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Sonntag, 24. November 2013

Mausarbeit

Früher war alles besser. Sagt man. Bei manchen Dingen stimmen diese abgenutzten Worte sogar. Zum Beispiel bei der Hausarbeit. "Die spinnt doch, die Grummelmama!" denken jetzt die Nicht- oder NochNicht-Mamas und Papas unter euch. Die anderen nicken jetzt sicher seufzend und wissend.

Ich denke, wir alle sind uns einig, dass Hausarbeit per se jetzt nicht DAS Unterhaltungsprogramm ist, mit dem man gerne langweilige Stunden oder freie Tage füllt. Es muss eben getan werden, egal wie und wann. In meiner Prämamazeit hasste ich es, zu saugen, zu wischen, aufzuräumen, Geschirrspüler zu be- und entfüllen oder das Bad zu putzen. Eigentlich konnte ich mir nichts Schlimmeres vorstellen als das. Und jetzt? Jetzt ist es Entspannung pur? Gar nicht mehr so schlimm? Eine willkommene Abwechslung? Ja - WENN Maus und Mäuschen (M&M) aus dem Haus sind. Warum das so ist?
 Hier nur kurz eine Gegenüberstellung von prä und post M&M Arbeitsschritten am Beispiel "Staubsaugen" (So oder ähnlich übertragbar auf alle Hausarbeiten):

*Staubsaugen prä M&M: Teppiche ausschütteln und hochlegen, Dinge vom Boden wegräumen, Stecker in die Steckdose, Zimmer für Zimmer staubsaugen. Fertigstellung nach etwa 20 Minuten.

**Staubsaugen post M&M: Das Mäuschen davon überzeugen, dass gerade JETZT auf Teppichen sitzen eher schlecht ist, Teppiche ausschütteln und hochlegen. Hinter dem Mäuschen her rennen, das sich den nicht hoch genug gelegten Teppich wieder gemopst hat. Teppich höher hochlegen. Eine Million Dinge vom Boden wegräumen (Papa Schlumpf, Playmo-Feen, Holzkühe, diverse Winzdinge, Bälle, Schnuller, Haarspangen, viel Glitzerzeug in verschiedenen Varianten). Der Maus klarmachen, dass man all das NICHT wegwerfen möchte, währenddessen das Mäuschen wieder ein paar aufgesammelte Dinge auf dem Boden verteilt. Erneut wegräumen. Stecker in die Steckdose. Stecker wieder in die Steckdose. Stecker ein drittes Mal in die Steckdose. Das Mäuschen aus dem Zimmer werfen, weil es immer wieder den Stecker aus der Steckdose zieht. Mit dem Versuch beginnen, das erste Zimmer zu saugen. Das Mäuschen davon überzeugen, dass auf dem Staubsauger reiten jetzt total unpraktisch und zudem nicht ungefährlich ist. Merken, dass 15 Monate alte Mäuse weder diskussionsfähig noch offen für gute Argumente sind. Überzeugungen scheitern, weitersaugen MIT dem reitenden Mäuschen. Stopp alle paar Minuten, um das weinende, weil runtergefallene Mäuschen zu trösten. Die Maus überzeugen, dass der Luftballon zwar dufte im Luftstrom des Staubsaugers fliegt, aber der Arbeit an sich eher kontraproduktiv im Weg steht. Merken, dass vierjährige Mäuse weder diskussionsfähig noch offen für gute Argumente sind. Überzeugungen scheitern, weitersaugen MIT dem Luftballon im Luftstrom und um den Sauger hüpfenden Mäusen. Beim Wechseln in ein anderes Zimmer feststellen, dass die Maus doch wieder die Playmobil-Feen auf dem Boden verteilt hat. Vielleicht aus Trotz, weil immer nur das Mäuschen auf dem Staubsauger reiten "darf". Wieder Dinge aufräumen, während das Mäuschen wieder den Stecker aus der Wand zieht. Je nach Zimmeranzahl wiederholt sich dieses Szenario dann noch 3-4 Mal. Fertigstellung? Gefühlt: Nie! Schweißausbruchanzahl: 100!

(Noch) nicht Mütter und Väter finden das wahrscheinlich jetzt alles sehr spaßig. Verständlich. Aber wenn man sich zu all dem noch die Tatsache vor Augen hält, dass dieses Prozedere ja auch noch viel öfter durchgeführt werden muss, je mehr Kinder man hat, dann wird schnell die volle Tragweite der Umstände klar:
Kinder bedeuten mehr Krümel, Kleinkram auf dem Boden, Papierschnipsel, Glitzerkram (zumindest bei Mädchen), Konfetti (wo auch immer her), Rosinen, vertrocknete Gummibärchen, Dreck aller Art vom Spaziergang mitgebracht. Mehr Kinder bedeuten noch mehr Krümel, noch mehr Kleinkram, Schnipsel, Glitzerkram, mehr - ich denke, ihr wisst, was ich meine! Nur eins wird leider nie mehr: Mamas Nerven. Die nehmen potentiell zum Anstieg der Verschmutzung ab. Und daher kann ich allen Müttern nur raten: Macht es wie ich, werft Mann und Mäuse einfach raus, dreht die Musik auf und staubsaugt, wischt und räumt auf, als ginge es um euer Leben! Denn man kann nie wissen, wie lange die Ruhe und Einsamkeit anhält.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Mamyphos

