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Montag, 11. November 2013

Laternendings

Letzte Woche war es bei uns wieder soweit: Laternenfest im Kindergarten. UND in der Kita. Am selben Tag. Zur fast selben Uhrzeit. Hier bei uns heißt dieses Ereignis nicht St.Martin, es reitet niemand auf einem Pferd und es wird am Ende des Umzugs auch kein großes Feuer entfacht. Zu meiner Zeit (vor etwa 300 Jahren) war das noch so. Schöne, neue Welt.

Seit die Maus im Kindergarten ist, wurde keine einzige Laterne gebastelt. Zum Glück liebt sie aber ihr gutes Stück aus der Kita heiß und innig und weigerte sich sogar beharrlich, eine neue Laterne zu kaufen. Und nein, ich bastele keine Laternen mit meinen Kindern. Ich bin die Grummelmama. Die kann nicht basteln. Die kann nur fluchend Tonpapier durchs Zimmer werfen, das dann nicht wegsegelt, weil es an ihren Fingern kleben bleibt. Und keiner, wirklich KEINER will das erleben. Also kaufen wir - oder lassen basteln.
Das Mäuschen hingegen hat in der Kita mit ihren 14 Monaten tatsächlich eine Laterne zusammengeschustert, was ihre große Schwester auch schwer beeindruckte. Natürlich wurde ihr verheimlicht, dass das Mäuschen, genau wie sie selbst damals, lediglich ein paar Buntstiftstriche auf ein durchscheinendes Papiert kritzelte und der Rest von den Erzieherinnen erledigt wurde.

Um 17h sollte also das Fest in Mäuschens Kita starten, eine halbe Stunde später das der Maus. Also stiefelten der Mann und ich zusammen mit den Mäusen los, um mal so richtig Laterne zu feiern. Im Garten der Kita war schon eine Menge los, die Maus rannte gleich mit ihren alten Kollegen durch die Gegend und amüsierte sich, während das Mäuschen eigentlich nur eins tat: sich fragen, was zum Geier wir hier eigentlich wollten. Der Garten ihrer Kita voller fremder Leute, Mama, Papa und Schwester dabei, überall trugen fremde Kinder leuchtende Papierkugeln durch die Gegend und dann fingen die Erzieher auch noch an, ein Lied nach dem anderen in ein komisches Gerät zu singen, das ihre Stimmen total laut werden ließ. Und daneben stand ein großer Tisch voller Essen, das man aber nicht nehmen durfte. Und ständig wurde versucht, einem dieses leuchtende Ding in die Hand nötigen und einen damit zum herumlaufen zu bewegen. Voll blöd. Mäuschen wollte nur eins. Weglaufen. Egal wohin, nur schnell. Und da der Mann und ich das verhindern wollten, durfte sie auf dem Arm ihrem Ärger Luft machen. Als es dann endlich nach ewiger Singerei (von Liedern, die überraschend unfassbar viele Strophen hatten, die die Erzieher auch ungerührt ALLE durchzogen) zum kleinen Umzug durch den Garten gehen sollte, liefen wir ein bisschen zur Tarnung mit, um am Gartentörchen schnell die Biege zu machen. Schließlich hatten wir noch viel vor. Partyhopping der Grummelklasse.

Schwupps war das gestresste Mäuschen im Buggy und wir eilten den vielen Eltern mit belaternten Kindern hinterher zum anderen Nicht-Martins-Umzug. Mittlerweile war es ziemlich dunkel und die Maus freute sich wie doof, zu ihren Freundinnen zu stoßen und mit ihrer uralten Kitalaterne zu prahlen - die unter uns gesagt wirklich nicht mehr pralle aussieht, aber was macht das schon, wenn die Besitzerin ein gutes Ego hat?
Der Umzug des Kindergartens ist immer ein etwas größeres Event. Eine Ewigkeit ziehen sehr viele Eltern mit sehr vielen Kindern in der Kindergartengegend umher und singen (die gleichen Lieder wie in der Kita, nur mit schon wieder ganz anderen Strophen! Die sind doch alle frei erfunden!). Die Maus lief alleine mit ihren Freundinnen umher, ich mich mit dem Mann und dem Mäuschen eher im Hintergrund haltend. Das Mäuschen kapierte immer noch nicht, was das hier alles sollte, was man seinem Gesichtsausdruck auch bestens entnehmen konnte. Jetzt liefen da ganz viele Große und Kleine mit diesen Leuchtdingern immer im Kreis auf den Wegen, auf denen man sonst zum Einkaufen oder zum Mausabholen spazierte? Das wurde ja immer merkwürdiger!

Später ging es dann in den mit vielen Laternen erleuchteten Garten des Kinderhauses, wo wieder gesungen und dann endlich auch gegessen wurde. Das stimmte das Mäuschen denn auch kurz fröhlich. Den Mann allerdings weniger, denn es gab Schmalz- und Butterbrote. "Die Schmalzbrote sind selbstverständlich vegetarisch!". Dieser Satz der Kinderhausleiterin war es, der dem Mann den letzten Spaß nahm. Der Mann ist karnivor. Und ist überhaupt nicht amused bei der Kombination der Worte "Schmalz" und "vegetarisch". Daher schickte ich ihn und das Mäuschen kurzerhand nach Hause, bevor die Situation eskalieren konnte und suchte die drei einzigen Mütter, mit denen ich mich wirklich gut verstehe. Es sind auch Grummelmütter. Perfekt, oder? So wurde es dann auch noch echt lustig. Unsere Kinder waren in der Dunkelheit des Gartens verschwunden und wir hatten es uns dieses Jahr auch nicht mehr zur Aufgabe gemacht, hinter ihnen herzulaufen und aufzupassen. Komme, was wolle - wir wollten einfach unsere Ruhe, ein bisschen quatschen und viel zu süßen Kinderpunsch trinken. Neben uns stand ein Vater neben einem anderen dieser recht seltenen Spezies auf solchen Festen und sagte "Das ist ja die reinste Hölle hier! Wie kann meine Frau das nur jeden Tag mitmachen ohne verrückt zu werden?" und eine meiner Grummelmütter sagte laut "Das wird sie doch! Jeden Tag! Kapiert er das nicht?" - und wir lachten und lachten. Verzweifelt, zustimmend und vielleicht etwas übertrieben laut.

Und als die Maus und ich dann viel zu spät nach Hause schlenderten - wir waren mit die Letzten gewesen - merkte ich, dass es doch ein ganz witziger Tag gewesen war. Anstrengend, aber unterhaltsam. Und ich merkte, dass alles einfacher wird, wenn die Kinder größer werden. Und ein klitzekleines bisschen freue ich mich auf das nächste Laternenfest. Aber pssst, nicht verraten. Ich habe einen Ruf zu verlieren!

