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Mittwoch, 22. Januar 2014

Gastgrummler (1): Herzmutter

Schon länger denke ich darüber nach, eine Gastblogger-Serie hier zu starten, da ich in den letzten Wochen und Monaten wirklich so viele tolle BloggerInnen kennenlernen durfte. Die Ehre der ersten Gastgrummlerin gebührt der lieben Janina mit ihrem Blog Herzmutter: Sie ist ehrlich, offen, beschönigt nichts und bringt die Dinge einfach auf den Punkt. Ich würde sagen, kaum ein Blog passt so gut zu mir, meinem Blog und meinen drei Hs (Herz, Hirn, Humor) wie dieser. Und ihr Beitrag bringt genau das bestens zum Ausdruck, vielen Dank! - Falls einer oder eine von euch auch Lust hat, einen Beitrag hier zu schreiben, der möge mich via Twitter, Facebook oder Email einfach anhauen! Danke ;)

Hier ist er also, der erste Gastbeitrag von Janina:

Ode an die Grummelmama


Liebe Grummelmama – oder sollte ich schreiben: mein zukünftiges Ich? Zwar kenne ich dich nicht persönlich, aber ich lese schon lange bei dir mit und wollte mich bei dir bedanken – nicht nur dafür, den ersten Gastartikel schreiben zu dürfen, sondern auch, weil du mir einen Blick in die Zukunft schenkst.

Natürlich weiß ich nicht, ob und wann ich das zweite Kind bekommen werde (nicht, dass es gerade danach aussieht, drei rote Kreuze im Kalender) aber du hast es ja nun schon seit vier Jahren gewuppt bekommen, Mama zu sein und gleichzeitig deine einzigartige Grummeligkeit zu bewahren 
– und das ist meiner Meinung nach eine absolut bewundernswerte Eigenschaft!

Mama werden, gleichgeschaltet sein?


Ja da haben wir es wieder, das alte Leid. Man wird Mama und damit stürzen nicht nur Myriaden von Hormonen auf einen ein, sondern auch gesellschaftliche Erwartungen und Anforderungen. Jeder erwartet etwas von einem, nicht zuletzt sondern mit großem Nachdruck die Familie. Jetzt gehört man „dazu“ zu den Erwachsenen, egal wie alt und beruflich erfahren man vorher war, man hatte trotzdem noch irgendwie den Kinderstatus. 
Irgendwie kotzt mich das an – klar, es ist echt ne Leistung, die Schwangerschaft zu überstehen (und dabei nicht zu den nervtötenden „Mir fällt alles ach so leicht und Schwangerschaft ist keine Krankheit – Tussen“ zu gehören) und das Kind auf die Welt zu bringen (wem sag ich das), aber die eigentliche Arbeit fängt doch dann erst an... als ob das die wahre Schwelle ins Reich der ultimativen Langeweile und des Erwachsenendaseins wäre. Als ob man da nicht auch so hingekommen sein könnte.

How to stay Grummelmama


Ich muss gestehen, ich habe bestimmt fast ein Jahr gebraucht, um wieder sagen zu können, ich fühle mich wie ich selbst. Aber damit ist es ja noch lange nicht überstanden – man muss den Spagat schaffen zwischen Vorbild und Erzieherin (och nöö!) und irgendwo noch die ursprüngliche Persönlichkeit bewahren. 
Ich hoffe du beschimpfst mich jetzt nicht als Jammerfrau! Dann bin ich eben eine. Nä nä nänä nä! Du jedenfalls machst mir Mut und das nicht nur aufgrund deiner Grummeligkeit – dass man auch nach einigen Jahren im Mamabusiness noch man selbst sein kann und sich nicht den Konventionen der Gesellschaft oder des Mama Blogoversums beugen muss, um Erfolg zu haben. 

Seien wir erfrischend anders und machen es einfach so, wie wir es schon immer gemacht haben: the grummel way of life!

