Sparkassen-Luftballon überall dagegen, kicherte wie eine Irre und redete dabei mit mir wie eine Zweijährige, was mich echt zur Weißglut treibt. Das schlimme an so einer Bank ist ja, dass es so ruhig ist! Unglaublich ruhig! Ist man als Doppelmutter überhaupt nicht mehr gewöhnt, so ein stiller Ort mit stillen Menschen, die stille Dinge still erledigen! Und wegen ebendieser Stille traute ich mich auch nicht, die Maus mit mehr als zischenden Mama-ist-stinkig-Lauten zu beschießen oder böse Blicke zu versenden. Normal reicht das auch aus, doch in dieser Stille sah meine Maus wohl die Chance, mal so richtig auf die Kacke zu hauen und machte einfach weiter. Nun gallopierte sie quiekend durch die Bank, die Angestellten lächelten gezwungen und mir bracht der Schweiß in Sturzbächen aus. Nach gefühlten Stunden war der Mann noch immer nicht da und mir taten schon die Schultern vom vielen Zucken weh und ich fragte unseren Bankkerl hoffnungsvoll, ob er nicht noch etwas anderes zu tun hätte (als saublöd vor mir zu sitzen und mich mitleidig anzusehen). Nein. Hätte er nicht. Keine Sorge. Prachtvoll.
Nach unfassbar vielen gefühlten Stunden, also 5 Minuten später, kam dann doch der Mann mit dem Stammbuch angetrabt. Der Bankkerl freute sich mindestens so wie ich darüber und durfte sich endlich ans Werk machen. Doch auch das dauerte wieder. Die Maus, durch die Anwesehnheit des Papas etwas zur Ruhe gebracht, langweilte sich mittlerweile wirklich sehr und auch das Mäuschen hatte keine Lust mehr, niedlich auf Papas Arm auszusehen und beschloss, lieber nörgelnd und nölend von Papas Arm zu wollen. Um uns herum immer noch Bankstille. Irgendwann hatten wir dann irgendwie alles erledigt, haben jetzt irgendein Sparbuch zu irgendwelchen Konditionen mit irgendeinem Betrag darauf - und konnten endlich die Bank verlassen.
Und die Moral von der Geschicht?
1) Das Bankgeheimnis wäre gelüftet, das stille Örtchen ist gar nicht die Toilette!
2) Ob Deutschland wirklich kinderfeindlich ist, weiß ich nicht - aber alleine das Gerücht machte mich zur Mittäterin, denn ob all das, was das Mäuschen in der Bank anstellte, nun wirklich so schlimm gewesen wäre, wären wir eben NICHT in einer Bank gewesen, wage ich zu bezweifeln.
3) Seriöse Erledigungen wie Bankgeschäfte sind KEINE Kinderbespaßungen, auch nicht am Weltspartag.
Ich lerne aus solchen Ereignissen eigentlich immer, dass wir hier in Deutschland viel zu unentspannt mit allem umgehen. In anderen Ländern ist es vollkommen normal und sogar mehr als freudig geduldet, dass überall Kinderlachen und Gekicher ertönt - auch an Orten, an denen das normal gar nicht der Fall ist (oder vielleicht sogar BESONDERS an solchen Orten). Kinder dürfen toben, laut sein, sich freuen, lachen, hüpfen und springen - und uns unentspannten deutschen Eltern sollte das eigentlich weder peinlich sein noch Schweißsturzbäche hervorrufen. Aber irgendwie kann ich das nicht. Noch nicht. Aber ich versuche ehrlich, daran zu arbeiten. Und wenn wir alle, Eltern, Bankkerle, Kassiererinnen, Leute in Wartezimmern oder Menschenschlangen, Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln, speisende Menschen in Restaurants oder ruheliebende und unbekinderte Nachbarn zusammen daran arbeiten, dann werden wir vielleicht bald auch ein Land, in dem Kinderlachen den Alltag dominiert und nicht das ewige "Psssssssst" von unnötig gestressten Grummelmüttern wie mir. Wäre doch irgendwie schön, oder?
Wir spazierten am Weltspartag mit Maus und Mäuschen zur örtlichen Sparkasse, um das Geschenk für die Maus abzugreifen und ihre schwarze Plastiksau schlachten und daraus ein Sparbuch machen zu lassen. Zunächst war auch alles noch ganz schön. Das Mäuschen sah auf Papas Arm putzig aus, die Maus suchte sich mit leuchtenden Augen ein Playmobil Spielzeug aus und wartete, während die Bankangestellte das armselige Kleingeld des Schweines durch den Zählautomaten jagte. Dann kam ein anderer Angestellter, der uns in einen seperaten Kundenraum brachte, um die Sparbuchangelegenheit zu klären. Dazu bräuchte er einen Kinderausweis oder das Stammbuch. Blöd. Daran hatten wir natürlich nicht gedacht. Der Mann erklärte sich dazu bereit, schnell nach Hause zu flitzen (etwa 3 Gehminuten) um es zu suchen. Entgeistert machte ich meinem tiefen Wunsch Luft, er möge das noch niedliche Mäuschen bitte beim Flitzen mitnehmen. Der Wunsch wurde mir noch erfüllt. Bis dahin alles prima.Warum ich das erzähle? Wartet, kommt gleich.