Dienstag, 22. Oktober 2013

WC-Day

Manchmal gibt es Tage, an denen hätte man lieber im Bett bleiben sollen. Heute ist so ein Tag. Das Wetter ist grau und kühl, obwohl es heute der schönste Tag in der Woche werden sollte, das Mäuschen ist mit dem falschen Fuß aus dem Schlafsack gekrochen, die Maus ist in allerbester Kleineschwester-Ärger-Laune und zu allem Überfluss habe ich mir auch noch mit dem fiesesten Brotmesser tief in den Finger geschnitten. Memo an mich: Auch die linke Hand ist sehr wichtig für mütterliche Tätigkeiten einer Rechtshänderin. Und mit jeder Handlung, jedem Schritt oder jeder Begegnung mehr an einem solchem Tag ist man sich sicher, dass dieser Tag ein richtiger Griff ins Klo ist.

Kennt ihr solche Tage, an denen ihr schon ganz kurz nach dem Aufstehen merkt, dass euch alles auf den Pinsel geht? Dass ihr heute lieber mit jemandem tauschen würdet, der keine Kinder und keine Verpflichtungen hat, vielleicht ein Häuschen am Strand mit einer Hängematte an einer Palme besitzt und den ganzen Tag nichts zu tun hat als dort zu hängematten und zu lesen? Stellt ihr euch auch manchmal vor, wie es wäre, einfach die Koffer zu packen und all dem Irrsinn zu entfliehen, nur für ein paar Tage?

 Habt ihr auch solche Momente, in denen ihr schon beim kleinsten Blick in den Spiegel einfach schreien und wegrennen wollt, in eine dunkle Höhle, wo euch niemand sehen kann? In denen NICHTS aus dem Kleiderschrank auch nur ansatzweise passen oder gar gut aussehen will und ihr auch nach gefühlten Stunden des Zurechtmachens auszusehen scheint wie Olchi-Mama? Und dann geht man aus dem Haus, weil man eben aus dem Haus gehen MUSS, weil man eben NICHT in einer dunklen Höhle wohnt, in der man sich verkriechen kann - und dann trifft man ständig Frauen, die aussehen wie verfluchte Victoria's Secret Models, die so tun, als wäre es der beste Tag der Woche - nur werden sie dir nie ihr Geheimnis verraten...

Erinnert ihr euch an solche Zeiten, in denen ihr auf gar nichts mehr Lust hattet und einfach nur die Zeit anhalten wolltet, um kurz darüber nachzudenken, wie es wohl wäre, euch für die spannende Karriere einer Kampfjetpilotin entschieden zu haben oder zusammen mit anderen perfekt aussehenden Menschen um die Welt zu reisen, um Photos von exotischen Orten für Hochglanzmagazine zu schießen? Denn solche Menschen müssen natürlich keine Wohnung putzen, sich überlegen, was es zum Abendessen gibt, öde Einkäufe erledigen oder alle drei Sekunden eine Kinderrotznase abwischen. Ja, ich glaube sogar zu wissen, dass solche Menschen nicht mal zur Toilette gehen oder essen müssen!

Und dann sitzt man da, mit einem Kaffee in der Hand und denkt an die Zeiten zurück, in denen man in der anderen Hand statt einer Butterbrezel noch eine Zigarette hielt (zumindest mein altes Laster) und die größte Sorge des Tages die war, dass sich eventuell Langeweile einstellen könnte - und dann sieht man sich um. Die Maus ist im Kindergarten, das Mäuschen in der Kita und der Mann im Labor. Durchatmen. Man selbst sein. So tun, als ob.

Plötzlich sieht man das Bild mit den drei merkwürdigen Vögeln darauf, die auf einem Zug sitzen, der ans Meer fährt (zwei wollen schwimmen, der Dritte mit einem Boot fahren), das die Maus einem gestern freudestrahlend gemalt und überlassen hat. Man sieht das Lieblingsbuch des Mäuschens, das immer aufgeregt und lachend mit "Wau" bezeichnet wird, während es seinen kleinen, bewindelten Popo auf Mamas Schoß parkt, um sich mit ihr zusammen das Buch anzusehen. Man kuschelt sich in die Weste des Mannes und fühlt sich ein bisschen so wie damals, als man die ersten Male miteinander ausgegangen ist.

Und genau dann spürt man, wie leer die Wohnung ohne diese ewig nervenden, nörgelnden, nie still seienden, notorisch chaotischen Gesellen ist - und stellt fest, dass ein einsames Haus am Strand, eine Kampfjetpilotenausbildung, Victorias Geheimnis oder Weltreisen auch nur in der Phantasie aufregend wären und dass man eigentlich genau da ist, wo man sein möchte.
Diese kleinen Momente sind es dann immer, die mir die Kraft geben, einen solchen Klogrifftag zu überstehen und auf bessere zu hoffen, um es nicht eines Tages doch wie Arthur in "Per Anhalter durch die Galaxis" ausdrücken zu müssen:

 "Hören Sie mal, würde es Ihnen was ausmachen, wenn ich jetzt einfach aufgebe und verrückt werde?"

(Vorgestern war übrigens Grummarcesible Day bei Sarah! Ich hatte schlichtweg vergessen, es hier zu verlinken, Schande über mich!)

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Mamyphos

Mann und Maus halten es wie Woody Allen, der einst sagte "Wieso soll ich mein Zimmer aufräumen,
wenn doch die ganze Welt ein Chaos ist?" - Ich selbst bin da nicht ganz seiner Meinung. Auch die schreckliche Tatsache, dass "das morgen doch wieder dreckig ist", sollte einen nicht ernsthaft davon abhalten, die Wohnung nicht zu einer von Tine Wittler heimzusuchenden Messie-Höhle verkommen zu lassen. Doch leider stehe ich - so wie viele Frauen vor mir - mit dieser Meinung meist ganz alleine auf verkrümelter Flur.

Ich glaube ja mittlerweile, dass es nur zwei Arten von Müttern gibt, was dieses Thema betrifft.
Art 1 hat noch nicht ganz aufgegeben und räumt Tag für Tag, Stunde für Stunde hinter ihren Lieben her und glaubt daran, den einigermaßen ordentlichen Status Quo aufrecht erhalten zu können.
Art 2 hat längst aufgegeben und lässt mehr oder weniger entspannt das Chaos regieren und schaut sich derweil Woody Allens Filme an.
Ich gehöre noch zu Art 1. Ich räume mehrmals am Tag die Spielsachen in Kisten, sortiere Kleidungsstücke nach "dreckig", "geht noch" oder "sauber und nur aus dem Schrank gerupft", stelle meine Schuhe wieder zurück aufs Schuhregal und kehre oder sauge zum gefühlten 100. Mal ein Meer von Krümeln, getrockneten Erbsen oder Nudeln vom Boden auf. Auch versuche ich tapfer, dem Keimgarten im Hochstuhlbiotop Herr zu werden. Der Mann schüttelt bei all dem Kampf gegen die Kindmühlen nur verständnislos den Kopf und erntet dafür mehr als nur böse Blicke meinerseits. Ich meine, sollte man nicht versuchen, all das trotz der Unsinnigkeit und geringen Halbwertszeit durchzusetzen, damit man ein sauberes und gemütliches Zuhause hat und sich nicht panisch-verschämt hinter dem Sofa verstecken muss, wenn es unangekündigt an der Tür klingelt?