Liebste Grüße, deine Janina

Montag, 23. Dezember 2013

Von Läusen und Menschen

 Zugegeben, der Titel dieses Posts ist nicht eben kreativ und sicherlich nicht zum ersten Mal genutzt worden. Aber nach den letzten Wochen schwirren in meinem Hirn nicht mehr viele kreative Ideen herum, sondern eher nur noch blöde Wortspiele auf Laus oder Bronchitis, Selbstmitleid oder Nervenzusammenbrüchlein.
Und auch, wenn ich mir immer wie die einzige Mutter auf der Welt vorkomme, die dauerkranke Kinder zu Hause hat, weiß ich doch, es gibt Leidensgenossen da draußen. (Hier stelle man sich bitte eine coole Geste der Solidarität vor. Mit Händen und Fäusten oder so. Yeah.)

Morgen ist tatsächlich schon Weihnachten und ich habe so lange nicht gebloggt. Obwohl ich noch so viel mitteilen wollte, bevor "Mission Christkind" startet. Hätte ich auch können  - wäre da nicht dieser Zettel, der am Kindergarten klebt. Kennt ihr den? Der Zettel, auf dem tabellarisch scheinbar alle Krankheiten der Welt aufgelistet sind und daneben die Spalte, in der die Kindergartenleitung dann schön sachlich und pragmatisch Datum und Fallzahl der gerade modernen Krankheit notieren kann? Jeden Tag schaut Mutter auf den Zettel. Und nach einer Angina der Maus vor wenigen Wochen und kleineren Schnupfhustereien des Mäuschens hin und wieder blieb der Zettel auch immer leer. Bis dann eines Tages "Scharlach: 1 Fall" zu lesen war. Gut, ein Fall ist jetzt in einem so großen Kindergarten mit mehreren Gruppen nicht weiter tragisch, möchte man meinen. Leider kamen zwei Dinge hinzu, die mir trotzdem den Übelkeitskloß in die Magengegend trieben:

a) Ich habe dank "Nesthäkchen" panische Angst vor Scharlach - wohlwissend, dass das heute prima behandelt werden kann.
b) "Mamaaaa, der Felix hat Scharlach" - Ausrufe der Maus. Prächtig. Felix, mit dem die Maus so gerne spielt.

Selbst hier könnte man noch behaupten, die Grummelmama übertreibt mal wieder maßlos und ist viel zu sehr in ihrer hypochondrischen Welt gefangen. Nur wenn dann die Maus plötzlich hoch fiebert und Bauch- und Halsschmerzen bekommt, dann lachen alle nicht mehr. Kinderarzt --> sicher Streptokokken, anfängliches Scharlach. Super. Maus zu Hause.
Als dann die Maus wieder halbwegs fit und kindergartenreif war, fing das Mäuschen an mit komischem Husten. Und Schnupfen. Hat sie oft, wird nix sein. Denkste! Wenn das Mäuschen plötzlich hoch fiebert und schlapp und blass ist, dann... Lassen wir das. Kinderarzt --> starke Bronchitis. Super. Mäuschen zu Hause.
Und dann, nachdem gefühlte Monate nicht mehr alle Kinder gleichzeitig aus dem Haus waren, juckte Mausens Kopf. Abends guckte ich noch und dachte, hat man manchmal, wird nix sein. Als sie morgens dann immer noch kratzte und scherrte, guckte ich - ohne Kontaktlinsen und im Halbdunkel - auf ihrem Kopf und fand ihn. Den Anführer der Läuse. Nennen wir ihn Oskar, das klingt niedlicher. Oskar versuchte zu fliehen, aber er entkam mir nicht, doch seine Hinrichtung ersparte der Maus und der ganzen Grummelfamilie nicht die Strapazen, die mit seinem Fund einhergingen. Kindergarten informieren, dass die Grummels verlaust sind (Eintrag auf den Zettel des Grauens), ab zur Apotheke und Mauseköpfe behandeln. Wäsche waschen, Stofftiere einfrieren, Betten abziehen, Bürsten, Mützen und Haarspangen schockfrosten... Wer es schon mit Oskars großer Familie zu tun hatte, der weiß, wovon ich spreche. Glücklicherweise sind wir heute wissenschaftlich informiert und wissen, dass Oskar nur 24 Stunden außer Haus (sprich: Kopf) leben kann und dann zu seinen zahlreichen Ahnen reitet. Das heißt, man muss das Waschen-Einfrieren-Spiel nicht endlos wiederholen. Nun, nach ein paar Tagen ölen und kämmen hoffen wir alles überstanden zu haben. In ein paar Tagen wird die Kopf-Gedöns-Sache wiederholt und dann war es das.