Mann und Maus halten es wie Woody Allen, der einst sagte "Wieso soll ich mein Zimmer aufräumen,
wenn doch die ganze Welt ein Chaos ist?" - Ich selbst bin da nicht ganz seiner Meinung. Auch die schreckliche Tatsache, dass "das morgen doch wieder dreckig ist", sollte einen nicht ernsthaft davon abhalten, die Wohnung nicht zu einer von Tine Wittler heimzusuchenden Messie-Höhle verkommen zu lassen. Doch leider stehe ich - so wie viele Frauen vor mir - mit dieser Meinung meist ganz alleine auf verkrümelter Flur.

Ich glaube ja mittlerweile, dass es nur zwei Arten von Müttern gibt, was dieses Thema betrifft.
Art 1 hat noch nicht ganz aufgegeben und räumt Tag für Tag, Stunde für Stunde hinter ihren Lieben her und glaubt daran, den einigermaßen ordentlichen Status Quo aufrecht erhalten zu können.
Art 2 hat längst aufgegeben und lässt mehr oder weniger entspannt das Chaos regieren und schaut sich derweil Woody Allens Filme an.
Ich gehöre noch zu Art 1. Ich räume mehrmals am Tag die Spielsachen in Kisten, sortiere Kleidungsstücke nach "dreckig", "geht noch" oder "sauber und nur aus dem Schrank gerupft", stelle meine Schuhe wieder zurück aufs Schuhregal und kehre oder sauge zum gefühlten 100. Mal ein Meer von Krümeln, getrockneten Erbsen oder Nudeln vom Boden auf. Auch versuche ich tapfer, dem Keimgarten im Hochstuhlbiotop Herr zu werden. Der Mann schüttelt bei all dem Kampf gegen die Kindmühlen nur verständnislos den Kopf und erntet dafür mehr als nur böse Blicke meinerseits. Ich meine, sollte man nicht versuchen, all das trotz der Unsinnigkeit und geringen Halbwertszeit durchzusetzen, damit man ein sauberes und gemütliches Zuhause hat und sich nicht panisch-verschämt hinter dem Sofa verstecken muss, wenn es unangekündigt an der Tür klingelt?

Auch habe ich das Gefühl, ein kleiner unsichtbarer Gnom sucht regelmäßig meine früher so unberührte Wohnung auf, um direkt nach dem Spiegelundbalkontür-Putzakt seine winzigen und scheinbar immer schmierigen Fingerabdrücke auf der polierten Oberfläche zu hinterlassen! Wenn ich den erwische, geht es ihm an den Kragen! Ebenso wie dem Wicht, der in der Nacht wohl heimlich und leise Legosteinchen aus dem tollen und aufgeräumten Kistensystem im Kinderzimmer mopst, um sie nach gaaaaaanz hinten unters Sofa zu schieben. Was hat er davon? Und wann um alles in der Welt tut er das?

Wenn ich auf allen Vieren unter dem Tisch mal wieder die Krümelerbsnudeln aufkehre, frage ich mich oft, wo genau dieser Sisyphos wohnt und ob er vielleicht ein paar Tage mit mir tauschen möchte. Was ist schon ein Fels gegen all diese Krümel, Legosteine, Kinderspielzeugkisten, Wäscheberge oder Fettfingerchenabdrücke?
Und schlimm an all dem ist ja, dass meine Kindheit und Jugend noch nicht so lange her ist, dass ich verdrängen könnte, dass es nicht besser wird, wenn die Mäuse alt genug sind, mit anzupacken. Im Gegenteil! Es wird ja nur schlimmer, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, sie KÖNNTEN helfen, TUN es aber nicht! Und dann werden sie mich mit denselben Sprüchen zur Weißglut bringen, wie ich meine arme Mutter früher. "Das ist doch mein Zimmer, kann dir ja egal sein, wie es aussieht", oder "Du übertreibst total, entspann dich halt mal!", oder "Was hast du denn? Sieht doch gut aus!", oder gar "Ich mach das gleich"... Wie wir ja alle schon bei unseren schwerst geliebten Männern feststellen können, hilft es nicht, etwas in der Theorie zu können, wenn die Praxis dann doch an dem blöden Mamyphos hängen bleibt, der die "Oh, gar nicht aufgefallen"-Dreckspuren des Mannes aus dem Waschbecken putzt, nur damit ein paar Minuten später die Maus mit verklebten Farbfingern alles wieder zuspritzt.

Aber was will man machen? Man kann sie ja nicht rauswerfen. Man liebt sie ja. (Ooooooommmmm)