Auch habe ich das Gefühl, ein kleiner unsichtbarer Gnom sucht regelmäßig meine früher so unberührte Wohnung auf, um direkt nach dem Spiegelundbalkontür-Putzakt seine winzigen und scheinbar immer schmierigen Fingerabdrücke auf der polierten Oberfläche zu hinterlassen! Wenn ich den erwische, geht es ihm an den Kragen! Ebenso wie dem Wicht, der in der Nacht wohl heimlich und leise Legosteinchen aus dem tollen und aufgeräumten Kistensystem im Kinderzimmer mopst, um sie nach gaaaaaanz hinten unters Sofa zu schieben. Was hat er davon? Und wann um alles in der Welt tut er das?

Wenn ich auf allen Vieren unter dem Tisch mal wieder die Krümelerbsnudeln aufkehre, frage ich mich oft, wo genau dieser Sisyphos wohnt und ob er vielleicht ein paar Tage mit mir tauschen möchte. Was ist schon ein Fels gegen all diese Krümel, Legosteine, Kinderspielzeugkisten, Wäscheberge oder Fettfingerchenabdrücke?
Und schlimm an all dem ist ja, dass meine Kindheit und Jugend noch nicht so lange her ist, dass ich verdrängen könnte, dass es nicht besser wird, wenn die Mäuse alt genug sind, mit anzupacken. Im Gegenteil! Es wird ja nur schlimmer, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, sie KÖNNTEN helfen, TUN es aber nicht! Und dann werden sie mich mit denselben Sprüchen zur Weißglut bringen, wie ich meine arme Mutter früher. "Das ist doch mein Zimmer, kann dir ja egal sein, wie es aussieht", oder "Du übertreibst total, entspann dich halt mal!", oder "Was hast du denn? Sieht doch gut aus!", oder gar "Ich mach das gleich"... Wie wir ja alle schon bei unseren schwerst geliebten Männern feststellen können, hilft es nicht, etwas in der Theorie zu können, wenn die Praxis dann doch an dem blöden Mamyphos hängen bleibt, der die "Oh, gar nicht aufgefallen"-Dreckspuren des Mannes aus dem Waschbecken putzt, nur damit ein paar Minuten später die Maus mit verklebten Farbfingern alles wieder zuspritzt.

Aber was will man machen? Man kann sie ja nicht rauswerfen. Man liebt sie ja. (Ooooooommmmm)

Samstag, 12. Oktober 2013

Eingewöhnt

Ihr wundert euch sicher, warum die alte Grummelmama hier nichts mehr schreibt. Meine Facebook Follower wissen es schon:  Ich bin in der Kita-Eingewöhnung mit dem Mäuschen. Und alle, die sowas schon durch haben, wissen genau, was das bedeutet. Nämlich stundenlanges Rumsitzen in überhitzen Räumen, in denen zu allem Überfluss (und als wäre nicht alles schon schlimm genug) auch noch wildfremde Kleinstkinder herumspringen.

Wie kam es überhaupt dazu? Da wir hier leider weit ab von Gut, Böse und Familienanschluss wohnen und ich deshalb niemanden habe, der hin und wieder ein paar Stunden das Mäuschen nehmen kann, während ich tun kann, was eine Grummelmama vormittags so tun muss, haben wir schon bei der Maus beschlossen, relativ früh eine Kita zu suchen. Das große Glück ist, dass direkt im Nebenhaus zwei Kleinkindergruppen untergebracht sind, die auch noch Platz für uns hatten! So war die Maus mit 18 Monaten fällig - und das Mäuschen nun schon mit zarten 13. Richtig wohl war und ist mir nicht bei der Sache, da ich sie schon noch sehr klein finde, aber sie meisterte diese Woche mit mir zusammen dort richtig gut, was meine von schlechtem Gewissen geplagte Mutterseele doch etwas beruhigte. Sie findet es toll, spannend und super - und ich steure auf den Moment zu, an dem ich guten Gewissens die Kita verlassen und mich Haushalt, Arbeit und einem bisschen Nichtstun widmen kann.

So eine Eingewöhnung ist übrigens eine ganz spezielle Sache. Für eine Grummelmama wie mich ist sie in etwa wie ein Indoorspielplatzbesuch, den man mit Spaßbad und Babymassage kombiniert hat. GRAU-EN-VOLL.

Man kommt morgens an, möglichst später als alle anderen, damit man den unnötigen "Ach, ihr seid die Neuen!" Gespräche der anderen Eltern ausweichen kann. Schuhe ausziehen, Hausschlappen an und rein in die gute, auf ca. 40°C geheizte Stube. Großes Hallo seitens der Erzieher, die sich "totaaaaaaaal" freuen, dass das Mäuschen auch wieder da ist. Mäuschen düst nach drei Sekunden Schüchternheit ab ins Nebenzimmer zum Kastanienspielen. Und die arme Grummelmama? Setzt sich auf einen ergonomisch geformten Erzieherstuhl in die Ecke und versucht zu lesen.Versucht. Denn alle paar Sekunden kommt ein anderes verrotztes und hustendes Fremdkind vorbei und piekst einen mit Spielbesteck, bewirft einen mit bunten, vollgeschlotzten Plastikbällen oder will auf meinen Schoß klettern.
(Im Grunde könnte man die Eingewöhnungszeit auch "Keimgewöhnungszeit" nennen. Unglaublich, dass man diese Zeit lebend überstehen kann.)
Wenn die kleinen Bazillenschleudern einen dann mal in Ruhe lassen, kommt eine der drei Erzieherinnen zu einem, um ein pädagogisch wertvolles Erst-, Zweit- oder Drittgespräch zu halten. "Ja, das mache ich zu Hause auch so". "Nein, davon halte ich ehrlich gesagt nicht viel". "Ja, das kann sie schon". "Nein, das tut sie nicht".