Nun, da sitze ich. Und schreibe und schüttele den Kopf und denke, wie weihnachtlich und besinnlich doch alles ist. Mit Kindern. Und Läusen. Morgen ist also wie gesagt tatsächlich schon Weihnachten und gestern fing die Maus schon wieder mit Husten an. Reizhusten der reizendsten Sorte. Und das Mäuschen? Röchelt noch rum. Dass wir morgen dennoch frohen Mutes in Richtung Heimat aufbrechen, um das Fest der Familie und Liebe (uiuiuiui) mit unseren Eltern zu feiern, ist alleine dem Mann zu verdanken. Hierzulande nennt man ihn auch "Der mit den Nissen kämpft" oder "Beruhiginator". Ohne ihn wären wir Grummelmädels ganz schön aufgeschmissen. Bronchitis, Scharlach, Läuse - und zwischendrin eine panische Grummelmama und ihre Mäuse. Aber der Mann sagt, alles wird irgendwie gut – und so schlimm ist es doch auch nicht.

Ich wünsche euch allen wunderschöne Weihnachten - und all denen, die derzeit mit Krankheiten geschlagen sind, wünsche ich zusätzlich noch viel Kraft und Nerven und schnellste, weihnachtliche Besserung! Und immer dran denken: Schlimmer geht immer!

Montag, 2. Dezember 2013

Team Christkind!

Auch wenn ich es noch immer nicht ganz wahrhaben will: In etwa drei Wochen ist Weihnachten. Und was schon in den letzten beiden Jahren für Verwirrung sorgte, wird dieses Jahr wieder zur echten Herausforderung für den Mann und mich - und vor allem für die Maus. Mit ihren 4 1/2 Jahren merkt sie mittlerweile doch sehr deutlich, dass es eine gewisse Diskrepanz zwischen den Aussagen zum Thema "Wer bringt die Geschenke?" gibt. Diese Erwachsenen können sich nämlich alle nicht wirklich entscheiden!

Früher war alles einfacher, finde ich. Und auch wenn dieser Satz unfassbar abgedroschen und meistens totaler Unsinn ist, war doch meine einzige Verwirrung als Kind, dass das Christkind, welches unangefochten dasjenige war, das die Geschenke brachte, gar kein Mädchen-Engel mit Kleidchen und Flügeln war, sondern tatsächlich das Jesuskind sein sollte. Wobei diese Art von falscher Vorstellung auch gerne von Christkindel-Märkten unterstützt wird, auf deren Logos doch eindeutig weibliche Rauschgold-Christkinder prangen. Aber alles andere war eindeutig. Es war einfach. Christkind = Weihnachten. Osterhase = Ostern. Fertig. Sogar die Zeiten, in denen diese Feste gefeiert wurden, waren recht umrissen festgelegt. Eine Sache, die sich heute kaum noch durchsetzen lässt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Geschäfte und Medien, die das Chaos noch vergrößern. Ihr seid super!
Aber jetzt habe ich den Faden verloren. Ach ja, früher war alles einfacher, heute ist alles anders. Man kann geradezu von Lagern sprechen. Von Teambildungen, die einzig und alleine dazu ins Leben gerufen wurden, um die noch an Wunder glaubenden Kinder zu verwirren – und ihre armen, sowieso schon vorweihnachtsgestressten Eltern in Erklärungsnöte zu bringen.