Ich saß also auf dem geschäftlichen Wippstuhl im seperaten Kundenraum, der Bankangestellte saß hinter seinem Schreibtisch und wir übergrinsten hüstelnd und schulterzuckend die unangenehme Stille im Raum. Die Maus betrachtete still und ruhig ihr Geschenk und kapierte so gar nicht, warum wir eigentlich noch hier rumhingen. Und dann... Dann wurde ihr langweilig. Und mein sonst so altkluges und großes Kind fing plötzlich an, sich wie ein Kleinstkind zu verhalten. Krabbelte durch den Raum, aus dem Raum, unter den Schreibtisch des wartenden Bankkerls, schlug ihren Sparkassen-Luftballon überall dagegen, kicherte wie eine Irre und redete dabei mit mir wie eine Zweijährige, was mich echt zur Weißglut treibt. Das schlimme an so einer Bank ist ja, dass es so ruhig ist! Unglaublich ruhig! Ist man als Doppelmutter überhaupt nicht mehr gewöhnt, so ein stiller Ort mit stillen Menschen, die stille Dinge still erledigen! Und wegen ebendieser Stille traute ich mich auch nicht, die Maus mit mehr als zischenden Mama-ist-stinkig-Lauten zu beschießen oder böse Blicke zu versenden. Normal reicht das auch aus, doch in dieser Stille sah meine Maus wohl die Chance, mal so richtig auf die Kacke zu hauen und machte einfach weiter. Nun gallopierte sie quiekend durch die Bank, die Angestellten lächelten gezwungen und mir bracht der Schweiß in Sturzbächen aus. Nach gefühlten Stunden war der Mann noch immer nicht da und mir taten schon die Schultern vom vielen Zucken weh und ich fragte unseren Bankkerl hoffnungsvoll, ob er nicht noch etwas anderes zu tun hätte (als saublöd vor mir zu sitzen und mich mitleidig anzusehen). Nein. Hätte er nicht. Keine Sorge. Prachtvoll.
Nach unfassbar vielen gefühlten Stunden, also 5 Minuten später, kam dann doch der Mann mit dem Stammbuch angetrabt. Der Bankkerl freute sich mindestens so wie ich darüber und durfte sich endlich ans Werk machen. Doch auch das dauerte wieder. Die Maus, durch die Anwesehnheit des Papas etwas zur Ruhe gebracht, langweilte sich mittlerweile wirklich sehr und auch das Mäuschen hatte keine Lust mehr, niedlich auf Papas Arm auszusehen und beschloss, lieber nörgelnd und nölend von Papas Arm zu wollen. Um uns herum immer noch Bankstille. Irgendwann hatten wir dann irgendwie alles erledigt, haben jetzt irgendein Sparbuch zu irgendwelchen Konditionen mit irgendeinem Betrag darauf - und konnten endlich die Bank verlassen.
Und die Moral von der Geschicht?
1) Das Bankgeheimnis wäre gelüftet, das stille Örtchen ist gar nicht die Toilette!
2) Ob Deutschland wirklich kinderfeindlich ist, weiß ich nicht - aber alleine das Gerücht machte mich zur Mittäterin, denn ob all das, was das Mäuschen in der Bank anstellte, nun wirklich so schlimm gewesen wäre, wären wir eben NICHT in einer Bank gewesen, wage ich zu bezweifeln.
3) Seriöse Erledigungen wie Bankgeschäfte sind KEINE Kinderbespaßungen, auch nicht am Weltspartag.
Ich lerne aus solchen Ereignissen eigentlich immer, dass wir hier in Deutschland viel zu unentspannt mit allem umgehen. In anderen Ländern ist es vollkommen normal und sogar mehr als freudig geduldet, dass überall Kinderlachen und Gekicher ertönt - auch an Orten, an denen das normal gar nicht der Fall ist (oder vielleicht sogar BESONDERS an solchen Orten). Kinder dürfen toben, laut sein, sich freuen, lachen, hüpfen und springen - und uns unentspannten deutschen Eltern sollte das eigentlich weder peinlich sein noch Schweißsturzbäche hervorrufen. Aber irgendwie kann ich das nicht. Noch nicht. Aber ich versuche ehrlich, daran zu arbeiten. Und wenn wir alle, Eltern, Bankkerle, Kassiererinnen, Leute in Wartezimmern oder Menschenschlangen, Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln, speisende Menschen in Restaurants oder ruheliebende und unbekinderte Nachbarn zusammen daran arbeiten, dann werden wir vielleicht bald auch ein Land, in dem Kinderlachen den Alltag dominiert und nicht das ewige "Psssssssst" von unnötig gestressten Grummelmüttern wie mir. Wäre doch irgendwie schön, oder?