Ein Ratschlag an alle Ersteingewöhnenden: Vertretet UNBEDINGT eure Meinungen. Nur weil die Damen und Herren eine Ausbildung oder gar ein Studium hinter sich haben, das sie dazu befähigt, eure Kinder zu betreuen, kennt NUR ihr eure Eingewöhnungsbrut und deren Gewohnheiten, Vorlieben - und vor allem deren wunde Pünktchen. Ich habe bei der Eingewöhnung mit der Maus damals den Fehler gemacht, nicht die Grummelklappe aufzumachen, wenn mir etwas schräg vorkam und das Ende vom Lied waren 4 (!) komplette, furchterregende Wochen der schieflaufenden Eingewöhnung. 

Aber weiter im Ablauf: Es geschieht nun das, was ich als schlimmste Folter der Elternzeit empfinde und immer empfunden habe. Der Singkreis mit Namensrunde, an dem ich natürlich teilnehmen muss, damit das Mäuschen auch "entspannt reinfinden kann". Überhaupt muss alles "entspannt" passieren. Nur leider geben einem die Erzieherinnen nichts von ihren Entspannungsdrogen ab. Nie!
Nachdem die niesenden Zwerge genug niedliche, entspannte Lieder gesungen und Chaos in der Gruppe verbreitet haben, wird wieder aufgeräumt und zum Zwischensnack geblasen. Man glaubt kaum, wieviel Zeit bei den einfachsten Tätigkeiten vergehen kann, wenn sie mit 10 Kleinstkindern erledigt werden müssen. Nach dem Snack, der gefühlte Stunden dauerte, wird gewickelt. Ganz entspannt ein Kind nach dem anderen. Ich unterdrücke derweil Würgereflexe, weil ich schon nicht auf die Ausscheidungen meiner Kinder stehe, braune Windelfüllungen von Fremdzwergen jedoch in höchstem Maße widerlich finde.
Nach der Operation Wickeltisch beschließt man, doch einen Spaziergang zu machen. Im Klartext bedeutet das, dass 10 Kleinstkinder zum Rausgehen bewegt und vorher angezogen werden müssen. Nach gefühlten Stunden und Toilettengängen der Erzieher und meiner Wenigkeit geht es dann tatsächlich auch los.
Im Anschluss an einen unfassbar öden Spaziergang geht es wieder zurück in die Gruppe. Wenn es gut gelaufen ist, darf ich mir einen Kaffee besorgen und mich vor die Gruppentür verziehen. Nur ich, mein Buch und ein Kaffee. Klingt göttlich. Doch leider beginnt meist zu diesem Zeitpunkt die Wickelrunde der Nebengruppe, die leider keinen eigenen Wickeltisch im Gruppenraum hat und mit allen Kindern nach und nach entspannt über den Flur in den Baderaum laufen muss. Also kommt auch hier ständig ein Fremdkind vorbei, das mich hustend und verrotzt mit Spielbesteck piekst, mit bunten, vollgeschlotzten Plastikbällen bewirft oder auf meinen Schoß klettern will. Auf dem Gang ist es übrigens viel zu kalt und ich warte darauf, mit einer Lungenentzündung dieser Kleinkindergartengeisterbahn zu entkommen.
Zurück in der Gruppe folgen dann wieder pädagogisch wertvolle Gespräche der Erzieher, die ganz begeistert sind, wie toll das Mäuschen das alles meistert - was mich wohl am allermeisten freut, da der Moment absehbar wird, an dem ich nicht mehr dieser unerträglichen Eingewöhnungsentspannung ausgesetzt bin.

Was soll ich noch sagen? Das Mäuschen ist krank und gestern nicht in die Kita gegangen, die erhoffte Lungenentzündung hat mich nicht ereilt, nur ein hundsgewöhnlicher Schnupfen - und ich hoffe und bete, dass nächste Woche die letzten Tage des Eingewöhnens angebrochen sind und das Mäuschen alleine Tag für Tag die für mich unerträgliche Langeweile eines Kleinkinderkitavormittags durchlaufen kann. Ganz entspannt natürlich.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Es (spiel)platzt der Kragen

Jeder, der mich ab und an liest, weiß, dass ich kein großer Freund des Spielplatzkosmos bin. Was aber nicht heißt, dass ich mich mit meinen Kindern dort nie blicken lasse. Im Gegenteil. Wir sind sehr oft dort zugange - und wie schon erzählt, gehöre ich eher zu den abseitsstehenden Handymüttern, die sich von anderen Nicht-Handy-Müttern fernhalten. Gestern stand ich also fernab von Gut und Böse beim Kinderwagen und bewachte das schlafende Mäuschen. Himmel und Menschen hatten sich wegen des schönen Wetters dort versammelt und es wimmelte nur so von dreckigen Kindern, verklebten Babys und schwatzenden Müttern. Ein Bild des Grauens für mich.

Aber darum soll es ja heute gar nicht gehen.
Ich stand also beim Kinderwagen und beobachtete die Maus. So wie immer, denn ob Handy oder nicht - ich lasse meine Kinder nie aus den Augen. Sie hatte großen Spaß beim Tunnelrutsche rutschen und rannte wieder und wieder den staubigen Berg hoch, um ein weiteres Mal mit einem schrecklich quiekenden Geräusch die Sause zu machen. Unten standen - wie immer - ein paar besonders spaßige Gesellen, die keine Freude am Rutschen, wohl aber am Sandwerfen und Stöckereinstecken hatten. Große, diabolische Freude. Neben mir im Sand saß ein etwa sechs Monate altes Baby, das trotz kalter Temperaturen keinen Body trugt (was mir auch noch nie begegnet ist in diesem Alter), in Ruhe Sand futterte und sich seines Lebens freute. Direkt neben dem Baby hielten es zwei Achtjährige für eine super Idee, mit einem Riesenast auf den Sand zu schlagen. Soweit das Szenazio.

Ich beobachtete relativ angespannt und argusäugig sowohl das Rutsch- als auch das Riesenastgeschehen, bis letzters mit zu bunt wurde. Mit supergrummeligem Fremdmuttergesicht wies ich die zwei Asthelden drauf hin, dass es doch eher uncool wäre, das Baby mit dem Ast zu erschlagen, so dass die beiden sich genervt und verschämt trollten. Ob das Baby überhaupt eine Mutter oder einen Vater dabei hatte, war mir nicht ersichtlich. Vielleicht war es auch heute alleine unterwegs, hatte sich robbend zum Spielplatz geschleppt oder war mit dem Bus angereist, in dem es möglicherweise seinen Body gegen eine Fahrkarte eingelöst hatte. Wer weiß das schon genau?