Team Weihnachtsmann vs. Team Christkind

Ein Kampf der Medien, der Werbung, der Giganten. Ein Gefecht, das immer schwerer zu gewinnen wird für Team Christkind. Ich will an dieser Stelle gerne deutlich machen, dass ich nichts, aber auch gar nichts gegen den Weihnachtsmann habe. Er ist bestimmt ein echt netter Kerl! Entgegen vieler Annahmen hat ja auch nicht die Coca-Cola Company diese Figur erfunden, sie schaffte nur in den 1930er Jahren ein neues Outfit für den dicken Kerl. Der Weihnachtsmann per se existiert schon sehr lange weltweit und kommt in vielen Ländern, um den Kindern an Weihnachten eine Freude zu machen. Doch bei uns, zumindest in meinem Inner Circle, wird mit Weihnachten eben das Christkind in Verbindung gebracht. Jesus, der an Weihnachten zur Welt kam. Krippe, Maria, Josef, Esel, Gold, Weihrauch und Myrrhe - all sowas eben. Und genau das vermittelten wir der Maus auch von Anfang an. Doch seit sie in Kindergärten und Medienwelten unterwegs ist, trifft sie ständig auf diesen anderen Typen. Auf Santa Claus, Père Noël, Väterchen Frost. Und sie fragt sich, wer jetzt Recht hat. Und ob vielleicht  am Ende ALLES nur erfunden ist.
Besonders schlimm finde ich die heutige Wischi-Waschi-Kultur, in der dann auch noch der Nikolaus mit dem Weihnachtsmann in einen unmotivierten Topf geworfen wird und dieser üble Fauxpas fast niemandem mehr aufzufallen scheint. Der heilige Nikolaus in den Klamotten des Weihnachtsmannes im Outfit von Coca-Cola? Der in der gesamten Vorweihnachtszeit - die Ende August startet - sein geschenkliches Unwesen treibt und den Kindern was vermitteln will? Dass Weihnachten einfach dann ist, wenn man es sich selbst wünscht? Dass es vollkommen egal ist, welche Bräuche wann stattfanden, weil es nur zählt, dass irgendjemand irgendwann möglichst viele und möglichst teure Geschenke bringt?

Ich weiß nicht, wie ihr es mit all dem haltet, wer euren Kindern wann die Geschenke bringt. Ob man heute noch ausreichend vermitteln kann, dass sich Weihnachten nicht nur um Spielsachen und neue Klamotten dreht, sondern wirklich tiefere und wichtigere Werte festigen soll. Ich denke nur daran, wie ich damals von der ganzen Weihnachtszeit verzaubert wurde und für mich alles voller Wunder, Stimmung und Traditionen war. Nicht sehr religiös, nicht sehr streng, aber eben vollkommen unabhängig von mediengezeichneten Bildern und Meinungen. Nicht Rewe oder Tengelmann bestimmten, wann die Weihnachtszeit begann, sondern meine Eltern und der Kalender. Ich war nicht schon im Sommer davon überzeugt, dass nun Weihnachten sei, nur weil im Supermarkt die ersten Schokonikolausweihnachtsmänner aufgestellt wurden - weil meine Eltern bestimmen konnten, was ich glauben und mir vorstellen sollte und niemand sonst. Nur meine Familie konnte beschließen, wann ich meine kindliche Glaubenswelt verlassen sollte und wann nicht. Und genau das würde ich mir auch wünschen. Denn irgendwann geht all dieser Zauber verloren. Unaufhaltsam und immer früher. Zu viel kulturelles und kalendarisches Durcheinander führt nur zu Gleichgültigkeit. Und wen wundert es letztendlich, wenn Grummelmütter wie ich nie in Weihnachtsstimmung kommen, weil sie schon im September die Nase voll von Lebkuchen und Spekulatius neben den Grillsaucen haben und Kinder einfach nicht genug Ausdauer besitzen, sich statt ein paar Wochen schon monatelang auf Weihnachten freuen zu müssen?

