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Samstag, 4. Januar 2014

Fadensuche

2014... Irgendwie passt diese Bezeichung dem Jahr noch nicht. Geht es euch auch so, dass man erst einige Wochen braucht, bis man den neuen Jahresnamen verinnerlicht hat? Bisher klingt "2014" noch so futuristisch für mich, so nach Zukunftsvisonen und schwebenden Autos oder spacigen Flugobjekten... Der vierte Januar ist heute. Und das Wetter ist grau und regnerisch, viel zu warm und bisher war der Winter hier total schneelos, bis auf einen einzigen Tag, der etwas gepudert startete. Mich stört es nicht, die Tage werden langsam wieder länger und wir steuern (optimistisch gedacht) auf den Frühling zu.

Aber eine Sache kommt mir doch ewig vor. Die Zeit, in der Maus und Mäuschen nun schon zu Hause sind. Ohne Kindergarten, ohne Kita. Sind es Wochen? Monate? Gar ein Jahr schon? Immerhin gingen sie zuletzt 2013 morgens beide aus dem Haus. 2 Wochen Ferien plus vorherige Krankheits-Zuhausebleiberei von immer mindestens einem Kind. Langsam geht es an die Substanz und ich bin mehr als nur froh, dass der Mann so eine Geduld hat. Mit den Kindern UND mir.

Noch 3 Mal schlafen, dann ist endlich Öffnungstag! Wie ein kleines Kind freue ich mich darauf! (Darf man den Vergleich hier überhaut anführen?) Kein pupstillionstes Mal dieselben Hörspiele anhören, kein Playmobil, kein Lego, kein Mandalamaniamalmarathon mehr! Kein permanentes "Mama, das Mäuschen hat...", kein "Mamaaaaaaaaaa, Mäuschen soll....", kein "Boaaaaaaaaaaa, Mäuschen! Mamaaaaaaaaaaa!". Keine gelangweilte fast 5jährige mehr, die nach rund um die Uhr bespielt werden nicht mehr weiß, was sie mit sich selbst anfangen soll. Kein renitentes Trotzphasen-Mäuschen mehr, das scheinbar nichts anderes mehr machen möchte, als Dinge, die es nicht darf. So gar nicht darf. Nie. Kein Zeit totschlagen bis Abendessen mehr, das schon vormittags anfängt. Kein Bilderbuchbilderbenennen mehr auf dem Teppich im Wohnzimmer, auf dem mit Sicherheit eine Grummelmama-Hintern-Furche zu sehen sein wird, wenn die Woche zu Ende geht.

Es wird still sein. Nur ich, mein Kaffee und mein PC. Ich werde schreiben können, hoffentlich den ein oder anderen Euro verdienen dürfen - und nicht reden müssen.

Ich will nicht mehr reden. Kennt ihr das? Ich KANN meine Stimme nicht mehr hören, WILL sie nicht mehr hören. Will nicht mehr immer und immer wieder die gleichen Sätze raushauen müssen. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Heute weiß ich, warum meine Eltern immer diesen doofen "Am besten nehmen wir es auf Langspielplatte auf"-Spruch so oft anführten. Heute müsste man das natürlich auf CD brennen oder auf den MP3-Player kopieren, aber das Prinzip bleibt das gleiche. Ich habe mittlerweile sogar das Gefühl, dass mein Hirn nicht mehr richtig arbeitet, keine ordentlichen und sinnvollen Gedankenabfolgen mehr zusammenbringt. Daran wollte ich euch auch gleich mit diesem Post teilhaben lassen. Es ist kein roter Faden mehr möglich, "The roter Faden has left the Grummelbrain". Vastehta?

Genug des Ringens von Verzweiflung und Hoffnung. Denn ein Gutes hat die ganze Ferien-Sache ja auch: Die Bazillen und Viren blieben all die Tage und Wochen in ihren Brutstätten. Kein Husten, kein Schnupfen, kein Krabbelvieh auf Kinderköpfen. Ich kann sogar stolz und freudig vermelden, dass wir um unsere traditionelle vorweihnachtliche Magen-Darm-Grippe rumgeschippert sind! Und auch wenn ich weiß, dass Scharlach, Angina und Bronchitis es sich in den Puppenecken und Bauzimmern gemütlich gemacht haben und mit hibbeliger Vorfreude die Tage bis zur Öffnung zählen, es nicht erwarten können, sich endlich wieder mit den kindlichen, kleinen Immunsystemen anzulegen und in den meisten Fällen einen Sieg vermelden zu können, muss ich sagen: SO geht es ja auch nicht weiter. Denn so sehr ich meine Kinder auch liebe, umso mehr freue ich mich, wenn ich sie erst am Mittag wohlbespielt und ausgetobt aus ihren Kitas und Kigas abholen kann.
Oder um es mit Pink zu sagen:

GO AWAY,  GIVE ME A CHANCE TO MISS YOU!