Nachdem ich diese Gefahrenquelle für wildfremde Winzlinge gebannt hatte, widmete ich mich wieder meiner rutschenden Quiektochter. Ein paar arme Rutscher bekamen schon eine nicht unbeachtliche Menge Sand ins Gesicht und in die Augen und ich schaute mich - wie immer - nach den Müttern der Wurfterroristen um. Gefühlte 100 Frauen standen ziemlich abseits in Grüppchen, schlürten Kaffee und tauschten sich über Gott und die Welt aus - nur keine schien zu diesen Rotzgören zu gehören. Ich beschoss, die kleinen Randalebrüder und -schwestern mit ein paar meiner gefürchteten "Hör sofort damit auf, sonst..."-Blicken zu beschießen, was offensichtlich null fruchtete.
Und da passierte es: Die Maus kam unten aus der Röhre und bekam eine mit Perfektion gezielte Portion Sand mitten in die Augen. Riesen Geschrei ihrerseites, Lachen aufseiten der Terrorkinder - und eine Grummelmama, der in diesem Moment die Sicherung durchknallte. Ich rannte zur Rutsche, packte mein Kind, wischte ihm den Sand aus den Augen und brüllte zuerst die Attentäter an, warum sie eigentlich auf dem Spielplatz keinen anderen Spaß fänden, als anderen Kindern Sand und Stöcke auf und in den Kopf zu befördern und dass sie mich mal erleben sollten, wenn ich sowas nochmal mitbekäme!

Dann schnappte ich mir, die Maus unter den einen Arm geklemmt, den Buggy mit dem noch immer schlafenden Mäuschen und stürmte in Richtung der Quasseltratschmuttis. Unfassbar geladen brüllte ich in ihre Richtung, ob sie es eigentlich normal fänden, dass ihre Blagen ungestraft die ganze Zeit Mist anstellen könnten, ohne dass es hier irgendjemanden juckte - und dass ich entgültig die Schnauze voll davon hätte, dass hier keiner einschreitet, weil Klatsch und Tratsch und Kaffee scheinbar wichtiger seien, als auf seine Rotzgören aufzupassen. Dann stürmte ich wutschnaubend weiter und verließ unter ungläubigen Blicken und bösartigstem Kopfschütteln das Spielplatzgelände.

Tja. Ich bin nicht sicher, ob ich mich dort je wieder blicken lassen kann, ohne durch die Vogelfreiheit einer durchgeknallten Mutter größter Gefahr ausgesetzt zu sein. Aber ich würde es immer tun. Es ist wirklich unglaublich, wie wenig es die meisten Eltern kratzt, wenn Ludwig, Jette und Ben-Maximilian gezielt mit Stöcken in die Rutschröhe holzen, Sand hineinwerfen oder an anderer Stelle mit dreikäsehochgroßen Blechschaufeln oder mannslangen Ästen um sich schlagen. Antiautoritär mögen es die einen nennen - für mich ist das totalstes Desinteresse und eine Gefährdung für meine Quiekkinder. Oder lasst es mich kurz mit einem geliehenen Werbesloagan ausdrücken:

 Elite-Spielplätze.de: Ökodemiker & Muddis ohne Niveau.

Ein Nachtrag: Falls die Darstellung im verärgerten Eifer des Gefechts zu einseitig war, möge man mir verzeihen. Auch mein Kind ist kein Unschuldslamm. Quasi jedes Kind kann zum Spielplatzschreck mutieren und man darf schon in jungen Jahren den Gruppenzwang nicht unterschätzen - aber wenn sich MEIN Kind derartig benimmt, reicht mein oben beschriebener Blick meist aus, um dies sofort zu unterbinden. Und wenn nicht, verleihe ich dem Blick auch gerne Nachdruck, indem ich die Randalemaus aus dem Geschehen entferne. Danke. Weitermachen.

Dienstag, 24. September 2013

Forum Mamarum

Vor meiner ersten Schwangerschaft meldete ich mich voll motiviert und hormonell schwer verwirrt in einem großen Mamaforum im Internet an. Schnell fand ich auch die für mich passende Gruppe von Frauen, die wie ich schnellstens schwanger werden wollten. Ich freute mich wie eine Schneekönigin! Es dauerte eine Weile, bis ich die ganzen internen Kürzel für Ereignisse verstand, mit denen ich bis dato nichts zu tun gehabt hatte:
  • ES = kein Roman mit einem mordlustigen Clown, sondern der Eisprung, der mit vielen Tricks perfekt  vorhergesagt werden kann
  • NMT = diese drei unscheinbaren Buchstaben können sogar zwei Bedeutungen haben: für die Hibblerinnen ist es der Nicht-Menstruations-Tag, für die Verhüterinnen der Normal-Menstruations-Tag
  • SS = nicht die Schutzstaffel der NSDAP (die mich in einem Mamaforum auch wirklich sehr verwirrt hätte), sondern einfach die Schwangerschaft
  • Hibbeln = tue ich normal, wenn ich dringend muss, aber nicht kann - soll hier aber die Tätigkeit von Frauen beschreiben, die darauf warten, endlich schwanger zu werden
  • ZS = keine ehemalige saudi-arabische Billigfluggesellschaft, sondern etwas noch Schlimmeres - die zwei Buchstaben kürzen das unschöne Wort Zervixschleim ab
  • ÜZ = nicht die niedliche Abkürzung eines schweizerischen Altherrennamens, sondern schlicht für den Übungszyklus. In diesem Zyklus wird nichts anderes "geübt", als schwanger zu werden - und zwar nicht durch profanen Sex, sondern durch Herzeln
  • ET = kein süßer Alien-Langfinger, sondern das, was all dem Abkürzungshorror endlich die Krone aufsetzen soll: der Entbindungstermin
Diese und zahlreiche andere Neuheiten der Sprachwelt jenseits meines Horizontes lernte ich also brav und konnte schnell ebenso über Tempi-Kurven und ZS-Ausprägungen fachsimpeln wie die alten Mama-Hasen. Soweit, so lustig. Als ich dann überraschenderweise schon im ersten ÜZ schwanger wurde, wechselte ich euphorisch in die passende Gruppe Frauen, die im gleichen Monat wie ich ET hatten. Zunächst war all das auch wirklich noch nett, informativ und spannend. Gleichgesinnte zu finden hat für mich immer den AA-Charakter (ja, ich meine die Anonymen Alkoholiker und nicht etwa einen "Absoluten Anovulationszyklus"):
"Hallo. Meine Name ist Grummelmama und ich bin Hibblerin." "Hallo, Grummelmama."
Zuerst ist es toll, sich unter ähnlich tickenden Menschen zu befinden, aber schnell artet diese Art Gruppenkuscheln auch aus.