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Mittwoch, 7. August 2013
Erziehung?
Vor ein paar Tagen habe ich mich mit der Maus mal wieder ins Freibad getraut, immer im Stillen hoffend, dass dieser Besuch der Letzte für diesen Sommer sei. Im Grunde war zu Anfang auch alles okay. Es war nicht zu voll, nicht zu warm, nicht zu laut. Mann und Mäuschen haben wir kurzerhand zu Hause gelassen, um das Stresspotential zu minimieren und so konnte ich einfach das tun, was ich dort immer tue:
besonnenbrillt und mit der Aufmerksamkeit eines Erdmännchenweibchens auf einer Bank am Rand des Kinderbereichs sitzen und mit Tunnelblick die Maus im Auge behalten. Es war allerdings nicht so ein Kindereintopf im Becken wie sonst, so dass Zeit blieb, mir auch die fremde Brut etwas zu betrachten. Wie immer gab es die Spielsachenmopser, die übertriebenen Wasserpistolisten, die niedlichen aufgerüschten Badenixen, die schüchternen Sitzerchen und die sehr lauten Planschegeister. Zu laut. Maus gehört dazu.
Doch an diesem Tag stach ein Kind besonders aus dem Tumult heraus: Ein etwa 9jähriger Junge, offentsichtlich mit Down Syndrom, spielte im Babybecken mit einem Eimer. Soweit die Fakten, die die meisten Eltern registrierten. Dann die Fakten, die die meisten Eltern als nächstes präsentiert bekamen: Der Junge rastete plötzlich komplett aus und fing an, die kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Jungs um ihn herum wirklich ziemlich brutal zu schlagen - bis sein (auch noch) dunkelhäutiger Vater entsetzt ins Becken rannte und ihn von den anderen trennte. "Wie kann man mit so einem Kind nur in ein Schwimmbad gehen?". "Die sind doch alle so brutal, ganz schlimm". "Warum war der Vater nicht direkt bei ihm, war ja klar, dass das nicht gut geht!" - solche und noch uncharmantere Sätze brummelten die Mütter um mich herum ihren Erdmännchenweibchennachbarinnen zu.
Und ich hätte gerne gekotzt. Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber das ist etwas, was mich einfach unfassbar krankärgert. Denn das, was zwischen Fakt 1 und Fakt 2 passiert ist, ist scheinbar niemandem außer mir aufgefallen: Die kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Jungs, auf die der Down-Junge losgegangen war, hatten ihn die ganze Zeit geärgert, mit Wasser bespritzt und beschossen und ihm Dinge zugerufen, die ich nicht verstehen konnte. Und er ließ sich diese Behandlung auch wirklich eine Weile gefallen, doch dann wurde es ihm einfach zu viel, er fühlte sich sichtlich bedrängt und sah rot. Was ich komplett verstehen kann. Und dann war er den Kindern körperlich überlegen, eben weil er ein paar Jahre älter als sie zu sein schien.
Leider war der Papa mit seinem Sohn weggestürmt, bevor ich die Sachlage aufklären konnte, was ich wirklich gerne getan hätte - und noch jetzt ärgere ich mich, dass ich nicht einfach eingegriffen und die Jungs zum Aufhören ermahnt habe, aber sich in solche Dinge einzumischen wird einfach nicht gerne gesehen am Muddipasstnuraufihrblagaufbecken. Und ich frag mich nun nicht, wie man mit so einem Kind nur in ein Schwimmbad gehen kann oder denke, dass "die" doch alle so brutal sind oder warum sein Papa nicht direkt bei ihm war, weil er sich doch hätte denken können, dass das nicht gut geht - ich frage mich völlig sprachlos, wo denn die Eltern der Jungs waren, die in aller Seelenruhe einen Jungen piesacken und ärgern konnten, ohne dass ihnen Mutter oder Vater klarmachen, dass sowas einfach aller unterste Schublade ist?