Mittwoch, 13. November 2013

Mama Nervpiens: Unterarten

Während ich mal wieder in den Genuss einer Eingewöhnung gekommen bin und Stunde um Stunde auf meinem kleinen Stühlchen in der Ecke verbringem durfte, schweigend und beobachtend wie einst die Supernanny in der ersten Phase, konnte ich einige seltene Exemplare der Gattung Mama Nervpiens in ihrem natürlichen Umfeld studieren. In ihrem Kitajungesabgabeumfeld fühlen sich die sonst eher scheuen Wesen sehr wohl und präsentieren sich in ihren schönsten Farben und für ihre Art typischen Kindbringritualen:

1. Die HappyMom.
Besondere Merkmale: Breites, übertriebenes Grinsen; viel zu hohe, gewollt niedliche Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe ihrer Jungen an der Kitatür: Begrüßt mit einem unfassbaren Grisen alle anwesenden Kinder mit Namen und einem nicht enden wollenden "Hallooooooooooooooooooooooooooooooo", fragt jedes Kind (und sei es auch noch so klein und nicht antwortfähig) "Naaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, duuuuuuuuuuuuuuuuuuuu?", knutscht ihr Junges vor versammelter Mannschaft ordentlich ab und verabschiedet sich dann mit dem aufgeregten Ruf "Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!" von allen.

2. Die MussWegMom
Besondere Merkmale: Hektischer Gesichtsausdruck; flüchtige, drängende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Schiebt ihr Junges mit einem unsanften, aber bestimmten Schups in den Kitaraum, stößt einen kurzen Ruf aus, der etwa wie ein "Tschüssbisspäta" klingt und verschwindet sogleich wieder aus dem Umfeld der Kinder. Ihr eigenes Junges bleibt meist etwas ratlos und bedröppelt im Raum zurück und braucht etwas länger, um sich in den Spielalltag einzufinden.

3. Die FreizeitMom
Besondere Merkmale: Entspannter Gesichtsaudruck; plaudernde, fast zwitschernde Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Streift sich vorm Abgaberitual die eigenen Schuhe ab und wirft ihr emotionales Netz aus, um eine Erzieherin zu fangen. Gelingt ihr ein solcher Fang, wird dieser ohne Rücksicht auf andere Verpflichtungen mit langweiligen Geschichten des eigenen Jungen gelähmt, bis die Erzieherin sich von selbst aus dem Netz befreien und ohne Augenkontakt zu halten in einen anderen Raum entkommen kann. Das Junge dieser Art von Mom ist übrigens meist direkt nach dem Eintreten in den Raum in einer Spielecke verschwunden.

4. Die SchlechtesGewissenMom
Besondere Merkmale: Dackelblick, sehr leidend; nölende, depressive Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Klammert sich am eigenen Jungen fest und drück und herzt es immer wieder. Das Junge, soweit schon eingewöhnt, versucht sich meist erfolglos vom Momtier zu befreien und muss weitere Küsse, Drücker und Schlechtesgewissenumarmungen erdulden, bis es von einer aufmerksamen Erzieherin erlöst wird. Die Art von Mom muss meist von einer Erzieherin getröstet und mit den tollen Spielvorhaben für ihr Junges aufgemuntert werden, woraufhin sie von ihren dringenden Erledigungen erzählen darf. Das Loswerden dieser Art ist ähnlich schwer wie das der FreizeitMom.

5. Die EasyMom
Besondere Merkmale: Cooler Gesichtsausdruck; ruhige, aber bestimmte Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Begleitet das Junge noch in den Raum, tauscht kurz wichtige Infos mit der Erzieherin aus und verschwindet dann unauffällig und dem Jungen von weitem winkend wieder aus dem Raum. Diese Art Mom ist die bei Erzieherinnen beliebteste Sorte. In Kindergärten überwiegt diese Art, in Kleinkindergruppen ist sie jedoch nicht häufig anzutreffen.

6. Die HilflosMom
Besondere Merkmale: Panischer, angsterfüllter Gesichtsausdruck; zitternde, fragende Stimmlage.
Verhalten bei Abgabe: Abgabe des Jungen ohne Unterstützung und gutes Zureden seitens der Erzieherin nicht möglich. Eine sehr unsichere Art, die diese Unsicherheit gerne unbewusst auf das Junge überträgt, welches dann schnell in panische Heulanfälle verfällt, was die Abgabesituation oft eskalieren lässt. Es ist bis heute nicht ganz geklärt, ob an diesem Verhalten hauptsächlich die Mom oder das Junge Schuld ist. Es wird vermutet, dass die Trennung nicht ganz vollzogen und akzeptiert wurde.