Nach einigen Wochen hatte ich das Forum jedoch durchschaut. Und mit ihm die Mütter, die sich dort so tummeln. (Und nicht nur dort, wie ich viel später erst rausfinden sollte)

Im Grunde ist so ein Forum ganz einfach erklärt. Es gibt das Klischee der Übermutter und das der Rabenmutter - und für eins der beiden musst du dich entscheiden. Und dann gibt es da noch die Hauptthemen, die wieder und wieder und wieder (und wieder) durchgekaut werden und regelmäßig zu den schlimmsten Zickenkriegen führen, die ich jemals miterleben durfte:
  • Rauchen in der Schwangerschaft
  • Alkohol in der Schwangerschaft
  • Impfen oder nicht
  • Gehfreis und Türhopser
  • Ohrlöcher bei Babys und Kleinkindern
  • Richtige und falsche Bauchtragen
  • Stillen
  • Schlaferziehung
Diese Themen und ihre Abwandlungen findet man jeden Tag - und die Tragik daran war, dass ich mich viel zu oft auf sie einließ. Ich kann gar nicht sagen, wieviel kostbare Lebenszeit ich drauf verwendete, meine Ansichten zu vertreten, mich zu streiten und mich auf unnötige Diskussionen mit wildfremden Menschen einzulassen, die vom Thema ungefähr so viel Ahnung haben wie eine Stubenfliege von Kurvendiskussionen. Es ist unfassbar, auf wieviel Dummheit, Ignoranz und Unwissenheit man in einem solchen Forum treffen kann. Unfassbar, unheimlich und ungelogen unerträglich. Leider brauchte ich mehrere Jahre, um mich gänzlich aus dieser anstrengenden Welt herauszuhalten und im Stillen für mich zu klären, dass ich weder eine Raben-, noch eine Übermutter bin und keinen inneren Auftrag mehr verspürte, das Leben und die Meinungen anderer zu ändern.

Es gibt einfach Dinge auf dieser Welt, speziell wenn es um Babys und Kinder geht, die für mich keine Diskussionen mehr zulassen. Im Gegenzug dazu ist es aber auch unter aller Kanone, regelmäßig zu vergessen, dass man im Internet mit Menschen und nicht nur mit Nicknames und Pseudonymen zu tun hat und auf eine derart respektlose Weise mit jemandem kommuniziert, wie man es nicht einmal mit seinem schlimmsten Feind tun würde.

Fazit von all dem ist: Frauen untereinander sind anstrengend - und wenn diese dann noch frustrierte Hibblerinnen oder gar schwanger sind, gibt es kein Halten mehr. Jede weiß es besser und ist die Tollere, selbst wenn sie noch gar keine Ahnung hat, was du eigentlich willst. Und ich kann nur jeder Frau, die Kinder hat oder möchte, raten: Mach einen großen Bogen um Mütter- und Schwangerenforen und lerne stattdessen das Stricken oder eine Fremdsprache. Aber was rede ich? Ihr hört sowieso nicht auf mich. Und warum? Weil wir Frauen das brauchen. Irgendwie liegt all das doch in unserem Blut - und Hand auf's Mutterherz:
Es gibt Tage, an denen ist es durchaus entspannend, seinen Frust und seine Aggressionen in einem Streitgespräch über Bauchtragen wegdiskutieren zu können - so unbefriedigend es am Ende auch ausfallen wird.


Mittwoch, 11. September 2013

Schlaflose Helden

Heute schicke ich ein lautes und enthusiastisches "Hut ab" an alle Mamas und Papas, die seit Wochen und Monaten nicht mehr richtig schlafen, weil Zwerg und Zwergin die Nacht zum Tag machen wollen. Wie haltet ihr das aus?

Für mich war die Nacht und mit ihr mein Schlaf unfassbar wichtig. Ich schlief lange und gerne. War eine Nachteule. Konnte problemlos wochenends bis zum Mittag in den Federn liegen. Vor dem Schlafmangel und seinen Folgen hatte ich in meiner ersten Schwangerschaft wohl am meisten Angst. Als die Maus dann auf der Welt war, waren der Mann und ich uns auch einig, dass wir eine strenge Schlaferziehung durchsetzen wollten. Das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" habe ich übrigens noch nie persönlich in der Hand gehabt - nur falls jetzt schon einige mit den Augen rollen. Die ersten sechs Monate schlief die Maus in unserem Schlafzimmer. Zunächst in einer kleinen Wiege, später dann in ihrem Babybettchen. Nur die ersten paar Nächte hatte ich sie mit in unserem Bett und stellte ganz schnell fest: ICH HASSE ES. Ich konnte nicht schlafen, traute mich kaum zu atmen und war immer auf 180.

Klar, die ersten Nächte waren nicht toll. Babychen brüllte gerne, was das Zeug hielt, war hungrig, bauchschmerzig, neugeborenenpanisch. Aber wir starteten schon da die Operation: Superschlaf. Und die war eigentlich ganz einfach: wir machten NIE die Nacht zum Tag. Tags wurde sie rumgetragen, bespielt, bekuschelt. Nachts wurde geschlafen. Im Dunkeln. Im Bett. Nicht im Auto um den Block fahrend, nicht neben dem laufenden Staubsauger, nicht im Buggy durch die Straße schockelnd. Ich lag neben ihr, hielt ihr Händchen, streichelte sie, sang, fütterte sie - aber nie, nie, nie machte ich Licht und schleppte sie rum.Und, oh Wunder, das zeigte schnell Wirkung. Die Maus schlief sehr schnell durch. Die ersten Monate trank sie natürlich noch 1-2 Mal in der Nacht, aber schlief dann wieder sofort ein und wir hatten nie Probleme. (Fairerweise sei an dieser Stelle nochmal daran erinnert, dass ich brustproblemtechnisch zwei Flaschenkinder und es somit einfacher hatte)

Als wir über ein zweites Kind nachdachten, war die Maus etwa 2 1/2 und ein perfekt schlafendes Kind. Ein Kind, das zum Entsetzen und zum Neid vieler Eltern abends "Mama, ich will ins Bett" sagte, das man hinlegte und das dann bis morgens um 9 oder gar 10 Uhr durchschlief. Daran war ich gewöhnt. VERwöhnt. Was, wenn das zweite Kind das genaue Gegenteil von Maus werden würde? Was, wenn ich plötzlich ein sehr aktives, anstrengendes dreijähriges Rebellenmausekind hatte, das perfekt schlief UND ein ruhiges, entspanntes Relaxmäuschen, das in der Nacht permanent aufwachte? Das würde ich nicht durchstehen.
Je näher der Geburtsttermin rückte, desto unruhiger wurde ich. Ich hatte wirklich Angst um meinen Schlaf - noch viel mehr als beim ersten Mal. Der Mann beruhigte mich, meinte, wird würden alles einfach so wie beim ersten Kind machen, das würde schon klappen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch davon überzeugt, dass sich Schlaferziehung und Veranlagung etwa die Waage halten.

Als das Mäuschen dann auf der Welt war, machten wir alles genau wie bei der Maus. Sie lag im Beistellbettchen neben uns, ihr Händchen in meiner Hand. Kein Rumrennen, kein Licht, kein Trara und kein Tamtam. Und was soll ich sagen? Es klappte wieder.