Egal, zu welchem Team man letztendlich gehört, am Ende geht es doch nur um leuchtende Kinderaugen und die Verschleierung des ganzen Stresses, dem Eltern in der Zeit ausgesetzt sind. Weniger ist mehr. Finde ich.


Freitag, 29. November 2013

Meine Hebamme

Gerade haben wir - glücklicherweise - erleben dürfen, wie Zusammenhalt und viele Stimmen zu einer zu vereinen sogar die Politik zum Einlenken bringen kann. Es ging um den Hebammenberuf und seine fehlende politische Beachtung bei steigenden Versicherungsbeiträgen und sinkenden Einkommen. Wer möchte, kann hier nachlesen, worum genau es ging.
MIR geht es heute um eine ganz besondere Hebamme. Um meine. Und darum, wie wichtig ihr Beruf  für uns Schwangere und Mütter ist. Und ich freue mich besonders, meine Hebamme heute auf meinem Blog begrüßen und etwas ausquetschen zu dürfen.

Als ich damals mit der Maus schwanger war, war ich total unsicher und hatte eine Million Fragen. Jede Erstschwangere kennt das. Ist das normal? Darf ich das essen/trinken/nehmen? Ist das Zwicken ok? Eigentlich verunsichert einen alles. Symptome, die man nicht kennt - und dann deren Fehlen. Ich stand recht alleine mit meinen Fragen und Unsicherheiten. Im Geburtsvorbereitungskurs lernte ich dann die Hebamme kennen, die mich durch beide Schwangerschaften begleiten und mich nach den Mäuse-Entbindungen betreuen sollte. Claudia. Irgendwie mochten wir uns sofort. Ihre tolle Art, an Dinge heranzugehen, sich für einen einzusetzen und nie von meinem ständigen Gefrage genervt zu sein, ihr Humor, der einfach super zu meinem passte (was nicht immer einfach ist) und die Sicherheit, die sie mir vor und bei beiden Kindern vermittelte. Ich kann, ohne jetzt zu viel Süßholz raspeln zu wollen, sagen, dass ich ohne sie ganz schön blöd aus der Schwangerschafts- und Wochenbettwäsche geschaut hätte. Sie hatte es sicher nicht immer leicht mit mir ;) Doch auch nach beiden Schwangerschaften verstehen wir uns noch prima und halten Kontakt - vielleicht war ich doch gar nicht SO schlimm.

Um euch allen einen kleinen Einblick in die Arbeit von Hebammen zu gewähren und zu zeigen, was genau diesen Beruf eigentlich ausmacht, habe ich sie eingeladen, mir ein paar Fragen zu beantworten. Viel Spaß!


Grummelmama:Liebe Claudia, magst du für meine Leserinnen und Leser zu Anfang ein paar Fakten deinerseits verraten?
       
Claudia:Sehr gerne! Wo fange ich an? Es sind ziemlich genau auf den Tag 15 Jahre (5.12.), dass ich mein Hebammenexamen in der Tasche habe (sozusagen als Spätberufene, die nicht locker gelassen hat, weil sie wusste, dass es d e r Beruf für sie ist - danach habe ich erstmal selbst Erfahrungen als junge Mutter gesammelt, was sehr hilfreich war - denn dann konnte ich die Sorgen und Ängste der jungen Mütter auch viel besser einordnen und verstehen!
2 Jahre später habe ich dann langsam angefangen, das umzusetzen, zuerst nur freiberuflich und dann wieder als Klinikhebamme (Schwangere und Wöchnerinnen).
Inzwischen arbeite ich ungefähr zur Hälfte freiberuflich (Kurse und Wochenbettbetreuung) und als angestellte Hebamme in der UFK auf der Risikoschwangeren-Station.
Die Kombi ist für mich geradezu ideal, da ich zum einen in Bezug auf "High-Tech-Medizin" auf dem Laufenden bleibe und zum anderen das ganz "normale "Schwangersein und Mutter-Sein miterleben darf, mit allen Höhen und Tiefen.
Gleichzeitig ist es auch eine Erleichterung finanzieller, existentieller Natur, im Hinblick auf die aktuellen Probleme der rein freiberuflichen Hebammen, da ich natürlich über das Angestelltenverhältnis deutlich besser abgesichert bin und z.B. eine private Krankenversicherung wegfällt!