Zu welcher Art gehört ihr? Ich selbst springe gerne durch die verschiedenen Abgabemöglichkeiten, je nach Lust und Laune. Jedoch habe ich noch nie Nr. 1 ausprobiert - und habe es auch nicht vor!
Bis spätaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Samstag, 31. August 2013

Wahnsinn

Ich weiß nicht, wie es euch geht - aber ich ticke nicht ganz richtig. Also jetzt nicht im harmlosen und liebenswerten Sinne, nein: ich bin ziemlich irre. Sagt auch der Mann. Ich habe es mit viel Liebe zum Detail und in jahrelanger Kleinstarbeit geschafft, so ziemlich jede Macke und Phobie in meinem Grummelhirn zu sammeln, die man auf diesem Planeten nur finden kann. Prinzipiell war das auch immer kein großes Problem. Bis die Maus zur Welt kam...

Vielleicht denkt ihr jetzt, dass ich übertreibe, dass es gar nicht so tragisch sein kann. Daher zähle ich nur mal ein paar Dinge auf, die so meinen Alltag bestimmen:

- Angst vor Spinnen (noch normal)
- Klaustrophobie (die soweit geht, dass es Horror ist, in diesen Hotelbetten zu liegen, die die Bettdecken unten unter die Matratze gesteckt haben. Oder wenn der Mann aneinandergekuschelt einschlafen will.)
- Angst vor Flugzeugen (ja, ich muss es so ausdrücken, denn ich habe nicht nur panische Flugangst, die sich langsam von Jahr zu Jahr gesteigert hat - ich habe auch Angst, dass mir ein Flugzeug auf den Kopf fällt. Ich bin sicher, ich sterbe daran, dass ein Flugzeug direkt über meinem Haus abstürzt. Und auf meinem Grabstein wird stehen: Sie wusste es und alle hielten sie für verrückt.)
- es ist nicht möglich einzuschlafen, wenn die Schranktüren des Kleiderschrankes offen stehen
- schlimmste Krankheitserfindungsundeinbildungskrankheit: Morgen wache ich tot auf!
- muss ganz sicher immer zur Toilette, wenn keine in der Nähe ist
- Angst vor Dunkelheit und dem namenlosen Grauen ("Da ist irgendjemand!" - "Nicht irgendjemand! IrgendETWAS!")
- Aufzugangst (stürzt ganz sicher mit mir ab, kurz bevor ich im steckengebliebenen Selbigen zu ersticken drohe)
- Meerangst (sicher zieht sich just in dem Augenblick das Wasser ganz weit zurück, um kurze Zeit später als gewaltiger und alleszerstörender Tsunami wiederzukehren, wenn ICH aufs offene Meer hinausblicke. Dieses Szenario albträume ich auch regelmäßig - und zwar schon lange vor 2004)

Das waren nur mal so die ersten Irrigkeiten, die mir jetzt einfallen. Warum ich das hier blogge?

Weil es alles andere als leicht ist, mit Kindern durch die Welt zu gehen, wenn man all diese Kopfkinofilme in Gedanken mit sich herumträgt. Würde die Maus zum Beispiel eines Abends behaupten, es wäre ein Monster im Schrank oder unterm Bett, müsste ich wohl schreiend den Raum verlassen, statt ihr in aller Ruhe zu erklären, dass dem nicht so ist und mit ihr zusammen nachzuschauen. Auch kostete es mich bisher eine unglaubliche schauspielerische Fähigkeit, jede Aufzugfahrt als Wettrennen zu verkaufen ("Mal sehen, wer erster ist: ihr mit dem Aufzug oder ich auf der Treppe!"). Auch ist Hypochondrie für sich alleine noch ganz spaßig und unterhaltsam - wenn man bei jedem Hüsterchen des Mäuschens aber durchzudrehen droht, fängt man sich keine exotische Krankheit, sondern den unbändigen Zorn des Mannes ein.

Kurz und gut:
Als irre Mutter hat man es nicht leicht. Man muss mit sich klarkommen und darauf achten, den Kindern die normale Welt zu bieten, die man selbst schon lange aus den Augen verloren hat. Ich hoffe und bete, dass ich das weiterhin halbwegs schaffen und eines Tages stolz auf mich sein kann. Und ich kann nur jeder Mutter, die auch nur halb so verschroben ist wie ich, raten: steht dazu und redet darüber, wenn die Kinder euch und eurem Wahnwitz auf die Spur kommen - und lacht mit ihnen zusammen über den Humbug, den euer Hirn euch vorgaukelt, denn dann ist alles nur noch halb so schlimm. Für die Kinder und für uns.