Damit hattet ihr jetzt nicht gerechnet, oder? Hand auf's Herz: Ich auch nicht.

Die beiden schlafen jetzt seit mehreren Monaten zusammen in einem Zimmer und es gibt keine Probleme. Das Mäuschen schläft supergut, schlief auch schnell durch und wir sind echt happy darüber. Gut, ich muss aber auch sagen, wir sind die Art von bösen Eltern, die nicht bei jedem Gejammer ins Zimmer rennen und Aufstand machen. Ich lasse meine Kinder nicht stundenlang brüllen, bis sie erschöpft einschlafen, aber ich lasse ihnen durchaus die Chance, sich selbst zu beruhigen, bevor ich es tue.

So viele sagen, dass ein Baby nie ohne Grund weint und man immer darauf eingehen muss. Das denke ich nicht. Klar, ohne Grund weinen sie nicht - aber es muss nicht immer Angst oder Panik dahinterstecken. Manchmal sind sie einfach nur übermüdet oder bockig. Und ich denke, jede Mutter kann sehr gut unterscheiden, welches Weinen was bedeutet. Und ich sehe nicht ein, dass ich für ein übermüdetes, bockiges Kind Animateur spiele. Dazu ist mir MEIN Schlaf zu heilig.

Warum ich all das hier schreibe? Weil ich trotz meiner Meinung, meiner Erfahrung und meiner Einstellung nur den Hut vor den Mamas ziehen kann, die monate- und jahrelang Familienbett praktizieren, nie länger als 3-4 Stunden Schlaf kriegen und daran auch scheinbar nicht wirklich etwas ändern wollen. Und das ist weder zynisch noch sarkastisch gemeint. Ihr seid meine Heldinnen. Und wenn ich ab 20:15h für etwa 12 Stunden meine Ruhe habe, denke ich an euch - und frage mich, was für eine Mutter ich wäre, hätte unsere Erziehung nicht gefruchtet...

Freitag, 6. September 2013

Namenlos

Man gewöhnt sich als Mutter ja an so einiges. An weniger Schlaf, mehr Wäsche oder weniger Freizeit. Man gewöhnt sich auch daran, dass man immer zuerst an die Kinder und dann erst an sich selbst denken muss. Aber an eine Sache werde ich mich wohl nie gewöhnen: Keinen Namen mehr zu haben.

Mit 18 fängt es ja schon an, das Elend. Als ich das erste Mal volljährigerweise im Wartezimmer des Frauenarztes saß und plötzlich meine Mutter aufgerufen wurde, obwohl diese gar nicht dabei war - und ich feststellte, dass die Helferin wohl MICH meinen musste. Frau Sowieso. Oh mein Gott. Ich war alt. Das Leben ging jetzt bergab. Falten, graue Haare, Rückenprobleme. All das lief wie eine Vorschau in meinem Kopf ab. Frau Sowieso. Da war ich also. Im Erwachsenenleben angekommen. Was ich immer wollte. Jetzt, wo ich ihn hatte, den Respekt von Gleichgestellten, wollte ich ihn nicht mehr haben.

Weiter ging es, als ich heiratete. Ich war nun nicht mehr Frau Sowieso, Freundin von Demunddem. Ich war Frau Dingsbums. Frau vom Mann. Am Telefon musste ich immer sagen: "Mein Mann wollte blabla", oder "Ja, mein Mann hat blabla". Grauenvoll. Ich kam mir schlagartig 10 Jahre älter vor UND musste mich auch noch an einen vollkommen fremden Namen gewöhnen.

Dann kam die Maus. Nun musste ich am Telefon sagen: "Ich wollte einen Termin für meine Tochter machen", oder "Meine Tochter soll blabla". Wieder 10 Jahre älter geworden. Ich sah mein Leben irgendwie im Schnelldurchlauf an mir vorbeiziehen, obwohl ich mich doch selbst kein Jahr älter als nach dem Abi fühlte. Warum begriff das nur niemand und übernahm all diese Erwachsenenaufgaben für mich?
Dann kam das Mäuschen und nun war ich Frau Dingsbums, Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern. Wieder 10 Jahre drauf.

Als die Maus einige Zeit später sprechen konnte, war ich plötzlich nicht mehr nur Frau Dingsbums, ich war auch Mama. Manchmal auch Mami. Mamilein auch in seltenene Fällen. 10 Jahre mehr und wieder das Gefühl, meine eigene Mutter zu sein.

Der vorläufige Höhepunkt war erreicht, als die Maus in den Kindergarten kam... Warum?
Früher ging ich durch die Stadt und ich traf Leute. Freunde, Bekannte von mir oder meinem Freund. Und sie sagten zu einander "Hey, das ist doch die Dingens!". Heute gehe ich durch die Stadt und treffe Leute. Freunde, Bekannte von der Maus. Und sie sagen zueinander "Hey, das ist doch die Mutter von Maus!". Und folgendes Wort schreibe ich wirklich nur ungern. BÄMM. Wieder 10 Jahre drauf. Mindestens.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich werde schon so lange nicht mehr bei meinem Vornamen genannt, dass ich ihn selbst manchmal gar nicht mehr weiß. Der Mann sagt ihn auch selten bis nie, was mir immer dann auffällt, wenn er es doch einmal tut. Fremd klingt er dann und ein bisschen seltsam. Nein, er nennt mich auch nicht "Mutti", "Hasenpups" oder gar "Mamabär". Sonst wäre ich schnell wieder Frau Sowieso, geschiedene Dingsbums. Er sagt ihn einfach nur selten. Sehr selten. Aber vielleicht ist das ganz gut, dann nutzt er nicht so schnell ab.

Denn ich brauche ihn ja noch. Für die Zielgerade des Elends - wenn Maus und Mäuschen in die Pubertät kommen und es plötzlich cooler finden, mich beim Vornamen zu nennen.
Und ich weiß schon jetzt: Ich werde wohl nie älter sein, als ich mich dann fühlen werde.

Sonntag, 18. August 2013

Größenwahnsinn

Wir schreiben das Jahr 2013, es sind 27°C im Schatten und es ist Mitte August. Die Kinder plantschen in Badehosen im Garten oder toben mit Sommerkleiden oder Spaghettitops, kurzen Hosen und Sandalen auf dem Spielplatz herum. Alles könnte so schön sein - wenn nicht die Kleidungsindustrie wie jedes Jahr schon beschlossen hätte, die Herbst/Winter-Kollektion 2013/14 in die Läden zu hängen.