Grummelmama:Darf ich dir die Frage aller Fragen stellen? Warum bist du Hebamme geworden?

Claudia: Die Frage aller Fragen? Gar nicht so einfach zu beantworten... Mein erstes Geburtserlebnis hatte ich als Kind, als ich gesehen habe, wie ein Lamm zur Welt kommt - das hat mich unheimlich fasziniert, v.a. wie toll die Natur es eingerichtet hat, auch wie die Schafmama dann das Kind angenommen hat - damals wollte ich aber dann unbedingt Tierärztin werden ;)
Es ist ein wunderschöner Beruf, der sehr viel positive Energie beinhaltet, auch wenn es nicht immer einfach ist, aber meistens sehr beglückend...Ausserdem kann ich mein persönliches Interesse an Medizin und Psychologie damit "befriedigen".

Grummelmama:Hat sich der Beruf in den letzten Jahren für dich sehr verändert?

Claudia:  Der Beruf hat sich für mich persönlich in den letzten Jahren nicht wirklich verändert - ich erlebe insofern keine Einschränkungen in der Ausübung meiner Tätigkeiten, die ja auch ohne Geburtshilfe ist - ich denke hier liegt ein großer Unterschied!
Eher habe ich durch die Erfahrung mehr Sicherheit und Gelassenheit bekommen, also durchaus positive Veränderungen!

Grummelmama:Wie empfindest du das fehlende Augenmerk seitens der Politik in Bezug auf deinen Beruf und woran könnte das liegen?

Claudia:Ja die Politik - manchmal hat man das Gefühl, dass sie in vielen Dingen erst reagiert, wenn "das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", anstatt präventiv "Schlimmeres" zu verhindern - das trifft für mich in dem Fall auch auf einen "gelungenen und gut unterstützten Start" in einen ganz neuen Lebensabschnitt, sowohl für das Kind als auch für die Mutter, zu!


Grummelmama:Wenn ich nicht die Grummelmama, sondern Kanzlerin Katja wäre, was würdest du dir von mir wünschen? 

Claudia:Von Kanzlerin Katja wünsche ich mir, dass diese Dinge noch mehr Beachtung, aber auch v.a. Umsetzung in Politik und Gesellschaft finden - gleichzeitig freue ich mich aber auch über das Engament der Bevölkerung, und v.a. der Frauen und Männer, die wissen und auch schätzen, wie wichtig eine gute Hebammenbetreuung vor, während und nach der Geburt ist - weiter so!!! 

 
Und am Ende noch ein paar Worte von mir an alle Zweitschwangeren, die der Meinung sind, sie bräuchten keinen weiteren Geburtsvorbereitungskurs oder kämen auch ohne nachbetreuende Hebamme klar:
Ich kann wirklich nur zu beidem raten. Ich habe den zweiten Kurs so sehr genossen, weil ich mal wieder Zeit nur für mich hatte UND es ein paar Stunden waren, die ich nur dem zweiten Bauchbewohner widmen konnte. Und man möge es glauben oder nicht, auch nach der zweiten Entbindung ist man noch kein Profi. Mir taten sich wieder unendliche Fragen und Unsicherheiten auf und man sollte auch das "nebenher" zu klärende Zeitchaos mit zwei Kindern nicht unterschätzen in den ersten Tagen. Daher sucht euch auf jeden Fall auch fürs zweite Kind eine Hebamme. Es lohnt sich wirklich. 

Aber nun genug der mahnenden Grummelworte. Und vielen herzlichen Dank an Claudia, das war ein tolles Interview!