So läuft es so oft. Und hier versagt die Erziehung total. Und genau aus solchen Gründen wird es nie ein richtiges und respektvolles Miteinander geben können. DAS gehört für mich eben zu einer guten Erziehung dazu. Hier hat ganz klar die Gesellschaft versagt. Nicht der Papa des Jungen, der einfach nur einen schönen, vielleicht letzten Hochsommertag für dieses Jahr haben wollte. Kinder wissen es vielleicht noch nicht besser, aber die Reaktionen der Frauen um mich herum zeigen leider deutlich, welcher Art die Aufklärung sein wird, die sie ihren Kindern zukommen lassen werden.
Leute, denkt doch einfach mal nach, bevor ihr so, entschuldigt, bescheuert seid und die schlimmsten Vorurteile, die es gibt, auch noch an eure Kinder weiterreicht. Danke.
besonnenbrillt und mit der Aufmerksamkeit eines Erdmännchenweibchens auf einer Bank am Rand des Kinderbereichs sitzen und mit Tunnelblick die Maus im Auge behalten. Es war allerdings nicht so ein Kindereintopf im Becken wie sonst, so dass Zeit blieb, mir auch die fremde Brut etwas zu betrachten. Wie immer gab es die Spielsachenmopser, die übertriebenen Wasserpistolisten, die niedlichen aufgerüschten Badenixen, die schüchternen Sitzerchen und die sehr lauten Planschegeister. Zu laut. Maus gehört dazu.
Doch an diesem Tag stach ein Kind besonders aus dem Tumult heraus: Ein etwa 9jähriger Junge, offentsichtlich mit Down Syndrom, spielte im Babybecken mit einem Eimer. Soweit die Fakten, die die meisten Eltern registrierten. Dann die Fakten, die die meisten Eltern als nächstes präsentiert bekamen: Der Junge rastete plötzlich komplett aus und fing an, die kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Jungs um ihn herum wirklich ziemlich brutal zu schlagen - bis sein (auch noch) dunkelhäutiger Vater entsetzt ins Becken rannte und ihn von den anderen trennte. "Wie kann man mit so einem Kind nur in ein Schwimmbad gehen?". "Die sind doch alle so brutal, ganz schlimm". "Warum war der Vater nicht direkt bei ihm, war ja klar, dass das nicht gut geht!" - solche und noch uncharmantere Sätze brummelten die Mütter um mich herum ihren Erdmännchenweibchennachbarinnen zu.
Und ich hätte gerne gekotzt. Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber das ist etwas, was mich einfach unfassbar krankärgert. Denn das, was zwischen Fakt 1 und Fakt 2 passiert ist, ist scheinbar niemandem außer mir aufgefallen: Die kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Jungs, auf die der Down-Junge losgegangen war, hatten ihn die ganze Zeit geärgert, mit Wasser bespritzt und beschossen und ihm Dinge zugerufen, die ich nicht verstehen konnte. Und er ließ sich diese Behandlung auch wirklich eine Weile gefallen, doch dann wurde es ihm einfach zu viel, er fühlte sich sichtlich bedrängt und sah rot. Was ich komplett verstehen kann. Und dann war er den Kindern körperlich überlegen, eben weil er ein paar Jahre älter als sie zu sein schien.
Leider war der Papa mit seinem Sohn weggestürmt, bevor ich die Sachlage aufklären konnte, was ich wirklich gerne getan hätte - und noch jetzt ärgere ich mich, dass ich nicht einfach eingegriffen und die Jungs zum Aufhören ermahnt habe, aber sich in solche Dinge einzumischen wird einfach nicht gerne gesehen am Muddipasstnuraufihrblagaufbecken. Und ich frag mich nun nicht, wie man mit so einem Kind nur in ein Schwimmbad gehen kann oder denke, dass "die" doch alle so brutal sind oder warum sein Papa nicht direkt bei ihm war, weil er sich doch hätte denken können, dass das nicht gut geht - ich frage mich völlig sprachlos, wo denn die Eltern der Jungs waren, die in aller Seelenruhe einen Jungen piesacken und ärgern konnten, ohne dass ihnen Mutter oder Vater klarmachen, dass sowas einfach aller unterste Schublade ist?
So läuft es so oft. Und hier versagt die Erziehung total. Und genau aus solchen Gründen wird es nie ein richtiges und respektvolles Miteinander geben können. DAS gehört für mich eben zu einer guten Erziehung dazu. Hier hat ganz klar die Gesellschaft versagt. Nicht der Papa des Jungen, der einfach nur einen schönen, vielleicht letzten Hochsommertag für dieses Jahr haben wollte. Kinder wissen es vielleicht noch nicht besser, aber die Reaktionen der Frauen um mich herum zeigen leider deutlich, welcher Art die Aufklärung sein wird, die sie ihren Kindern zukommen lassen werden.
Leute, denkt doch einfach mal nach, bevor ihr so, entschuldigt, bescheuert seid und die schlimmsten Vorurteile, die es gibt, auch noch an eure Kinder weiterreicht. Danke.
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