Ja, in einer Zeit, in der die Supermarktketten im Sommer schon die ersten Nikoläuse und Gebäckmischungen anbieten, muss König Kunde sich auch schon im Hochsommer die Wollpullis und Strickwesten in den Geschäften angucken, während er schwitzend in einem Hauch von Nichts durch die klimatisierten Läden bummelt. Aber was hat das für Auswirkungen auf uns?
Für mich fühlt es sich leider ab dem ersten Herbstmodemoment so an, als wäre der Sommer schon vorbei. Ich spüre geradezu, wie das Laub sich verfärbt, die Abende kühl und kurz werden und der Geruch des ersten Schnees naht. Und das oft schon im Juli, bevor der Sommer überhaupt auf Touren gekommen ist. Das macht mich traurig, weil ich ihn oft gar nicht richtig genießen kann.

Für die Eltern unter uns bedeutet dieser Jahreszeitenkuddelmuddel aber noch etwas ganz anderes, was uns auf eine der härtesten Proben überhaupt stellt: Fröhliches Größenraten.
Woher soll ich bitte im August wissen, welche Jackengröße Mäuschen im November hat oder welche Größe die Winterstiefel für die Maus haben müssen? Geschweigedenn zu ahnen, ob das Mäuschen dann überhaupt schon welche braucht! Dasselbe Spiel spielt man als Mutter auch gerne umgekehrt, wenn man im tiefsten Winter in den Geschäften die ersten Sommersandalen findet und nicht weiß, ob man vor Lachen oder Weinen zusammenbrechen soll. Wenn jetzt jemand denkt "Dann kauf das halt, wenn die Zeit reif ist...", muss ich leider grummelig den Kopf schütteln. Wie oft habe ich - total dreist und frech - im Juli noch Sandalen für ein Kleinkind gesucht! Alles ausverkauft, kaum noch Größen zur Auswahl, so die genervten Antworten von Verkäuferinnen. Und der Schuhsupergau dann letzten Winter, in dem die rücksichtslose Maus doch aus ihren im Spätsommer gekauften Winterstiefeln rausgewachsen und NIRGENDS Ersatz aufzutreiben war. Weder online noch in Läden. Ob das Kind nur meiner Bitte, seine Füße nicht mehr so schnell wachsen zu lassen, nachkommt, ist fraglich bis unsicher.

Was sind wir? Eltern! Und was wollen wir? Winterschuhe im November und Sommersachen im Juli!
Ich jedenfalls habe die Schnauze voll vom Größenroulette und den Ratespielen - und ganz ehrlich habe ich auch keinen kleinen Esel, der sein Schwänzchen hebt und Euronen kackt, damit ich mehrere Größen für jede Jahreszeit abdecken kann, um auch mal einen Treffer zu landen.

Sonntag, 11. August 2013

Mama No Go (1)

Wir alle kennen die seltenen, entspannenden und wundervollen Abende, die nur uns gehören und die wir mit Freundinnen außer Haus im Kino, im Biergarten oder beim Shopping verbringen können. Raus aus der Routine des Windelnwechselns, des ewigen "Mamaaaaa!"-Gerufes, der Habachtsonstfälltdaskindsichdiezähnerausstellung... Entspannend, befreiend, unglaublich wichtig.

Und dann passiert es, dass man sich mit einer anderen Mutter trifft, die man noch nicht so gut kennt und die scheinbar die heiligen Regeln des kinderfreien Abends oder Nachmittags irgendwie so gar nicht kapiert, oder schlimmer, noch nie davon gehört hat. Man sitzt also da, schlürft genüsslich am ersten Mojito, will gerade das Mamahirn aus- und das Nur-Ich-Hirn einschalten, da passiert es: Die andere Mutter redet von ihren Kindern. Vom Windelnwechseln, vom ewigen "Mamaaaa!"-Gerufe und von der Habachtsonstfälltdaskindsichdiezähnerausstellung. Nicht so tragisch, mag jetzt manche Leserin oder mancher Leser denken - aber was, wenn sie nicht mehr damit aufhört? Wenn sie den kompletten ersten und zweiten Mojito lang von nichts anderem redet? Auch noch nicht so tragisch? Na gut, aber was, wenn sie beim dritten Mojito (den nur ich trinke, weil ich sonst laut schreien muss) anfängt, mir ein Kinderbild nach dem anderen auf ihrem Handy zu zeigen und bei der Suche dort dann auch noch auf ein paar niedliche Videos der putzigen Kleinen stößt? Jaha, JETZT wird die ganze Tragweite eines solchen Treffen klar, oder? Und wenn dann auch noch jeder Versuch, das Gesprächsthema auf etwas anderes zu lenken, knallhart und eiskalt abgeblockt wird, dann hilft wahrscheinlich auch kein vierter Mojito mehr. Kann aber auch nicht schaden.

Liebe mir noch fremde Mütter, die sich in nächster und ferner Zukunft mit mir treffen wollen:
Ich nutze meine kinderfreien Abende tatsächlich dazu, mich zu entspannen und aus meinem Alltag zu entkommen. Ich rede sicherlich auch mal über meine Kinder, keine Frage. Aber ich rede nicht über Einschlafrituale, Stuhlgewohnheiten, Kinderkrankheiten, die Farbe des letzten Erbrochenen, die Freundinnen der großen Schwester, die Wandschmierereien der Kleinsten, meine schlaflosen Nächte, deine schlaflosen Nächte und schon gar nicht rede ich über persönliche Dinge wie meine Ehe und deren Streitereien.
Ich rede über Musik und Schuhe und Bücher und Filme und Shopping und die Welt, über das Leben und wegen mir auch über die aktuelle Tagespolitik.
Wenn ihr über nichts anderes reden könnt, als eure Kinder, dann muss ich leider davon ausgehen, dass ihr in eurem Leben nichts anderes mehr habt, worüber es sich zu sprechen lohnt. Und dann tut ihr mir leid und habt mein tiefstes und ehrlich empfundenes Mitgefühl. Aber bitte, bitte: trefft euch mit euresgleichen.
Denn ich bin zwar Mutter, aber eben nicht nur. Ich bin immer noch die Frau, die ich VOR den Kindern war. Wo ist die Frau hin, die ihr vorher wart?

Und an alle anderen: Ihr wisst, welche Art Mutter ich meine. Ich lästere über sie, ich mache Scherze auf ihre Kosten - aber eigentlich ist es wirklich verdammt traurig, so zu sein. Auch für die Kinder. Wäre ich auch nur ansatzweise so wie sie, würden meine Kinder keine Grummelmama, sondern eine Trauerkloßmama haben. Und das permanent.

In diesem Sinne: Haut rein und genießt euer Frau-Sein! Und vergesst nicht, das schlechte Gewissen an der Haustüre dem Papa oder Babysitter abzugeben, bevor ihr geht!
Und noch eine Anmerkung der Ich-Redaktion: Alkohol ist nicht immer eine Lösung, gerne darf auch eine Cola oder ein Virgincocktail getrunken werden - nur, damit wir uns richtig verstehen ;)